Gebetbuch für den byzantinischen Ritus auf Deutsch aus dem Eichstätter „Collegium Orientale“

Das „Collegium“ ist ein katholisches Studienkolleg, das der Aus- und Weiterbildung von Klerikern sowohl aus den katholischen Ostkirchen als auch aus den orthodoxen und orientalisch-orthodoxen Kirchen dient

0
238
Foto: © KBWEi at German Wikipedia (Quelle: Wikimedia; Lizenz: public domain)

München, 22.12.20 (poi)  „Gepriesen bist du, Herr!“ lautet der Titel eines neuen umfangreichen Gebetbuches mit liturgischen Texten für den byzantinischen Ritus in deutscher Sprache, das federführend im Eichstätter „Collegium Orientale“ erarbeitet wurde. Wenige Tage vor Weihnachten konnten die Herausgeber die ersten Exemplare entgegennehmen und an den Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke und Bischof Petro Kryk, den Apostolischen Exarchen für die katholischen Ukrainer des byzantinischen Ritus in Deutschland und Skandinavien, überreichen. Erarbeitet und herausgegeben wurde das 1.248 Seiten starke Werk vom derzeitigen Rektor des Eichstätter „Collegium Orientale“, Oleksandr Petrynko, und dem Gründungsrektor des „Collegium Orientale“, Archimandrit Andreas-Abraham Thiermeyer. Grundlage der Übersetzungen waren in erster Linie die offiziellen liturgischen Texte des byzantinischen Ritus, die zumeist auf Griechisch oder Kirchenslawisch verfasst sind. Die Übersetzungen wurden vom griechisch-katholischen Großerzbischof Kiew und Halytsch, Swjatoslaw Schewtschuck, approbiert und somit als offizielle Texte anerkannt.

Das Gebetbuch wird von den Herausgebern auch als „byzantinisches ‚Gotteslob‘“ bezeichnet. Man möchte damit an das Gebet- und Gesangbuch der römisch-katholischen Gläubigen im deutschen Sprachraum erinnern, das zum Begleiter in nahezu jedem Gottesdienst geworden ist. In dem neuen Werk finden sich in erster Linie liturgische Texte, darunter Vorlagen für die Spendung der Sakramente, für Andachten, Tagesgesänge und Situationen im Leben des Gläubigen. Beispielsweise sind in den Texten zur Gestaltung der Eucharistie viele Fürbitten enthalten, u.a. ganz aktuell aus der Gebetstradition des „Collegium Orientale“ entstandene Bitten „in der Zeit von Krankheiten und Seuchen“ und „in der Zeit von Epidemien“. (Das Buch ist unter www.akmev.info zu beziehen).

CDs über Jesusgebet und Rosenkranz

Im „Collegium Orientale“, dem ostkirchlichen Priesterseminar der bayrischen Diözese Eichstätt, entstand bei den Chormitgliedern bereits vor mehr als zehn Jahren die Idee, das „Jesusgebet“ und den „Rosenkranz“ als Audio-CD aufzunehmen. Dies sollte in ostkirchlicher Weise geschehen. Das Ergebnis liegt seit wenigen Tagen vor, wobei beide Gebete als gemeinschaftlich gebetetes Lob-, Dank- und Bittgebet gedacht und ausgeführt worden sind. Das „Collegium Orientale“ (COr) und die „Aktionsgemeinschaft Kyrillos und Methodios“ wollen damit einen Beitrag zur vergleichenden Erschließung des geistlichen Lebens der West- und der Ostkirche leisten. Dabei zeige sich deutlich, dass das Verbindende in den Gebetüberlieferungen der beiden Kirchen größer ist als das Trennende. Das wiederholende Gebet des Herzensgebetes und des Mariengrußes sei ein offensichtliches Beispiel dafür. Die CDs enthalten Hinführungen zu den beiden „wirkmächtigen geistlichen Hilfen“ „Jesusgebet“ und „Rosenkranz vom Rektor des „Collegium Orientale“, Oleksandr Petrynko, und dem Gründungsrektor, Andreas-Abraham Thiermeyer.

Das „Collegium Orientale“  in Eichstätt ist ein katholisches Studienkolleg, das der Ausbildung von Priesteramtskandidaten und dem Postgraduate-Studium von Klerikern unterschiedlicher Ostkirchen dient. Es ist weltweit das einzige Seminar, das auf alle katholischen Ostkirchen sowie die orientalisch-orthodoxen und orthodoxen Kirchen ausgerichtet ist. Das Kolleg wurde 1998 durch den damaligen Bischof von EichstättWalter Mixa, errichtet. Derzeit leben im „Collegium Orientale“ an die 40 Studenten der griechisch-katholischen Kirche aus der Ukraine, der Slowakei, Polen, Ungarn und dem Nahen Osten, aber auch aus der maronitischen, der syro-malabarischen und syro-malankarischen Kirche. Mit den Studenten aus den katholischen Ostkirchen leben und arbeiten auch Studierende aus der ukrainisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats, aus der georgisch-orthodoxen Kirche und der armenisch-apostolischen Kirche.

Die Gottesdienste (göttliche LiturgieVesperKomplet) werden überwiegend im byzantinischen Ritus gefeiert. Im „Collegium“ gibt es neben der Hauskapelle des byzantinischen Ritus eine syrische und eine koptische Kapelle. Wenn Priester der syrischen oder koptischen Kirchentradition im „Collegium“ studieren, werden hier die Gottesdienste in diesen Riten gefeiert. Zu den Gottesdiensten, die wegen der unterschiedlichen Nationalitäten der Seminaristen hauptsächlich auf Deutsch gehalten werden, kommen auch auswärtige Gläubige.

]Die Leitung hatte bis 2008 der deutsche Diözesanpriester und Archimandrit Andreas-Abraham Thiermeyer inne, der Mönch im Kloster Niederaltaich und dadurch in der ostkirchlichen Spiritualität beheimatet ist. Nachdem P. Thiermeyer zum Rektor der Wallfahrtskirche Maria, Heil der Kranken auf dem Habsberg bestellt wurde, wurde Msgr. Paul Schmidt Rektor des Kollegs. Ihm folgte 2014 der aus der Ukraine stammende griechisch-katholische Erzpriester Oleksandr Petrynko und als Vizerektor später der frühere Abt des Prämonstratenserstiftes Geras, Archimandrit Michael Proházka, der auch Vorstandsmitglied der Stiftung „Pro Oriente“ ist.