Griechenland: In der Heiligen Woche Liturgie nur hinter verschlossenen Türen

Metropolit von Navpaktos erläuterte vor Journalisten die Beschlüsse des Heiligen Synods der orthodoxen Kirche von Griechenland – „Vorgaben der Regierung nicht gegen die Kirche gerichtet“

0
85
Foto: © Christis: Diderot (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Athen, 08.04.20 (poi) Die orthodoxe Kirche von Griechenland wird in der Heiligen Woche und zu Ostern nach Julianischem Kalender (also ab dem gregorianischen 12. April) alle Liturgien hinter verschlossenen Türen ohne Beteiligung des Volkes Gottes halten. Dies betonte Metropolit Ierotheos (Vlachos) von Navpaktos – der Sprecher des Heiligen Synods der Kirche von Griechenland zum Thema Corona-Pandemie – am Dienstag vor Journalisten. „Wir sind in einem Kriegszustand und müssen mit Unterscheidungsgabe und Ernsthaftigkeit handeln“, stellte der Metropolit fest.  Die Entscheidung, die Liturgie in der österlichen Zeit im Hinblick auf die Situation hinter verschlossenen Türen zu feiern, entspreche dem orthodoxen Prinzip der „Oikonomia“. Obwohl die Entscheidung nicht „perfekt“ sei, werde damit gesichert, dass die wichtigsten Gottesdienste des Kirchenjahres aus den Gotteshäusern per Livestream über alle Radio- und TV-Sender und online übertragen werden. Der Heilige Synod habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, da ja die Gottesdienste der Heiligen Woche das „Herzstück des liturgischen Jahres“ seien. Metropolit Ierotheos unterstrich gleichzeitig, dass die Vorgaben der Regierung nicht gegen die Kirche gerichtet seien, sondern ausschließlich „vorbeugende Maßnahmen im Interesse der öffentlichen Gesundheit“ darstellen. Die Kirche sei für das verantwortlich, was innerhalb der Gotteshäuser geschehe, was außerhalb vor sich gehe (es gibt bereits Ankündigungen von Prozessionen), liege nicht in der Verantwortung der orthodoxen Kirche. Der Heilige Synod appelliere aber an die Gläubigen, alle Verletzungen der behördlichen Anordnungen zu vermeiden. Alle Fragen sollten nur im Geist des Gebetes, des Glaubens und der Buße behandelt werden.

Die örtlichen Bischöfe seien für die Durchführung der Beschlüsse des Heiligen Synods zuständig, unterstrich der Metropolit von Navpaktos (Lepanto). Ein Bischof – Metropolit Germanos (Paraskevopoulos) von Ilias – hat bereits angekündigt, dass es in seiner Eparchie in der Heiligen Woche und danach überhaupt keine Gottesdienste geben werde. In einem Rundschreiben forderte der Metropolit alle Priester auf, angesichts der Corona-Pandemie zu Hause zu bleiben und dort zu beten. Nur am Dienstag der Osterwoche, dem Fest des Heiligen Georg, und am Freitag der Osterwoche, dem Fest der Madonna der „Lebenspendenden Quelle“, werde es in einzelnen Gotteshäusern die Feier der Liturgie hinter verschlossenen Türen geben.

Dem Beschluss des Heiligen Synods waren schwierige Verhandlungen mit der Regierung und heftige öffentliche Diskussionen vorangegangen. Erzbischof Hieronymos (Liapis), das Oberhaupt der orthodoxen Kirche von Griechenland, hatte am 27. März an Bildungsministerin Nikolina Kerameus geschrieben und die Erlaubnis zur Zelebration der Göttlichen Liturgie hinter verschlossenen Türen eingefordert. Dies würde der Kirche die Erfüllung ihrer Mission erleichtern und zur Ruhe im Volk beitragen. Außerdem verlangte der Erzbischof die Genehmigung  von Gottesdiensten in den Klöstern, weil Mönche und Nonnen „wie in einer Familie“ zusammenleben. Auch Begräbnisgottesdienste müssten in den Gotteshäusern gehalten werden können, weil es in vielen Teilen des Landes keine eigenen Friedhofskirchen gebe.

 

Athos für Pilger gesperrt

Der Berg Athos ist seit 19. März für Pilger gesperrt; die Sperre war ursprünglich bis 11. April angesetzt, dürfte aber verlängert werden. In den 20 Großklöstern und in den meisten Kellien (Zellen) werden die Gottesdienste gefeiert, aber ohne die Anwesenheit von Laien. Am 27. März wurde in den Klöstern auf dem Athos – und auch in den Meteora-Klöstern – Vigilgottesdienste hinter verschlossenen Türen gehalten, in denen die Fürsprache der Gottesmutter und des Heiligen Charalambos, des Patrons gegen die Epidemien, zur Befreiung der Welt von der Corona-Pandemie erfleht wurde. Der Metropolit von Edessa, Ioel (Frangakos), hatte für die Vigil ein Gebet geschrieben, in dem Christus als „Arzt der Seele und des Leibes“ für die Menschen angerufen wird. Christus sei Mensch geworden, um alle Wunden zu heilen.

Tagelange Regenstürme haben auf dem Berg Athos zur Isolierung aller Klöster, Einsiedeleien und Kellien geführt, das Forststraßennetz, auch die Straße in die „Hauptstadt“ Karyes, ist schwer beschädigt und vielfach unterbrochen. Die Mönchsgemeinschaft hat gemeinsam mit der Zivilverwaltung an die Regierung in Athen appelliert, im Hinblick auf die dramatischen Schäden einen Notstand für den Athos zu erklären. Am Mittwoch wollten Zivilschutztrupps auf dem Athos eine erste Bestandsaufnahme der Unwetterschäden durchführen.