„Friedensgebet für den Südkaukasus“ in Wien

Armenisch-apostolischer Bischof Tiran Petrosyan betont, dass die „Sehnsucht nach Gottes Frieden größer ist als alle menschliche Vernunft“

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Foto: © Fibonacci (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Wien, 17.10.20 (poi) Zum Auftakt des „Friedensgebets für den Südkaukasus“, zu dem „Pro Oriente“ am Samstagabend in die Michaelerkirche in der Wiener Innenstadt eingeladen hatte, betonte „Pro Oriente“-Vizepräsident Domdekan Rudolf Prokschi (der zugleich Vorsitzender des „Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich“/ÖRKÖ ist) die Dankbarkeit für „75 Jahre Frieden in Österreich: Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs haben wir Frieden“. Der armenisch-apostolische Bischof Tiran Petrosyan  hob hervor, dass die „Sehnsucht nach Gottes Frieden“ größer sei als alle menschliche Vernunft. Der Wiener armenische Bischof erinnerte an die Hochpreisung des Menschen im Oratorium „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn, der im Nachbarhaus zu St. Michael seine erstem Jahre als Komponist verbracht hatte. Wörtlich stellte Bischof Tiran in diesem Zusammenhang fest: „Wir sind auf der Suche nach diesem Menschen, nach Gottes geliebtem Geschöpf…Was wir stattdessen finden und immer wieder erfahren, ist Angst, Wut und  Hass“. Das sei auch in den letzten Tagen in Armenien, in Artsach, der Fall, es herrsche Krieg. Bischof Tiran: „Wir, als das älteste christliche Volk der Welt, haben in dieser zum Teil so unwirtlichen Landschaft  viel Schmerz und Zerstörung erleben müssen, aber wir haben stets versucht, das Paradies auch zwischen den Steinen zu finden“.

Der von Haydn als „König der Natur“ apostrophierte Mensch dürfe gegenüber seinen Nachbarn, seinen Mitgeschöpfen nicht zur Bestie werden, unterstrich der armenische Bischof: „Jahrhundertelang haben wir das dasselbe Brot von den denselben  Feldern  gegessen, dasselbe Wasser getrunken, denselben Wein – und jetzt herrschen Demütigung, Angst, Wut und Hass – gegen alle menschliche Vernunft, ohne Würde“. Umso mehr gehe es um die Suche nach Frieden, „einem Frieden, der mehr ist als die Abwesenheit von Krieg, einem Frieden, der mehr ist als die Launen der sogenannten Mächtigen“, so Bischof Tiran, der zugleich hervorhob, „dass die Armenier in Österreich eine „vertraute Familie der Ökumene“ gefunden haben, der sie sich „so sehr verbunden fühlen“.

Im Friedensgruß seien auch alle Feinde mitgemeint, damit „wir einander wieder in Frieden, Liebe und Würde in die Augen schauen können“, so Bischof Tiran wörtlich. Das sei die Botschaft Jesu Christi: Liebet eure Feinde. Es klinge unfassbar angesichts des tausendfachen Todes, des Leidens von so vielen, in Berg-Karabach genauso wie in vielen anderen Ländern der Welt. „Aber das ist unsere Kultur, unser Glaube, über die Grenzen von Konfessionen und Religionen hinweg“, so der armenische Bischof. Die Armenier würden im Hinblick auf das Wort des Evangeliums „Selig, die Frieden stiften…sie werden Söhne Gottes genannt werden“ an die Versöhnung glauben. Dieser Friede sei ihre Heimat, ihr Zuhause, „so wie alle Häuser zu Häusern Gottes werden mögen, auch wenn sie in Schutt und Asche gelegt wurden“. Die Vorfahren hätten diese Häuser immer wieder neu errichtet und auch die Kinder und Kindeskinder würden dies tun, „nur so können wir vor Gott und der Welt unsere Würde wahren“.

Mit Bischof Tiran und Domdekan Prokschi beteiligten sich auch der Wiener Weihbischof Franz Scharl und der syrisch-orthodoxe Chorepiskopos Emanuel Aydin an der Leitung des Friedensgebetes. Das Gebet bestand vor allem aus Lesungen aus den Psalmen und aus den Dichtungen des Heiligen Nerses Shnorhali. Beendet wurde das Gebet mit dem Vater Unser in armenischer Sprache.