Gedenkveranstaltung an den Genozid an Armeniern konnte aufgrund einer Bombendrohung nicht stattfinden

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Foto: © Bear62 (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung 3.0 nicht portiert)

PRESSEMITTEILUNG

25.04.2019 / Stuttgart / AGBW

Gedenkveranstaltung an den Genozid an Armeniern konnte aufgrund einer Bombendrohung nicht stattfinden

Armenische Gemeinde bittet um Beistand und Solidarität

Jedes Jahr am 24. April gedenken die Armenier in aller Welt der Opfer des Völkermordes am armenischen Volk im Jahr 1915. So hatte die Armenische Gemeinde Baden-Württemberg (AGBW) auch in diesem Jahr am Abend des gestrigen 24. April zu einer Gedenkveranstaltung in die Lutherkirche Bad Cannstatt eingeladen. Wegen eines Polizeieinsatzes konnte sie jedoch nicht stattfinden.

Folgendes hat sich zugetragen: Kurz vor dem Veranstaltungsbeginn unterrichteten Polizeibeamte den Veranstalter, dass wegen eines ernstzunehmenden Hinweises, konkret einer Bombendrohung gegen die Veranstaltung, die Kirche evakuiert werden müsse. Die sich zu diesem Zeitpunkt bereits in der Kirche befindenden Gäste wurden gebeten, die Kirche umgehend zu verlassen. Da die Kirche großräumig abgesperrt war, konnten viele weitere den Veranstaltungsort erst gar nicht erreichen.

Die Gedenkveranstaltung sollte mit einem Gebet und einer kurzen Andacht beginnen. Der Landtagsabgeordnete Willi Halder (Die Grünen) und Dr. Silvan Eppingen als Vertreter des Kultusministeriums sollten ein Grußwort sprechen.

Der Gemeindepfarrer der Armenischen Gemeinde Baden-Württemberg Dr. Diradur Sardaryan hielt nach Räumung der Kirche eine kurze Ansprache an die draußen Anwesenden. Er und mit ihm die meisten der armenischstämmigen Menschen fragten sich, wieso die zivilisierte Welt bis heute schweige oder sich zumindest schwertue, den Völkermord an den Armeniern zu thematisieren.

„Solange wir Armenier in der Türkei Angst haben, unsere Sprache zu sprechen, unseren Glauben frei auszuüben, und uns überall auf der Welt fürchten müssen, das Thema Völkermord ansprechen, ja sogar Nachteile drohen, wenn wir für die Opfer des Genozids beten, finden die unmenschlichen Ereignisse kein Ende“, fuhr Sardaryan fort.

Man könne derzeit nur darüber spekulieren, wer hinter der gestrigen ernstzunehmenden Bombendrohung steckt. Äußerungen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan vom gestrigen 24. April, es sei eine logische Konsequenz gewesen, die Armenier zu deportieren und die Türkei würde es auch heute ebenso tun, ließen allerdings vermuten, welche Kräfte dahinterstecken könnten. „Sicher ist: dem Anstifter ist es gelungen, eine Gedenkveranstaltung für die Opfer des Völkermordes nachhaltig zu stören und sie letztendlich zu verhindern“, schlussfolgert Sardaryan. „Es reicht anscheinend manchen nicht, dass wir keinen Ort, keine Gräber haben, wo wir unsere Opfer des Völkermordes, unsere Familienmitglieder und Verwandte beklagen dürfen. Es sollte uns auch unmöglich gemacht werden, über sie zu sprechen, uns an sie zu erinnern und für ihre Seelen zu beten.“

Die AGBW hofft, dass sich die deutsche Gesellschaft und die Regierung des Landes solidarisch mit den armenischstämmigen Menschen zeigen, sie unter besonderen Schutz nehmen, die „Armenophobie“ bekämpfen und die armenischen Gemeinschaft dabei unterstützen, ihre Sprache, Tradition, Kultur und ihren Glauben angstfrei ausüben zu können.

„Es ist wichtig, dass wir uns gemeinsam für Gerechtigkeit einsetzen, um weitere religiös motivierte Angriffe und Volksverhetzung zu verhindern“, so Sardaryan abschließend.

P.S. Die Armenische Gemeinde Baden-Württemberg wird die Gedenkveranstaltung nachholen. Infos werden bekannt gegeben.

Ansprechpartner für Rückfragen:

Armenische Gemeinde Baden-Württemberg e.V.

Pfarrer Dr. Diradur Sardaryan

Schelmenstr. 25, 73035 Göppingen

Telefon 07161 8084717

gemeindepfarrer@agbw.org