Erdogan: Sultan Mehmet Fatih war auch „Kaiser der Römer“

„Krieg der Worte“ um die Hagia Sophia geht weiter – Erster Imam der „Ayasofya“-Moschee wird aus Bosnien kommen, um die gesamtislamische Bedeutung der „Re-Islamisierung“ der Hagia Sophia zu unterstreichen – Mufti des westthrakischen Komotini bedauert Entscheidung zur Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee

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Foto: © Адміністрація Президента України (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution 4.0 International)

Konstantinopel-Athen, 14.07.20 (poi) Die Auseinandersetzung um die Hagia Sophia geht weiter. Der türkische Staatspräsident Recep T. Erdogan legte vor den Funktionären seiner AKP nach: Die Hagia Sophia sei eine Moschee gewesen, dann ein Museum geworden, jetzt werde sie wieder zur Moschee. Sultan Mehmed Fatih („der Eroberer“) sei im übrigen nicht nur osmanischer Sultan gewesen, sondern auch „Kaiser der Römer“ (wie die oströmischen „Rhomäer“, die „Rumi“, auf osmanisch genannt wurden. Auch heute noch werden die orthodoxen Kirchen in der Türkei als „rum-ortodoks“, „römisch-orthodox“ bezeichnet).

Die „Re-Islamisierung“ der Hagia Sophia war das zentrale Thema bei der AKP-Versammlung. Erdogan legte dar, dass der erste muslimische Gottesdienst bewusst am 24. Juli stattfindet, dem Jahrestag des „Vertrags von Lausanne“ von 1923, mit dem die Entfernung der christlichen Bevölkerung aus Kleinasien von den Westmächten gutgeheißen wurde. Der erste Imam der „Ayasofya“-Moschee werde aus Bosnien kommen, um die gesamtislamische Bedeutung der „Re-Islamisierung“ der Hagia Sophia zu unterstreichen. Präsident Erdogan wird bei dem Gottesdienst am 24. Juli anwesend sein und das Wort ergreifen.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu erklärte im Gespräch mit „Hürriyet“, dass die Türkei in Sachen Hagia Sophia nicht einen Schritt zurückweichen werde. Präsident Erdogan habe die Frage sogar mit seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin besprochen: „Mittlerweile unterstützen alle, die vorher gesagt haben, macht die Hagia Sophia nicht zur Moschee, unsere Vorgangsweise“. Nur wenige, „wie zum Beispiel Griechenland“, seien immer noch dagegen. Cavusoglu erneuerte die Anklagen gegen Griechenland, dass es keine Moschee in Athen gäbe und die Muslime im westlichen Thrakien „unterdrückt“ würden.

Demgegenüber erklärte der Mufti des westthrakischen Komotini, Khalil Jihad, er befürchte Spannungen im westlichen Thrakien wegen der „provokanten und falschen“ Entscheidung, die Hagia Sophia zur Moschee zu machen. Wörtlich sagte der Mufti der nordgriechischen Stadt: „Wir leben in einem demokratischen Land, unsere Moscheen in der Gegend sind jeden Tag offen, wir beten jeden Tag, es gibt kein Problem“. Aber es sei zu befürchten, dass durch die Entscheidung über die Hagia Sophia Hass zwischen Christen und Muslimen entstehen könnte. Diese Entscheidung sei offensichtlich nicht richtig gewesen.

Die Hagia Sophia sei eine christliche Kirche gewesen, so der Mufti von Komotini. Sie sei als christliche Kirche begründet worden und habe – wie der Name nahelege – mehr als 1.000 Jahre den Christen gedient. „Warum hat man jetzt diese Entscheidung getroffen?“, fragte Khalil Jihad: „Eine Moschee hätte woanders gebaut werden können. In unmittelbarer Nähe der Hagia Sophia gibt es die ‚Blaue Moschee‘ (Sultan Ahmet-Moschee). Kirchen in Moscheen zu verwandeln, entspricht nicht den Prinzipien des Islam“. Die Hagia Sophia solle ein Museum bleiben, betonte Mufti Khalil Jihad. Jede andere Entscheidung bringe nur Hass. Es sei notwendig, wechselseitig die unterschiedliche Religionspraxis zu respektieren und eine „harmonische Koexistenz“ zu begründen. Die Hagia Sophia sei als Museum von der UNESCO als Weltkulturerbe-Stätte registriert, dabei solle es auch bleiben.