München – Vom 5. bis 7. März 2017 fand in der bayerischen Landeshauptstadt die diesjährige Frühlingsvollversammlung der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland (OBKD) statt, an der — mit einer Ausnahme — alle in Deutschland residieren orthodoxen Diözesanbischöfe teilnehmen konnten.
Die Zusammenkunft begann am 1. Fastensonntag, dem „Sonntag der Orthodoxie” mit der gemeinsamen Feier der bischöflichen Göttlichen Liturgie des hl. Basileios des Großen in der Kirche der hll. Neumartyrer und Bekenner Russlands, der Kathedralkirche von Erzbischof Mark (Arndt) von Berlin und Deutschland (Russische Orthodoxe Kirche im Ausland), der auch dem Gottesdienst vorstand. Der Vorsitzende der OBKD, Metropolit Augoutinos (Labardakis) von Deutschland (Ökumenisches Patriarchat) betete im Altarraum. An die eucharistische Liturgie schloss sich der traditionelle „Ritus der Orthodoxie” an, der nach dem endgültigen Sieg der Bilderehrung im Jahr 842 eingeführt worden ist und neben der Verkündigung des orthodoxen Glaubensbekenntnis eine Verurteilung (Anathema) der wichtigsten alten und neuen Irrlehren ebenso enthält wie ein „Ewiges Gedenken” der Theologen und Kaiser, die den Sieg der Ikonenverehrung ermöglicht haben und der Wunsch „Auf viele Jahre” für die heutigen Vorsteher der Kirche.
Am Abend des gleichen Tages kamen die Bischöfe und Mitarbeiter der OBKD in der Münchener griechisch-orthodoxen Allerheiligenkirche zusammen, wo das 13. und damit schon traditionelle Chortreffen der Münchener orthodoxen Gemeinden stattfand, die die reiche Fülle der Orthodoxie in der Stadt und die verschiedenen musikalischen Traditionen hörbar machten. Auch die orientalisch-orthodoxen Christen waren durch je einen armenisch-apostolischen, koptisch- und syrisch-orthodoxen Chor vertreten. Die große und inzwischen wunderbar ausgemalte Kirche war dabei von den vielen Besuchern des Konzertes, das mit dem gemeinsamen Gesang des Muttergotteshymnus „Ti ypermacho stratigo” (Der kämpferischen Heerführerin) in griechischer Sprache ausklang, vollständig gefüllt.
Am nächsten Tag versammelten sich die Bischöfe in der Kirchengemeinde des hl. Jovan Vladimir in Neu-Perlach zu ihrer Arbeitssitzung. Dabei wurde auch der diesjährige Fastenbrief der OBKD verabschiedet, in dem die Bedeutung des Fastens in heutiger Zeit erläutert wird. Es sei nicht nur einfach eine Enthaltung von bestimmten Speisen, sondern „Μετάνοια (metanoia)”, also „eine Umkehr im Denken”, eine „existentielle Veränderung des Menschen, … nicht nur einfach eine Anerkennung der begangenen Sünden, sondern eine radikale Veränderung der Beziehung zum Leben, eine unumkehrbare Veränderung, welche geschieht als Ergebnis einer mühsamen geistlichen Arbeit”. Bei der Versammlung konnte der Vorsitzende der Übersetzungskommission der OBKD, Erzbischof Mark, die erste gedruckte Ausgabe der gemeinsamen und von allen Bischöfen approbierten Übersetzung der Göttlichen Liturgie des hl. Johannes Chrysostomios vorstellen, die demnächst auch verschiedenen zweisprachigen Editionen zu Grunde liegen wird. Die Bischöfe beschäftigten sich sodann mit einer Reihe von für die Orthodoxie in Deutschland aktuellen Themen,
darunter der Intensivierung der Jugend- und Frauenarbeit, für die eigene Kommissionen aufgebaut werden sollen. Ein wichtiges Thema war auch bei dieser Sitzung wieder der schulische orthodoxe Religionsunterricht (ORU) zu dem der Landeskoordinator für Bayern, Archimandrit Petros Klitsch, von einer erfreulichen Ausweitung im Freistaat berichten konnte. Weitere Aspekte des ORU waren die Erarbeitung von einheitlichen Qualifikationsvoraussetzungen für Religionslehrer und die Möglichkeiten einer orthodoxen Lehreraus- und -fortbildung in Deutschland. Der Beauftragte für zwischenkirchliche Zusammenarbeit, Erzpriester Radu Constantin Miron (Ökumenisches Patriarchat) aus Köln, erläuterte die geplanten Ereignisse im Gedenkjahr der Reformation und die orthodoxe Beteiligung, etwa durch eine große Vesper mit Brotbrechung (Artoklasia) während des Evangelischen Kirchentages Ende Mai in Berlin und den anschließenden Besuch des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios in Tübingen.
Ihre Besorgnis brachte die Bischofskonferenz im Hinblick auf die in letzter Zeit offensichtlich zunehmenden Aktivitäten pseudo-orthodoxer bzw. unkanonischer und schismatischer Gruppierungen zum Ausdruck, die zwar im Allgemeinen zahlenmäßig recht klein sind, aber durch bombastische Titel für Verwirrung sorgen, indem sie vorgeben, die Orthodoxie hierzulande zu vertreten. Demgegenüber betont die OBKD, dass nur die zehn ihr angehörigen Bistümer und deren Kirchengemeinden zur kanonischen Orthodoxe Kirche gehören.
Der dritte und letzte Tag der Vollversammlung war dem Besuch der Ausbildungseinrichtung für Orthodoxe Theologie an der Ludwig-Maximilians-Universität zu München gewidmet. Diese kann inzwischen auf eine über 20-jährige Geschichte zurückblicken. Sie entstand durch die Entscheidung des akademischen Senats der Universität München im Juli 1994, und seit dem Wintersemester 1995/96 besteht an der Universität München die Möglichkeit des vollständigen orthodoxen Studiums; eine Möglichkeit, die bislang im gesamten westeuropäischen Raum an einer staatlichen Universität fehlte. An der Universität München ist dadurch die Theologie aller drei großen christlichen Kirchen bzw. Konfessionen vertreten. Die Professoren und Studenten informierten die Bischöfe über die verschiedenen Möglichkeiten des Studiums der orthodoxen Theologie an der Ausbildungseinrichtung und diskutierten ihre Sorgen und Erwartungen mit ihnen. Im Anschluss daran endeten die internen Beratungen der Bischöfe.
Ihre nächste Zusammenkunft, die Herbstvollversammlung, ist für Ende Oktober in Aachen vorgesehen.