Erstmals wieder öffentliche Messfeier mit Kardinal-Patriarch Sako in Bagdader Kirche

Sieben Monate waren auf Grund der coronabedingten Restriktionsmaßnahmen keine öffentlichen Gottesdienste möglich – Bei den Messfeiern ist die Zahl der Mitfeiernden beschränkt, die hygienisch-sanitären Vorschriften müssen strikt beachtet werden

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Foto: © Österreichisches Außenministerium (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic)

Bagdad, 05.10.20 (poi) Der chaldäisch-katholische Patriarch, Kardinal Mar Louis Raphael Sako, hat am Sonntag in Bagdad erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie wieder einen öffentlichen Gottesdienst gefeiert. Bei dem Gottesdienst in der Rosenkranzkirche lud er zum Gebet für Armenien, den Libanon, Syrien und Libyen ein. Auf Grund der coronabedingten Restriktionsmaßnahmen waren sieben Monate in der irakischen Hauptstadt keine öffentlichen Gottesdienste möglich. Die ganze Welt bedürfe eines „spirituellen Erwachens“ , um sich „des Friedens und der Stabilität“ zu erfreuen, sagte der Kardinal-Patriarch und zitierte den Aufruf von Papst Franziskus zum Gebet für die Kirche, damit sie ihre Aufgabe „ehrlich, umfassend und wachen Auges“ erfüllen kann.

Die Zeit der häuslichen Quarantäne sei schwierig gewesen, sie habe aber dazu beigetragen, die Beziehungen zwischen den Familienmitgliedern zu stärken; auch die christliche Spiritualität sei durch Gebet und Schweigen, Meditation und vertiefte Bibellektüre gewachsen, stellte der chaldäisch-katholische Patriarch fest. Der gläubige Mensch könne inmitten des Dunkels einen „Lichtstrahl“ entdecken und ein würdiges Leben führen.

Das chaldäische Patriarchat hatte die Wiederaufnahme der öffentlichen Messfeiern für 4. Oktober angekündigt, wobei betonte wurde, dass die Zahl der Mitfeiernden beschränkt sein müsse, es sei Abstand zu halten, die hygienisch-sanitären Vorschriften (u.a. betreffend das Tragen von Masken und Handschuhen) seien zu beachten. Im Gespräch mit der katholischen Nachrichtenagentur „AsiaNews“ hatte Auxiliarbischof Basil Yaldo – ein enger Mitarbeiter des Kardinal-Patriarchen – angekündigt, dass pro Kirchenbank maximal zwei Personen zugelassen sind: „In einem Gotteshaus mit 550 Plätzen werden wir maximal 100 Teilnehmende zulassen können“. Trotzdem sei es nach sieben Monaten Schließung eine „schöne Nachricht“, dass es wieder öffentliche Gottesdienste gebe.

Die Entscheidung zur Wiederaufnahme der öffentlichen Messfeiern sei Frucht einer „kollektiven Überlegung“, sagte der Bischof: „Im Hinblick darauf, dass wir lange Zeit mit dem Coronavirus werden leben müssen, haben wir beschlossen, die Tore der Kirchen schrittweise wieder zu öffnen. In diesen Tagen machen auch die Moscheen wieder auf, die Regierung hat die Wiederaufnahme vieler Aktivitäten beschlossen, daher haben auch wir diesen Schritt gewagt. Es ist notwendig, mit dem Virus zu leben und dabei die Anweisungen der Ärzte und der Behörden zu beachten; man muss achtsam sein und zugleich die Unterstützung der Gläubigen garantieren“…

In den vergangenen sieben Monaten hätten die Menschen in Bagdad viel Angst gehabt, die meisten seien aus Furcht vor Ansteckung zu Hause geblieben, berichtete Bischof Yaldo in dem Interview. Die Kirche habe sich bemüht, trotz allem den Menschen nahe zu sein und vor allem die Familien in wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu unterstützen. Das Patriarchat habe den Pfarrgemeinden finanziell geholfen, damit sie Hilfsgüter für die besonders Bedürftigen kaufen können. Auch die spirituelle Nähe sei nach Möglichkeit aufrechterhalten worden, durch Besuche bei den Familien und durch die Online-Übertragung der Gottesdienste. Es sei ein „positives Element“ der schwierigen Monate gewesen, dass die Solidarität unter den Menschen spürbar war: „Und die Leute haben gespürt, dass die Kirche lebendig ist und niemand vernachlässigt“.

Der Bischof  wurde selbst positiv getestet, ebenso wie ein anderer Bischof in der Patriarchatsverwaltung, ein 68-jähriger Priester (der binnen von vier Tagen an der Krankheit starb) und drei Nonnen. Er sei zehn Tage in seinem Zimmer im Patriarchatsgebäude isoliert gewesen, berichtete Bischof Yaldo. Nur hie und da habe er in den Garten gehen können, um frische Luft zu schnappen. Er habe keine starken Symptome gehabt und die Krankheit habe spontan aufgehört. Abschließend meinte Bischof Yaldo: „Die Hoffnung ist, dass sich die Situation in nächster Zukunft bessert, aber es wird nichts mehr so sein wie früher. Es bleibt der Optimismus, mit dem wir uns an die Gläubigen wenden und sie einladen, wieder in die Kirchen zu kommen. Ein erster Schritt auf einem langen Weg“.

Der Irak ist eines der am stärksten vom Coronavirus betroffenen Länder; die Pandemie hat das Land zusammen mit den althergebrachten Problemen wie Armut und Gewalt an den Rand des Kollaps gebracht. Mar Louis Raphael Sako hatte öfter zur Krise Stellung genommen und dabei betont, dass die Pandemie als Gelegenheit wahrgenommen werden sollte, um einen vertieften Glauben und eine solidarischere Gesellschaft anzustreben.

Auf der Website des chaldäischen Patriachats wurden detaillierte Vorschriften für das Verhalten im Gottesdienst veröffentlicht, u.a. gibt es keinen Friedensgruß und keine „zu nahen Verbeugungen“. Ausdrücklich wird älteren Personen wegen des erhöhten Risikos von der Teilnahme am Gottesdienst abgeraten. Wenn jemand nach der Messfeier sich krank fühlt, müsse er das Patriarchat verständigen, damit die Infektionskette verfolgt werden kann. Da zu jeder Messfeier nur 50 bis 100 Personen zugelassen sind, dürfen die Priester bis zu drei Gottesdienste pro Tag zelebrieren.