Exarchen aus Konstantinopel konferierten mit Poroschenko

Weitere Vorgangsweise im Hinblick auf die angestrebte Autokephalie-Erklärung für eine neu zu bildende ukrainische orthodoxe Kirche wurde dargelegt – Ukrainischer Präsident will dem Ökumenischen Patriarchat die Kiewer Andreaskathedrale, eine der schönsten barocken Kirchen Europas, übergeben

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Foto: © JøMa (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Kiew, 17.10.18 (poi) Die beiden vom Ökumenischen Patriarchen nach Kiew entsandten Exarchen – Erzbischof Daniel (Zelinskyj) und Bischof Hilarion (Rudnyk) – sind am Dienstag neuerlich mit dem ukrainischen Staatspräsidenten Petro Poroschenko zusammengetroffen. Erzbischof Daniel skizzierte dabei die weitere Vorgangsweise im Hinblick auf die angestrebte Autokephalie-Erklärung für eine neu zu bildende ukrainische orthodoxe Kirche. Es werde eine Bischofsversammlung geben, an der Bischöfe aus allen drei orthodoxen Gemeinschaften in der Ukraine teilnehmen sollen. Dabei handelt es sich um das „Kiewer Patriarchat“ und die „ukrainische autokephale orthodoxe Kirche“; die bisher einzig anerkannte autonome ukrainisch-orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchat wird sich offiziell von dieser Bischofsversammlung fernhalten, nur der Metropolit von Perejaslaw-Chmelnitskij, Oleksandr (Drabinko), erklärte, er betrachte sich seit der Erklärung des Heiligen Synods von Konstantinopel vom 11. Oktober als ein Bischof des Ökumenischen Patriarchats und deutete an, dass er an der Bischofsversammlung teilnehmen wolle. Bei der Bischofsversammlung soll ein Oberhaupt der neuen Kirche gewählt werden, Erzbischof Daniel ließ offen, welchen Titel dieser Primas tragen wird. An den Primas der neu konstituierten ukrainischen orthodoxen Kirche soll dann der „Tomos“ (die feierliche Erklärung) über die Zuerkennung der Autokephalie durch Konstantinopel überreicht werden.

Poroschenko meinte im Gespräch mit den Exarchen, durch die Aufkündigung der eucharistischen Gemeinschaft mit dem Ökumenischen Patriarchat habe sich die russisch-orthodoxe Kirche auf den „Pfad der Selbstisolierung von der Weltorthodoxie“ begeben. Er sei sicher, dass die Reaktion der „religiösen und säkularen Autoritäten“ Russlands der Beweis dafür sei, dass „die Ukraine auf dem richtigen Weg ist“.

Nach Angaben der Repräsentantin des Präsidenten bei der Werchowna Rada, Irina Lutsenko, wird Poroschenko in den nächsten Tagen ein Gesetz einbringen, demzufolge die Andreaskathedrale in Kiew dem Ökumenischen Patriarchat zum dauernden Gebrauch überlassen werden soll. Der Präsident wolle damit ein „Zeichen der Solidarität“ im Hinblick auf den Prozess zur Erlangung der Autokephalie für die Ukraine setzen, so Irina Lutsenko. Es sei eine „symbolische Geste“, da der Heilige Apostel Andreas der Patron des Ökumenischen Patriarchats ist und nach der Überlieferung in der heutigen Ukraine das Evangelium gepredigt hat, wobei er bis in die Gegend des jetzigen Kiew gekommen sein soll.

Die Andreaskathedrale wurde bisher als Kathedrale der von Metropolit Makarij (Maletytsch) geleiteten „ukrainischen autokephalen orthodoxen Kirche“ genutzt, sie ist Staatseigentum. Erbaut wurde die Kathedrale Mitte des 18. Jahrhunderts am rechten Dnjepr-Ufer nach Plänen von Bartolomeo Rastrelli. Das Gotteshaus gilt als eine der schönsten barocken Kirchen Europas.