Frankreich: Trotz Pandemie wurde der „Tag der Christen des Ostens“ durchgeführt

Generaldirektor des katholischen Hilfswerks „Oeuvre d’Orient“ schlug den französischen Katholiken ein Vier-Punkte-Programm vor: „Als Christen leben, die Christen des Ostens kennen lernen, ihre Rechte verteidigen, Abschied nehmen von der ‚Latinisierung‘“

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Foto: © Annesov (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported, 2.5 Generic, 2.0 Generic and 1.0 Generic)

Paris, 18.05.20 (poi) In Frankreich wurde am Sonntag wieder der „Tag der Christen des  Ostens“ durchgeführt – trotz der Behinderung durch die Coronavirus-Pandemie. Im TV-Programm „France 2“ wurde die vom Generaldirektor des katholischen Hilfswerks „Oeuvre d’Orient“, Msgr. Pascal Gollnisch, mit Priestern verschiedener „unierter“ Gemeinschaften konzelebrierte Messe direkt übertragen. In vielen Gotteshäusern wurde – bei den noch eingeschränkten Messfeiern – die Fürbitte zum Tag vorgetragen: „Herr, an diesem Tag der Christen des Ostens bitten wir dich um den Frieden in der Welt. Gib unseren Brüdern und Schwestern in den östlichen Ländern die Kraft, die Hoffnung zu bewahren und an eine mögliche Zukunft in ihren Heimatländern zu glauben“. In den Social media lief der Hashtag #OrientiezVous. Aus Anlass des „Tages der Christen des Ostens“ hat das „Oeuvre d’Orient“ einen Gebetswettbewerb ausgeschrieben. Das schönste Gebet zum „Tag der Christen des Ostens“ wird in den Social media verbreitet und im Newsletter des „Oeuvre d’Orient“ abgedruckt werden.

Das Besondere am „Tag der Christen des Ostens“ besteht darin, dass er vom „Oeuvre d’Orient“ parallel in Frankreich und in den östlichen Ländern durchgeführt wird. Dort lautete heuer die zentrale Fürbitte: „Herr, an diesem Tag der Christen des Ostens bitten wir dich für unsere Brüder und Schwestern in Frankreich. Stärke sie im Glauben, damit sie Träger der Hoffnung und Akteure des Friedens in ihrem Land und der ganzen Welt seien“.

Wegen der gesundheitspolitischen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie waren heuer am „Tag der Christen des Ostens“ keine gemeinsamen Feiern möglich. Msgr. Gollnisch schlug den französischen Katholiken aber ein Vier-Punkte-Programm vor: „Als Christen leben“ (damit die Katholiken aus dem Nahen Osten und Osteuropa nicht die Frage stellen müssen, ob es in Frankreich überhaupt noch Christen gebe), „die Christen des Ostens kennen lernen“ (in Frankreich gibt es drei „unierte“ Eparchien, eine maronitische, eine ukrainische und eine armenische sowie zahlreiche Pfarrgemeinden der verschiedenen Riten), „ihre Rechte verteidigen“ (alle aktiven Katholiken sollten ihre Abgeordneten in der Nationalversammlung zur Verteidigung der Rechte der Katholiken des Ostens auffordern), „Abschied nehmen von der ‚Latinisierung‘“ (katholisch zu sein bedeutet nicht zwingend, dem lateinischen Ritus anzugehören. Die Christen des Ostens sind Teil der Universalität der Kirche).

Das „Oeuvre d’Orient“ wurde 1856 von Professoren der Sorbonne begründet – und zwar von Laien, keinen Priestern oder Ordensleuten. Das Werk steht unter der Schirmherrschaft des Erzbischofs von Paris. Dank seiner 70.000 Mitglieder und ihrer Beiträge kann das „Oeuvre d’Orient“ die pastorale und soziale Tätigkeit der Bischöfe der „unierten“ Kirchen, ihres Klerus und ihrer Ordensgemeinschaften – vor allem im Nahen Osten – unterstützen. Bei der sozialen Tätigkeit wird darauf geachtet, dass die Hilfsmaßnahmen „allen“ – unabhängig von der konfessionellen Zugehörigkeit – zu Gute kommen. Das „Oeuvre d’Orient“ ist in 23 Ländern tätig und führt pro Jahr rund 1.250 Projekte durch, derzeit sind 70 „Volontäre“ im Einsatz.