„Forum Syriacum“: Kardinal Koch würdigt Verdienste von „Pro Oriente“

11. Treffen der einzigen Initiative, die alle Kirchen der syrischen Tradition in regelmäßigen Abständen zum Dialog versammelt, tagte im niederländischen Glane

0
611
Foto: © Andreas Faessler (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

Den Haag, 21.02.19 (poi) Die ökumenischen Verdienste der von Kardinal Franz König begründeten Stiftung „Pro Oriente“ hat der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, in einer Grußbotschaft an das 11. Treffen des „Forum Syriacum“ gewürdigt. Das „Forum Syriacum“ ist eine Initiative von „Pro Oriente“, die alle Kirchen der syrischen Tradition in regelmäßigen Abständen zum Dialog versammelt. Das am Dienstag eröffnete 11. Treffen findet auf Einladung des für die Niederlande zuständigen syrisch-orthodoxen Metropoliten Mor Polycarpus Aydin im niederländischen Glane statt. In Glane besteht das syrisch-orthodoxe Kloster St. Ephrem, wo sich die 15 Teilnehmer des Dialogs aus acht Staaten versammeln, unter ihnen fünf Bischöfe. Aus Österreich nehmen der in Graz lehrende Ostkirchenfachmann Prof. Pablo Argarate, „Pro Oriente“-Generalsekretär Bernd Mussinghoff, der aus Südostanatolien stammende Theologe Prof. Aho Shemunkasho, der in Salzburg ein Zentrum syrischer Theologie aufbaut, und der Salzburger Ostkirchenexperte (und Vorsitzende der Salzburger „Pro Oriente“-Sektion) Prof. Dietmar W. Winkler teil. Prof. Winkler ist der wissenschaftliche Leiter des „Forum Syriacum“. Der Päpstliche Rat für die Einheit der Christen ist in Glane durch P. Hyacinthe Destivelle vertreten.

Wie tief die Verbundenheit der Kirchen der syrischen Tradition mit der Initiative „Forum Syriacum“ ist, wurde aus einem Schreiben des syro-malabarischen Alterzbischofs von Changanacherry, Joseph Powathil, ersichtlich, der aus Krankheitsgründen in Glane nicht dabei sein konnte (die syro-malabarische Kirche ist eine mit Rom in voller Kirchengemeinschaft stehende Kirche, die aus der Tradition der Apostolischen Kirche des Ostens kommt). Erzbischof Powathil erinnerte an seine Verbindung mit „Pro Oriente“ seit 1986. Die „Leadership“ von Kardinal König und die Effizienz des „Pro Oriente“-Teams habe „ungeheuer viel für die Einheit der Christen bewirkt“. Die gemeinsamen Erklärungen nach den von „Pro Oriente“ organisierten Treffen hätten den Weg zu den offiziellen Konsens-Erklärungen über die Christologie und über die Aushilfe in der Seelsorge unter bestimmten Bedingungen gebahnt. Wörtlich stellte der Alterzbischof fest: „Ich werde die tiefe Freundschaft zwischen den Mitgliedern des ‚Forum Syriacum‘ nie vergessen, die meinen ganzen bischöflichen Dienst bereichert hat. Ich verdanke allen sehr viel“.

Es gehört zu den großen Errungenschaften der Stiftung „Pro Oriente“, dass sie ab 1994 dem Dialog der seit vielen Jahrhunderten getrennten Kirchen der syrischen Tradition wesentliche Impulse gegeben hat. „Pro Oriente“ war darum bemüht, für die neun Kirchen der syrischen Tradition auf inoffizieller Ebene eine Plattform der Begegnung und des Austausches aufzubauen. Zunächst geschah das bis 2005 im Rahmen des „Syriac Dialogue“, seither durch das „Forum Syriacum“, das in regelmäßigen Abständen auch das „Colloquium Syriacum“ veranstaltet. Das „Forum Syriacum“ ist gleichsam der „Think tank“, in dem Studienthemen und Forschungsprojekte festgelegt und koordiniert werden. Zugleich ist das „Forum“ auch ein Ort praktisch gelebter Solidarität zwischen den Kirchen der syrischen Tradition, zu denen sowohl selbständige Kirchen als auch mit Rom in voller Kirchengemeinschaft stehende („unierte“) Gemeinschaften gehören. Das “Forum“ besteht aus einem Team von internationalen Experten der Studien über das Christentum der syrischen Tradition aus Europa, dem Nahen Osten, Indien und den USA, in diesem Team sind alle Kirchen syrischer Tradition durch Wissenschaftler vertreten.

In den zu bearbeitenden Themen wurde ein Wechsel vollzogen, der sich in den Aufgabenstellungen der „Colloquia Syriaca“ spiegelt. Es geht nicht mehr um die Fragen der Christologie (wer ist Christus für die Glaubenden) oder der Ekklesiologie (was ist die Kirche, wie definiert sie sich), die im Rahmen der ökumenischen Dialoge von der theologischen Wissenschaft bereits umfassend bearbeitet worden sind. Vielmehr sollen Themen behandelt werden, die die Kirchen der syrischen Tradition in ihrer Existenz heute gemeinsam betreffen. Daher setzte sich auch schon das 1. „Colloquium Syriacum“ im November 2007 mit der Thematik „Die Begegnung der Kirchen der syrischen Tradition mit dem Islam: Erfahrungen der Vergangenheit und Perspektiven der Zukunft“ auseinander.

Das „Forum Syriacum“ ist weltweit das einzige Gremium, das den Dialog zwischen den neun Kirchen syrischer Tradition ermöglicht und pflegt. Die Mitglieder des „Forums“ bestimmen die theologischen und nicht-theologischen Themenkreise, die bei den „Colloquia Syriaca“ behandelt werden sollen. Ziel ist es, das 2.000-jährige Erbe der Kirchen syrischer Tradition und ihre kulturelle Vielfalt zu bewahren und in die Entwicklung der weltweiten Christenheit einzubringen. Die Kirchen der syrischen Tradition sind aus dem Patriarchat von Antiochien beziehungsweise aus dem Katholikosat von Seleukia-Ctesiphon (später Bagdad) hervorgegangen; sie verbreiteten die Botschaft des Evangeliums in Syrien, Mesopotamien, Arabien, Persien, Ostanatolien, Indien, Zentralasien, China und Japan. Auf Grund der Migrationsbewegung sind die Kirchen syrischer Tradition heute weltweit verbreitet; in einigen lateinamerikanischen Ländern (Guatemala, Brasilien) schließen sich auch zunehmend Katholiken und Evangelikale den Kirchen der syrischen Tradition an.

Es war kein Zufall, dass das 11. Treffen des „Forum Syriacum“ in den Niederlanden stattfindet. In den Niederlanden gibt es eine große syrisch-orthodoxe Diasporagemeinde. Die Seelsorge wurde dort vom Vorgänger von Mor Polycarpus, dem 2005 verstorbenen Metropoliten Julius Isa Cicek, von Glane aus aufgebaut. Mor Julius hatte in  Glane ein leerstehendes katholisches Kloster erworben und es zum syrisch-orthodoxen Eparchialsitz ausgebaut. Viele syrisch-orthodoxe Gläubige in den Niederlanden kommen aus Südostanatolien, vor allem aus dem Tur Abdin. Auch Mor Polycarpus kommt aus Südostanatolien, er wurde 1971 in einem Dorf unweit von Nusaybin (Nisibis) geboren, einer für die Geschichte des Christentums syrischer Tradition überaus bedeutsamen Metropole. Nach seiner Grundausbildung am Mor-Gabriel-Seminar studierte er am Heythrop College der Universität London, am „Oriental Institute der Universität Oxford (unter Prof. Sebastian Brock) und am St. Vladimir’s Orthodox Theological Seminary in Crestwood im US-Bundesstaat New York. Im August 2002 wurde er im Kloster Mor Gabriel zum Priester geweiht. Im April 2007 weihte ihn der damalige Patriarch Mor Ignatius Zakka I. Iwas in Sednaya bei Damaskus zum Metropoliten. 2011 promovierte er am „Princeton Theological Seminary“ im Bereich der frühen Kirchengeschichte und Ökumene.