Florenz: Neuer Anlauf für Miteinander von Christen und Muslimen

Auf den Spuren des unvergessenen Friedensapostels Giorgio La Pira soll die Abu Dhabi-Erklärung vom Vorjahr in konkrete Aktivitäten umgesetzt werden

0
151
Foto: © echiner1 (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

Florenz, 31.01.20 (poi) Ein Jahr nach der (am 4. Februar 2019 in Abu Dhabi erfolgten) Unterzeichnung der „Gemeinsamen Erklärung über Brüderlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt“ durch Papst Franziskus und den Großimam der Al-Azhar-Universität, Ahmed al-Tayyeb, wurde in Florenz ein Folgetreffen veranstaltet. Der Erzbischof von Florenz (und Vorsitzende der Italienischen Bischofskonferenz), Kardinal Giuseppe Betori, betonte die Bedeutung der religiösen Dimension in einer Zeit, in der „ungezügelter Individualismus und blinder Extremismus“ meinen, den Ton angeben zu können. Kardinal Betori unterzeichnete gemeinsam mit dem Florentiner Imam Izzedin Elzir eine Erklärung, in der die Bereitschaft von Christen und Muslimen betont wird, „Erbauer des Friedens“ zu sein. Die Unterzeichnung der Erklärung sei ein Zeichen der Freundschaft, das „Christen und Muslime in Florenz“ verbinde: „Unsere Glaubensüberzeugungen beruhen auf der selben Hoffnung, die im Vertrauen auf die Liebe Gottes wurzelt“. Das Florentiner Folgetreffen wurde auch vom Universitätsinstitut „Sophia“ der Fokolar-Bewegung und von der „Giorgio La Pira-Stiftung“ mitgetragen. Giorgio La Pira (1904-1977), Bürgermeister von Florenz in den 1950er/60er-Jahren, war eine Symbolgestalt der christlichen Friedensbewegung in der Zeit des Kalten Krieges (das Seligsprechungsverfahren ist im Gang).

Der Präsident des Instituts „Sophia“, Msgr. Piero Coda (der auch Mitglied der offiziellen katholisch-orthodoxen Dialogkommission ist), sagte im Hinblick auf die Wirkung des in Abu Dhabi unterzeichneten Dokuments, dass er große Hoffnungen auf die von 19. bis 23. Februar bevorstehende Begegnung in Bari „Das Mittelmeer als Friedensgrenze“ setze. Papst Franziskus wird an dieser Begegnung teilnehmen. Wörtlich sagte Msgr. Coda: „Das Dokument von Abu Dhabi zielt auf einen Pakt der Freundschaft und der Allianz zwischen Christen und Muslimen. Es geht um Frieden, Gerechtigkeit, universale Geschwisterlichkeit. Alle inspirieren sich an ihren Werten und erkennen einander unter dem Blick Gottes, der allen wohl will, als Brüder und Schwestern“. Der Theologe betonte, dass an den Ufern des Mittelmeers die katholische und die orthodoxe Tradition zusammentreffen, aber auch die Traditionen des Judentums und des Islams. Alle seien berufen, das Mittelmeer zu einem „See des Friedens“ zu machen, einem Ort, an dem „Routen des Miteinanders und der Geschwisterlichkeit“ einander begegnen.

Der Florentiner Imam Elzir betonte, dass es in der toskanischen Hauptstadt eine lange Tradition der christlich-islamischen Freundschaft gebe. Der Imam verurteilte alle Bekundungen des Antisemitismus: „Wir müssen zusammenarbeiten, um zu versuchen, diesen Krebs, diese Krankheit der Gesellschaft zu eliminieren“. Zugleich erinnerte Elzir auch an die verfolgten Christen in aller Welt. Umso notwendiger sei es, auf internationaler Ebene für die Religionsfreiheit einzutreten.