Gedenken an die orthodoxen Neumärtyrer in Jasenovac

Orthodoxer Bischof von Slawonien, Jovan (Culibrk), zelebrierte Göttliche Liturgie – Internationales wissenschaftliches Symposion über das Todeslager des NDH-Staates

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Foto: © Nivanonivano (Quelle: Wikimedia; Lizenz: public domain

Zagreb, 13.09.20 (poi) Der serbisch-orthodoxe Bischof von Slawonien mit Sitz in Pakrac, Jovan (Culibrk), zelebrierte am Sonntag im Johannes der Täufer-Kloster in Jasenovac die Göttliche Liturgie im Gedenken an die Neumärtyrer, die in dem Todeslager des faschistischen kroatischen Satellitenstaates (NDH) von 1941 bis 1945 getötet wurden. Das Konzentrationslager Jasenovac war das größte  Arbeits-, Konzentrations- und Vernichtungslager im NDH-Staat und zugleich nach Gefangenenzahlen eines der größten in ganz Europa. Es war das einzige Vernichtungslager im Zweiten Weltkrieg in Europa, in dem ohne deutsche Beteiligung planmäßig gemordet wurde. Die Angaben über die Opferzahlen weichen je nach Quelle stark voneinander ab. Der Lagerkomplex lag 95 Kilometer südöstlich von Zagreb, in der Nähe des Ortes Jasenovac und zog sich entlang des linken Ufers der Save von der Mündung der Una bis Stara Gradiska. Es gab insgesamt fünf Nebenlager (Jasenovac I–V) und drei kleinere Lager, u.a. das Kinderkonzentrationslager Sisak als größtes. Die meisten Opfer waren von den NDH-Schergen wegen ihrer orthodoxen Konfessionszugehörigkeit nach Jasenovac verschleppt worden. Unter den Opfern waren aber auch Juden, Zigeuner, kroatische und bosnische Regimegegner (Bosnien-Hercegovina war dem NDH einverleibt worden).

Bischof Jovan stammt aus dem bosnischen Zenica. Er studierte Theologie in Belgrad und absolvierte ein Postgraduate-Studium in Jüdischer Kultur an der Yad Vashem-Gedenkstätte und an der Hebräischen Universität in Jerusalem. 2004 erhielt er den „Golda Meir-Award“, seine Dissertation wurde von David Bankier, dem Leiter des International Institute for Holocaust Research bei Yad Vashem, approbiert. Bischof Jovan spricht perfekt Ivrit.

In Vorbereitung auf den Gedenktag der Neumärtyrer leitete Bischof Jovan am orthodoxen Kantakuzin-Gymnasium „Katarina Brankovic“ in Zagreb auch heuer wieder ein internationales wissenschaftliches Symposion über Jasenovac. In seiner Eröffnungsansprache erinnerte der Bischof von Slawonien an das 75-Jahr-Gedenken des Endes des Zweiten Weltkriegs, aber auch an die wachsende internationale Reputation des heuer zum siebenten Mal veranstalteten Jasenovac-Symposions. Er verwies darauf, dass unter den Referenten des Symposions u.a. der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I., der Leiter des Simon Wiesenthal Center“ in Jerusalem, Ephraim Zuroff, und der emeritierte orthodoxe hercegovinische Bischof Atanasije (Jevtic) waren. Als ein Ziel des Symposions bezeichnete es der Bischof, dem theologischen Nachdenken über das Leid eine feste Basis der Kenntnis der historischen Fakten zu verschaffen.

Bischof Andrej: „Jasenovac war eine Apokalypse“

Wiener serbisch-orthodoxer Bischof leitete Gottesdienste zum Andenken an die in dem Todeslager in Kroatien ermordeten orthodoxen Glaubenszeugen

Zagreb, 14.09.20 (poi)  Zum Abschluss der Gedenkfeiern am Tag der Neumärtyrer von Jasenovac wurde am Sonntag, 13. September, im Johanneskloster der slawonischen Stadt eine den Neumärtyrern gewidmete Kirche geweiht. Es ist das erste serbisch-orthodoxe Gotteshaus, das den Opfern des Todeslagers im faschistischen kroatischen Satellitenstaat (NDH) der Jahre 1941 bis 1945 geweiht ist. Die Weihe nahmen mit dem Metropoliten von Zagreb, Porfirije (Peric), an der Spitze serbisch-orthodoxe Bischöfe aus Österreich (Andrej Cilerdzic), Kroatien, Bosnien-Hercegovina, Montenegro, Deutschland und den USA vor. Der Ortsordinarius, Bischof Jovan (Culibrk), erinnerte daran, dass das neue Kirchlein weltweit die erste Gottesdienststätte zum Gedenken an die im Lager Jasenovac wegen ihres orthodoxen Glaubens ermordeten Männer, Frauen und Kinder ist. Nach der Ansprache von Bischof Jovan wurden an der neuen kleinen Kirche Gedenktafeln für den in Jasenovac ermordeten Vorsitzenden des serbisch-orthodoxen Kirchenrates von Pakrac, Mihailo Blagojevic, und für den kürzlich verstorbenen Historiker Zarko Vidovic, einen Überlebenden des Lagers, enthüllt. Nach der Weiheliturgie versammelten sich die Gläubigen in der Gedenkstätte des Lagers Jasenovac. Bischof Andrej (Cilerdzic) vollzog auf einem der Hügel den Ritus der Segnung der Feldfrüchte. In seiner Ansprache nannte er Jasenovac „eine Art Apokalypse“.

Bischof Andrej hatte bereits am Samstagabend in der orthodoxen Dreifaltigkeitskathedrale in Pakrac den Vesepergottesdienst zum Fest der Neumärtyrer von Jasenovac geleitet.