Erzbischof von Zypern stellte Vermittlungsbemühungen ein

Chrysostomos II. hatte sich für Kompromiss zwischen Moskau und Konstantinopel in Sachen Ukraine eingesetzt

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Foto: © Presidential Press and Information Office/Kremlin.ru (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unported)

Nicosia, 09.09.19 (poi) Das Oberhaupt der autokephalen orthodoxen Kirche von Zypern, Erzbischof Chrysostomos II., hat seine Bemühungen um einen Kompromiss zwischen Moskau und Konstantinopel in Sachen der neugegründeten „Orthodoxen Kirche der Ukraine“ offensichtlich aufgegeben. Das geht aus Äußerungen des Erzbischofs bei einer Pressekonferenz in Nicosia hervor. Zugleich betonte der Erzbischof aber auch: „Wir haben einen festen Standpunkt, wir wollen eine einige Orthodoxie und wir tun alles, damit es nicht zu einer Spaltung kommt“.

Chrysostomos II. hatte zunächst die Patriarchen von Alexandrien, Antiochien und Jerusalem nach Nicosia eingeladen und dann auch getrennt mit den Patriarchen von Bulgarien und von Serbien sowie mit dem Erzbischof von Athen als dem Oberhaupt der orthodoxen Kirche von Griechenland verhandelt. Der zypriotische Erzbischof machte deutlich, dass er bei allen seinen Kontaktnahmen dazu eingeladen hatte, gemeinschaftlich nach einem Konsens über die weitere Vorgangsweise zu streben, weil „Alleingänge“ zu großen Gefahren führen könnten. Allerdings fanden die kirchendiplomatischen Bemühungen von Chrysostomos II. in Konstantinopel kein positives Echo, wie der Erzbischof bei der Pressekonferenz mitteilte: „Wir haben den ersten Schritt gesetzt. Wir haben begonnen, mit den verschiedenen Kirchenoberhäuptern zu reden, mussten aber feststellen, dass der Ökumenische Patriarch dies nicht wünschte. Danach haben wir uns die Frage gestellt: Haben wir ein Verbrechen begangen? Wir hören auf“.

 

Der Kirche von Zypern gehe es darum, gute Beziehungen mit allen anderen autokephalen Kirchen zu unterhalten: „Wir halten eine neutrale Position aufrecht und wir wollen gute Beziehungen mit allen“.

 

Probleme im türkisch besetzten Norden

Bisher hatte der Eindruck bestanden, dass die Kirche von Zypern gute Kontakte zum Moskauer Patriarchat unterhält. Allerdings wurde – parallel zur Pressekonferenz von Chrysostomos II. – ein Vorgang publik, der einen Schatten auf diese Kontakte wirft. Nach zypriotischen Zeitungsberichten informierte der Metropolit von Kyrenia, Chrysostomos (Kykkotis), den Heiligen Synod der Kirche von Zypern darüber, dass sich im türkisch besetzten Nordteil der Insel eine russisch-orthodoxe Gemeinschaft formiert hätte. Ein Priester dieser Gemeinschaft habe in der Georgskirche in Kyrenia und in der Marienkirche im Dorf Klepini die Göttliche Liturgie zelebriert. Erzbischof Chrysostomos II. betonte, dass er sich beim Patriarchen von Moskau beschweren werde, weil es hier nicht nur um die Verletzung kirchlicher Kanones gehe, sondern auch um die nationalen Interessen der Republik Zypern. Zugleich machte der Erzbischof deutlich, dass er den Vorfall nicht überbewerten wolle, weil es offenbar um eine Gruppe von nur 50 Personen gehe. Wenn die Zahl aber größer werde und Pfarrgemeinden gegründet würden, käme es zu einem schwierigen Problem.