Erzbischof von Mosul zum Papstbesuch: „Unsere Leute tanzen vor Freude“

Hoffnung darauf, dass die Visite von Papst Franziskus im März 2021 die Rückkehr der vertriebenen Christen in die Tigris-Metropole und in die Ninive-Ebene beschleunigen wird

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Foto: © Sgt. Michael Bracken/PD-USGOV-MILITARY-ARMY (Quelle: Wikimedia; Lizenz: public domain)

Bagdad, 08.12.20 (poi) „Wir sind glücklich, dass Papst Franziskus im März nach Mosul und in die Ninive-Ebene kommen wird. Unsere Leute tanzen vor Freude. Ich hoffe, dass viele von ihnen dank des Papstbesuchs in ihre Häuser und Heimatorte zurückkehren können“: Mit diesen Worten kommentierte der chaldäisch-katholische Erzbischof von Mosul, Michael Najeeb Moussa, im Gespräch mit der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR die Nachricht vom bevorstehenden Besuch von Papst Franziskus. Die Reise des Papstes habe einen hohen Symbolwert „in diesem besonderen Augenblick“, für die Christen sei das ein ganz starkes Ereignis. Das Reiseprogramm zeige mit den Etappen in Ur, der Heimat Abrahams, Mosul und Erbil, dass der Papst zu allen Bewohnern des Irak kommen wolle, zu den Gläubigen der abrahamitischen Religionen, so Erzbischof Moussa. Der Besuch des Papstes erfolge in einem Augenblick, in dem viele Menschen im Irak, vor allem junge Leute, das Land verändern, die Korruption bekämpfen und einen Rechtsstaat errichten wollen, in dem für alle ohne Ausnahme Würde und Gleichheit garantiert sind. Papst Franziskus werde die Themen der Menschenwürde und der Menschenrechte, des Zusammenlebens, des Dialogs und der Vergebung behandeln. Die Respektierung der zahlenmäßigen Minderheiten – wie der Christen und der Jesiden – werde breiten Raum einnehmen.
Der Erzbischof erinnerte daran, dass Christen und Jesiden unter der IS-Terrorherrschaft von 2014 bis 2017 besonders zu leiden hatten. Aber das habe auch für die Zeit nach dem Sturz von Saddam Hussein 2003 gegolten, als die Atmosphäre der Stadt durch die Aktionen islamistischer Gruppierungen vergiftet war. Nach dem Einmarsch der IS-Terroristen seien die meisten Christen und Jesiden geflüchtet. Erzbischof Moussa: „Heute leben nur 50 christliche Familien in Mosul, viele Häuser stehen noch immer leer oder sind zerstört“. Aber er hoffe, dass der Papstbesuch auch die Rückkehr vieler Christen im Zeichen von Frieden und Wohlstand mit sich bringen werde, nicht nur in Mosul, sondern auch in den kleinen Städten und Ortschaften der Ninive-Ebene. Viele Familien würden noch immer als Flüchtlinge in Erbil leben, weil ihre Häuser in der Ebene verbrannt oder zerstört worden sind. „Jetzt bereiten wir uns auf den Besuch des Papstes vor, indem wir gemeinsam beten, mit unserem Patriarchen und den Bischöfen feiern, mit allen anderen Kirchen und der ganzen kirchlichen Community im Irak“, stellte Erzbischof Moussa fest.