Georgien: Bartholomaios unterstützt Georgische Kirche in Abchasien-Frage

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Foto: © Massimo Finizio (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unported)

20. Mai 2021 (NÖK) Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios hat der Russischen Orthodoxen Kirche (ROK) das Recht abgesprochen, anderen Kirchen die Autokephalie zu verleihen. Konkret bezog er sich dabei auf Abchasien, das zum kanonischen Territorium der Georgischen Orthodoxen Kirche (GOK) gehört, aber de facto nicht unter deren Kontrolle steht. In dem Interview mit dem georgischen Fernsehsender Formula erklärte er, das Verleihen der Autokephalie sei die „exklusive Kompetenz Konstantinopels“, was die „Traditionen und Handlungen der orthodoxen Kirche während Jahrhunderten“ bestätigten.

Hintergrund der Aussage war die Frage, ob die ROK die orthodoxe Kirche in Abchasien als autokephal anerkennen würde, wenn die GOK die Autokephalie der Orthodoxen Kirche der Ukraine (OKU) anerkennen sollte. Dieses Szenario bezeichnete Bartholomaios als „Druck und Erpressung, die keine Grundlage haben“. Die GOK beklagt sich immer wieder, die ROK würde sich in Abchasien und Südossetien in ihre Angelegenheiten einmischen. Die beiden Gebiete haben sich von Georgien abgespalten, werden aber nur von einigen wenigen Staaten, darunter Russland, anerkannt. Die lokalen Regierungen verunmöglichen der GOK die Arbeit vor Ort.

Bereits im Januar 2021 hatte die GOK beim Moskauer Patriarchat protestiert, weil ein russischer Geistlicher in der südossetischen Hauptstadt Zchinwali einen Weihnachtsgottesdienst gefeiert hatte. Ende 2019 hatte die GOK sich über Pläne der ROK beschwert, Geistliche auf die russischen Militärbasen in den beiden Gebieten zu entsenden. Im März 2021 versuchte das Oberhaupt der orthodoxen Kirche in Abchasien eine Klärung ihres Status zu erzwingen. Mit einer Aussetzung aller Gottesdienste sollte das Moskauer Patriarchat dazu gebracht werden, entweder die Autokephalie der abchasischen Kirche anzuerkennen oder ihr zu erlauben, sich der ROK anzuschließen. Darauf reagierte die ROK jedoch nicht und die Gottesdienste wurden kurz darauf wieder aufgenommen.

Metropolit Ilarion (Alfejev), der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, stellte klar, die ROK habe „nie auch nur den Anspruch auf das Recht, ‚wem auch immer‘ die Autokephalie zu verleihen, erhoben“. Die Frage danach sei „an sich absurd“, erklärte er in einem Interview mit RIA Novosti als Reaktion auf die Aussagen von Bartholomaios. Diesen Anspruch erhebe eben Konstantinopel, obwohl historisch gesehen nicht nur das Ökumenische Patriarchat die Autokephalie verliehen habe. Ilarion betonte, Abchasien und Südossetien würden als Teil des kanonischen Territoriums der GOK anerkannt und die ROK habe das nie bestritten. Außerdem wies er den Vorwurf zurück, die ROK strebe nach der Vormacht in der Orthodoxie. Seine Kirche sei mit ihrer Position zufrieden, ihre Haltung zum Primat sei zudem in einem Dokument des Hl. Synods von 2007 dargelegt und für alle einsehbar. Vor dem „erzwungenen“ Bruch mit Konstantinopel habe die ROK dessen Ehrenvorsitz auch anerkannt. Auch die Vorstellung von Moskau als „drittem Rom“ wies Ilarion zurück, diese Ideologie sei von der ROK nie offiziell gutgeheißen worden. Abschließend erklärte er, zur Wiederherstellung der Einheit der Orthodoxie sei ein Dialog notwendig.