Gedenken an die vor fünf Jahren entführten Metropoliten von Aleppo und an die Opfer des Völkermords an den Armeniern

Gedenkfeiern u.a. in Paris, Frankfurt und Salzburg

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Foto: © عمرو بن كلثوم (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Berlin-Paris-Damaskus, 22.04.18 (poi) Die heute in aller Welt präsenten orientalischen Christen haben am Sonntag, 22. April, zweier traumatischer Ereignisse gedacht. Vor fünf Jahren (am 22. April 2013) wurden die beiden Metropoliten von Aleppo, Mor Gregorios Youhanna Ibrahim (syrisch-orthodox) und Boulos Yazigi (griechisch-orthodox), von „Unbekannten“ entführt, nach wie vor fehlt jede Spur der beiden Bischöfe. Zugleich wurde am Sonntag auch des 24. April 1915 gedacht, als mit einer Verhaftungsaktion der osmanischen Geheimpolizei unter der armenischen Elite in Konstantinopel der vom jungtürkischen „Komitee für Einheit und Fortschritt“ (Ittihad ve Terakki) verantwortete Ausrottungsfeld gegen armenische, syrische und griechische Christen in Kleinasien begann, der insgesamt mehr als drei Millionen Opfer gefordert hat.

Der Vorsitzende des Bundesverbandes der Aramäer in Deutschland, Daniyel Demir, erklärte zum „schmerzhaften 5. Jahrestag“ der Entführung der Metropoliten von Aleppo, gerade jetzt, in einer Phase der weiteren Zuspitzung des Syrien-Konflikts,  wäre die  Freilassung der beiden Bischöfe „ein kraftvolles Zeichen der Hoffnung, der Zuversicht, aber auch ein möglicher Impuls für einen neuen Weg zum Dialog und Frieden in dem vom Krieg erschütterten Land“. Beide Metropoliten seien immer Verfechter der friedlichen Koexistenz von Religionsgemeinschaften und Volksgruppen in Syrien gewesen. Mor Gregorios Youhanna Ibrahim habe im Juli 2012 eine „Roadmap für den Frieden in Syrien“ veröffentlicht. Darin rief er zu Versöhnung, Vergebung, Dialog und Gegenseitigkeit auf, um einen Weg zur Beendigung der Gewalt sowie der Bewahrung des pluralistischen Gefüges der syrischen Gesellschaft und der nationalen Einheit des Landes aufzuzeigen.

Wörtlich stellte Demir fest: „Dieser Entführungsfall nahe der türkisch-syrischen Grenze wirft viele Ungereimtheiten und Fragen auf. Fünf Jahre nach der Entführung fehlt von den Bischöfen noch immer ein klares Lebenszeichen, über ihren Verbleib oder ihr Wohlbefinden ist nichts bekannt, weder (Lösegeld-)Forderungen noch Bekennerschreiben der Täter liegen vor. Hochrangige Vertreter des ´Syrischen Nationalrates (SNC)´ haben nach der Entführung in persönlichen Gesprächen klare Angaben über die Identität der Entführer, laufende Verhandlungen, sowie den Verbleib und das Wohlbefinden der Bischöfe getätigt. Die Verantwortung für die Unversehrtheit und das Leben der entführten Erzbischöfe liegt in erster Linie in den Händen der syrischen Opposition, die die militärische, wie auch zivile Kontrolle über das Gebiet der Entführung hatte“.

Berlin müsse die unverzügliche Freilassung der entführten Bischöfe offen einfordern, betonte der Vorsitzende des Bundesverbandes der Aramäer in Deutschland. Die deutsche Bundesregierung habe die Pflicht, die bestehenden Kontakte zum oppositionellen „Syrischen Nationalrat“ (SNC) und dessen Unterstützern, darunter die Regierungen der Türkei, Katars und Saudiarabiens, mit Nachdruck für eine unverzügliche Freilassung der entführten Bischöfe einzusetzen. Es liege eine klare Mitverantwortung zur Aufklärung vor.

 

Die beiden Metropoliten waren am 22. April 2013 auf dem Weg von der türkisch-syrischen Grenze nach Aleppo von „Unbekannten“ an einem Checkpoint entführt worden. Sie befanden sich dabei auf einer humanitären Mission, da man ihnen die Freilassung von zwei im Februar 2013 aus einem Linienautobus Aleppo-Damaskus entführten Priestern (dem armenisch-katholischen Geistlichen Michel Kayyal und dem griechisch-orthodoxen Geistlichen Maher Mahfouz) versprochen hatte – was vermutlich eine Falle war. Im Zuge der Entführung der beiden Bischöfe wurde der Fahrer des Wagens, der Subdiakon Fatha’Allah Kabboud, erschossen, nur ein Begleiter der beiden Metropoliten konnte entkommen. Die Tat ereignete sich in einer von der oppositionellen Freien Syrischen Armee kontrollierten Zone. Weiterhin gibt es keine verifizierbaren Hinweise zum Wohlergehen der Bischöfe oder zu möglichen (Lösegeld-) Forderungen der Täter

In Paris fand in der Kathedrale Notre-Dame ein Gedenkgottesdienst in armenischem Ritus für die ungezählten Opfer des von der osmanischen Regierung ab 1915 in Gang gesetzten Völkermords an armenischen, syrischen und griechischen Christen Kleinasiens statt. Der neue Erzbischof der französischen Hauptstadt, Michel Aupetit, hielt die Predigt.

Für Montag ist in der Frankfurter Paulskirche eine große Gedenkfeier für die Opfer des Völkermords an armenischen und syrischen Christen im Osmanischen Reich vorgesehen.

Die Gedenkrede hält der Direktor der Stiftung der Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau Dora, Volkhard Knigge. Zudem werden der Botschafter Armeniens in Deutschland, Ashot Smbatyan, und der Vorstand des Zentralrats der Armenier in Deutschland, Serge Derhagopian, Ansprachen halten.

In Salzburg hatte aus Anlass des 5. Jahrestages der Entführung der beiden Metropoliten von Aleppo bereits am Mittwoch, 18. April, auf Initiative der Salzburger Sektion von „Pro Oriente“ ein ökumenisches Friedensgebet stattgefunden. Der Salzburger Erzbischof Franz Lackner, der Berliner evangelische Oberkirchenrat Martin Illert, Prof. Aho Shemunkasho sowie Studenten der Syrischen Theologie gestalteten die Andacht in der Kirche am Syrischen Kolleg „Beth Suryoye“ in Salzburg-Mülln. Mor Gregorios war viele Jahre mit „Pro Oriente“ sehr verbunden. Sein letzter Vortrag in Salzburg war 2012 über den mittlerweile weiter eskalierten Syrienkrieg. „Die unüberschaubare Konfliktsituation in Syrien birgt große Gefahren für die gesamte Weltsicherheit“, betonte „Pro Oriente“-Salzburg in der Einladung zu dem ökumenischen Friedensgebet.