Friedensappell des Papstes für Syrien

Beim Neujahrsempfang für die beim Heiligen Stuhl akkreditierten Diplomaten prangerte Papst Franziskus den „Mantel des Schweigens“ an, der den seit einem Jahrzehnt tobenden Syrien-Krieg zu verdecken droht – „Beständigeres und wirksameres“ Engagement der internationalen Gemeinschaft ist notwendig

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Foto: © Voice of America News: Henry Ridgwell on the Turkish border (Quelle: Wikimedia; Lizenz: public domain in the United States)

Vatikanstadt-Damaskus, 09.01.20 (poi) Einen dringenden Friedenappell für Syrien hat Papst Franziskus am Donnerstag beim traditionellen Neujahrsempfang für die beim Heiligen Stuhl akkreditierten Diplomaten formuliert. In seiner Ansprache stellte Papst Franziskus fest, dass ein „beständigeres und wirksameres“ Engagement der internationalen Gemeinschaft insbesondere in Teilen des Mittelmeerraums und des Nahen Ostens dringender denn je sei. Wörtlich sagte Papst Franziskus: “Ich beziehe mich in erster Linie auf den Mantel des Schweigens, der den Krieg zu verdecken droht, der Syrien im Laufe des letzten Jahrzehnts verwüstet hat. Es ist von besonderer Dringlichkeit, angemessene und weitsichtige Lösungen zu finden, die es dem vom Krieg erschöpften, geliebten syrischen Volk ermöglichen, zum Frieden zurückzufinden und mit dem Wiederaufbau des Landes zu beginnen. Der Heilige Stuhl begrüßt jede Initiative, die darauf abzielt, die Grundlagen für die Lösung des Konflikts zu schaffen, und spricht Jordanien und dem Libanon erneut seinen Dank dafür aus, dass dort – unter nicht geringen Opfern – unzählige syrische Flüchtlinge aufgenommen und versorgt wurden. Leider führen neben den Anstrengungen zur Aufnahme der Flüchtlinge auch andere Faktoren wirtschaftlicher und politischer Unsicherheit im Libanon und in anderen Staaten zu Spannungen in der Bevölkerung und gefährden die fragile Stabilität des Nahen Ostens zusätzlich“.

In seiner Ansprache nahm der Papst auch auf den amerikanisch-iranischen Konflikt Bezug: „Besorgniserregend sind vor allem die Signale, die infolge der wachsenden Spannung zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten aus der ganzen Region kommen und etwa den langsamen Prozess des Wiederaufbaus des Irak gefährden, wenn daraus nicht sogar die Basis eines umfangreichen Konflikts entsteht, den wir alle verhindern möchten. Ich erneuere daher meinen Appell an alle Beteiligten, man möge eine weitere Eskalation vermeiden und unter voller Achtung der internationalen Rechtsordnung „die Flamme des Dialogs und der Selbstbeherrschung“ am Brennen halten.