Erzbischof Job (Getcha) neuer Rektor des Orthodoxen Instituts in Chambesy

Durch das gleichzeitige Studium der orthodoxen Theologie in Chambesy, der katholischen Theologie in Fribourg und der reformatorischen Theologie in Genf bietet das Institut eine “einzigartige Erfahrung” für orthodoxe Nachwuchstheologen – Sorge über die Zunahme fundamentalistischer Tendenzen in der Orthodoxie, “gute theologische Ausbildung ist das Heilmittel zur Überwindung dieser Krankheit”

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Foto ©: Makarios75 (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Genf, 04.03.19 (poi) Der Repräsentant des Ökumenischen Patriarchats beim Weltkirchenrat in Genf, Erzbischof Job (Getcha), hat zusätzlich die Funktion des Rektors des Post Graduate-Instituts für Orthodoxe Theologie in Chambesy bei Genf übernommen. Der Erzbischof ist bereits seit 2010 Professor für Liturgiewissenschaft in Chambesy. Als Rektor folgt er Prof. Vlassios Phidas, der in Pension gegangen ist. Das Institut in Chambesy wurde als unabhängige akademische Einrichtung beim Orthodoxen Zentrum des Ökumenischen Patriarchats eingerichtet und arbeitet seit 1996 eng mit der Katholisch-Theologischen Fakultät in Fribourg und mit der Protestantisch-Theologischen Fakultät in Genf zusammen. Ziel des Instituts ist die Vorbereitung junger orthodoxer Theologen aus allen autokephalen Kirchen für den ökumenischen und den interreligiösen Dialog. Dass junge orthodoxe Theologen aus aller Welt in Chambesy zwei Jahre zusammenleben und –arbeiten, öffne ihnen die Augen für den panorthodoxen wie den ökumenischen Aspekt, das sei ein wesentlicher Aspekt des Instituts, sagte Erzbischof Job am Montag in einem Interview mit dem Pressedienst der Weltkirchenrats. Durch das gleichzeitige Studium der orthodoxen Theologie in Chambesy, der katholischen Theologie in Fribourg und der reformatorischen Theologie in Genf biete das Institut eine “einzigartige Erfahrung”.

Auch die Nähe zu Genf – einer “nicht zu großen Stadt, die zugleich sehr international ist” – verleihe Chambesy einen besonderen Charakter. Durch die historische Präsenz verschiedener internationaler Organisationen könne man hier Menschen aus aller Welt treffen, von ihren Problemen und Besonderheiten hören und darüber nachdenken, wie man gemeinsam die Welt zu einem “besseren Ort” machen könne. Wörtlich fügte der Erzbischof hinzu: “Genf macht uns bewusst, dass wir – vor allen religiösen oder ethnischen Unterschieden – Bürger der einen Welt sind und eine gemeinsame Verantwortung haben”.

Bisher gebe es zwar keine offizielle Zusammenarbeit zwischen Chambesy und den in Genf beheimateten NGOs oder Teilorganisationen der UNO. Aber im Vorjahr sei ihm als Repräsentant des Ökumenischen Patriarchats bei einer Tagung des UN-Menschenrechtsrates zum Thema Kinderschutz bewusst geworden, wie sehr die Stimme der Kirchen gehört und ernst genommen werde, insbesondere bei Fragen wie Umweltschutz, Migration, Menschenhandel, Kinderschutz. Es sei sehr wichtig, so Erzbischof Job, den Nachwuchstheologen verständlich zu machen, was die Welt von heute von der Kirche und von der Theologie erwarte.

Erzbischof Job kündigte auch an, das er die Zusammenarbeit mit dem Ökumenischen Institut des Weltkirchenrats in Bossey intensivieren wolle. Die beiden “Schwesterinstutionen” in Bossey und Chambesy dürften nicht auf Distanz sein. Schließlich sei es die Aufgabe der Theologen, die Ergebnisse der Programme des Weltkirchenrats in das Leben der Mitgliedskirchen zu übersetzen. Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. sei überzeugt, dass eine neue Generation orthodoxer Theologen ausgebildet werden müsse, “die offen ist für die Welt von heute und ihre Herausforderungen, offen aber auch für die ganze christliche Welt”. Persönlich sei er sehr besorgt über fundamentalistische Tendenzen, Engstirnigkeit und Selbstgenügsamkeit, die sich in der orthodoxen Kirche ausbreiten, so Erzbischof Job. Eine gute theologische Ausbildung sei das Heilmittel, um diese Krankheit zu überwinden.