Erzbischof von Zypern hat seine Vermittlungsmission in Sachen Ukraine fortgesetzt

Begegnung mit dem serbischen Patriarchen Irinej und führenden Repräsentanten des serbischen Episkopats – Weitere Gespräche sind demnächst mit dem bulgarischen Patriarchen Neofit und dem Athener Erzbischof Hieronymos vorgesehen

0
430
Foto: © Presidential Press and Information Office/Kremlin.ru (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unported)

Belgrad-Nicosia, 19.05.19 (poi) Das Oberhaupt der autokephalen orthodoxen Kirche von Zypern, Erzbischof Chrysostomos II., hat seine Vermittlungsmission in Sachen Ukraine fortgesetzt. Am 17. Mai traf er in Belgrad mit dem serbischen Patriarchen Irinej und führenden Repräsentanten des serbischen Episkopats zusammen, die in der serbischen Hauptstadt an der alljährlichen Vollversammlung der Bischöfe teilnahmen. In den nächsten Tagen möchte Erzbischof Chrysostomos auch mit dem bulgarischen Patriarchen Neofit und mit dem Athener Erzbischof Hieronymos (Liapis) konferieren. Über die Details der Gespräche von Erzbischof Chrysostomos in Belgrad wurde zunächst nichts bekannt. Die serbisch-orthodoxe Kirche hatte sich als eine der ersten Kirchen überaus skeptisch zur Vorgangsweise Konstantinopels in der Ukraine geäußert und insbesondere die „Rehabilitierung“ der schismatischen Hierarchen Filaret (Denisenko) und Makarij (Maletytsch) durch den Heiligen Synod des Ökumenischen Patriarchats und das Kiewer „Vereinigungskonzil“ vom 15. Dezember 2018 zurückgewiesen.

Die Kirche von Zypern hatte ihrerseits bei einer außerordentlichen Sitzung ihres Heiligen Synods am 18. Februar festgestellt, dass die Kirche der Ukraine als einer unabhängigen Nation zweifellos das Recht habe, nach der Autokephalie zu verlangen und dass Konstantinopel eine Überwindung des innerukrainischen Schismas angestrebt habe, dieses Ziel sei aber nicht erreicht worden. Daher werde von Orthodoxen aus aller Welt die Einberufung einer „Synaxis“ (Versammlung der Oberhäupter der autokephalen Kirchen) oder eines Panorthodoxen Konzils verlangt. Insbesondere betonte der zypriotische Heilige Synod seine Zweifel über die Möglichkeit einer nachträglichen Legitimierung der von „laisierten, exkommunizierten und mit dem Anathema belegten Bischöfen“ vollzogenen Bischofs- und Priesterweihen.

 

Versuch in Salzburg

Der zypriotische Erzbischof, der mit den Oberhäuptern aller autokephalen orthodoxen Kirchen hervorragende Beziehungen unterhält, unternahm bereits am 2. März in Salzburg einen Versuch, die Spaltung in der Orthodoxie zu überwinden. In Begleitung von Erzbischof Anastasios  (Yannoulatos), dem Oberhaupt der autokephalen orthodoxen Kirche von Albanien, suchte er den Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. – der sich zu einem privaten Besuch im Salzburgischen aufhielt – zur Einleitung von „Maßnahmen zur Vermeidung eines innerorthodoxen Schismas“ zu bewegen, blieb aber erfolglos. Nach Angaben der griechischen Website „orthodoxias.gr“ möchte Erzbischof Chrysostomos den Moskauer Patriarchen Kyrill I. dafür gewinnen, bei einer „Synaxis“ (Versammlung) der Oberhäupter aller autokephalen Kirchen die Verleihung der Autokephalie an die von Metropolit Onufrij (Berezowskij) geleitete ukrainisch-orthodoxe Kirche vorzuschlagen. Voraussetzung dafür sei freilich, den Ökumenischen Patriarchen für diesen Kompromissvorgang zu gewinnen. Dem zypriotischen Erzbischof sei bewusst, dass die Zustimmung beider Patriarchen zu diesem Plan „schwierig“ sei.

Am 18. April lud Erzbischof Chrysostomos II. die orthodoxen Patriarchen von Alexandrien (Theodor II.), Antiochien (Youhanna X.) und Jerusalem (Theophilos III.) nach Nicosia ein, um die Lage in der Orthodoxie zu besprechen. Im Abschlusskommunique hieß es u.a.: „Erzbischof Chrysostomos berichtete über die Vermittlungsmission, die er persönlich unternommen hat. Die drei Patriarchen unterstützen ihn, sodass er diese Mission zu Gunsten der Einheit der orthodoxen Kirche fortsetzen kann“. Die Oberhäupter der vier Kirchen hätten an alle Beteiligten appelliert, die eucharistische Einheit wiederherzustellen, die das Herz der Kirche Jesu Christi sei. Weiter hieß es im Kommunique, die Oberhäupter der vier Kirchen hätten den Schutz der Gläubigen, Kirchen und Klöster vor Attacken und Gewaltakten gefordert, „von welcher Seite auch immer sie kommen und was immer die Begründungen und Motive dafür sein mögen“. Diese Formulierungen bedeuteten eine erste hochrangige Reaktion aus der orthodoxen Welt auf die vielfachen Hilferufe der von Metropolit Onufrij geleiteten ukrainisch-orthodoxen Kirche (des Moskauer Patriarchats) im Hinblick auf die Bedrängnis dieser Kirche durch die früheren Schismatiker und deren Verbündete im staatlichen Machtapparat der Ukraine.

Die Oberhäupter der vier orthodoxen Kirchen nahmen bei ihrem Treffen in Nicosia auch zur Situation im Nahen Osten Stellung. Es müssten alle Anstrengungen unternommen werden, um die Stabilität im Nahen Osten zu sichern und die christliche Präsenz in der Region zu konsolidieren, wurde im Abschlusskommunique festgehalten. Die vier Hierarchen appellierten an die Politiker, sich für ein Ende der Ungerechtigkeiten einzusetzen, denen die Bevölkerung als Ergebnis von Kriegen, Besetzung und wirtschaftlichen Schwierigkeiten ausgesetzt sei. Insbesondere verurteilten die vier Hierarchen die „absolute Gleichgültigkeit“ der internationalen Gemeinschaft gegenüber dem Schicksal der vor sechs Jahren entführten Metropoliten von Aleppo, Mor Gregorios Youhanna Ibrahim und Boulos Yazigi. Als „Kollateralnutzen“ der Begegnung in Nicosia kam es zu einer Annäherung der – wegen der kanonischen Zuständigkeit für das Fürstentum Katar – im Streit befindlichen Patriarchate von Jerusalem und Antiochien.

Während und nach dem Nicosia-Gipfel war auch Erzbischof Anastasios von Tirana mit den in der zypriotischen Hauptstadt versammelten Hierarchen telefonisch in Kontakt. Als daraufhin auf griechischen Websites Berichte auftauchten, der Ökumenische Patriarch habe untersagt, dass Erzbischof Anastasios an Diskussionen über die ukrainische Autokephalie teilnehme, erfolgte eine geharnischte Stellungnahme von Erzbischof Chrysostomos. Es gebe keinerlei Anordnung oder Hinweis von Bartholomaios I. im Hinblick auf eine Beteiligung oder Nichtbeteiligung von Erzbischof Anastasios an Gesprächen über die ukrainische Autokephalie. Der zypriotische Erzbischof betonte zugleich, dass er seinen Amtskollegen  in Tirana auch über die Besuche in Belgrad, Sofia und Athen informiert habe. Den Verbreitern von „Fake news“ empfahl Erzbischof Chrysostomos, die Hierarchen des östlichen Mittelmeerraums „mit Zustimmung des Ökumenischen Patriarchen“ arbeiten zu lassen, damit es zu einem „positiven Ergebnis für die Orthodoxie“ komme.

 

Bartholomaios I. in Griechenland

Der Ökumenische Patriarch wird am 22. Mai mit Erzbischof Hieronymos von Athen in der griechischen Hauptstadt zusammentreffen. Bei dem Vieraugen-Gespräch hinter verschlossenen Türen wird es um die Haltung der orthodoxen Kirche von Griechenland zum ukrainischen Kirchenstreit gehen. Offizieller Anlass der Reise von Bartholomaios I. nach Griechenland ist die Eröffnung des Hagios Porphyrios-Zentrums für Gerontologie; die Einladung dazu kam vom griechischen Präsidenten Prokopis Pavlopoulos.