Griechenland: Orthodoxe Kirche führt „Tag des ungeborenen Kindes“ ein

Heiliger Synod sieht die Einführung des Tages als Beitrag zum Schutz der Ungeborenen – Es geht auch um die Schärfung des Bewusstseins für das demographische Problem des Landes

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Foto: © (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Public Domain/ United States public domain tag)

Athen, 25.07.19 (poi) Der Heilige Synod der orthodoxen Kirche von Griechenland hat die Einführung eines kirchlichen „Tages des ungeborenen Kindes“ beschlossen, wie die griechische Website „Romfea“ berichtet. Der Tag soll jeweils am ersten Sonntag nach dem Weihnachtsfest begangen werden (die Kirche von Griechenland  begeht das Weihnachtsfest nach Gregorianischem Kalender, also am 24./25. Dezember). Laut Beschluss des Heiligen Synods soll der „Tag des ungeborenen Kindes“ zum Schutz der Ungeborenen beitragen und zugleich das Bewusstsein für das demographische Problem Griechenlands schärfen.

Die Bewegung „Lass mich leben“, die dem Heiligen Synod den Vorschlag zur Einführung des „Tages des ungeborenen Kindes“ unterbreitet hatte, erklärte sich nach dem Beschluss „erfreut und dankbar“. In Treue zum Evangelium und zur Tradition der orthodoxen Kirche gehe es der Bewegung um die Wahrheit, dass „das ungeborene Kind Person und von der Empfängnis an Bild Gottes ist“. Für den Schutz des Lebens dieser Kinder trete die Bewegung ohne „Wenn und aber“ ein.

 

150.000 Abtreibungen pro Jahr

Abtreibung ist in Griechenland seit 1986 legal. Es gilt eine Zwölf-Wochen-Fristenregelung, die Frist kann bei Vergewaltigung oder Inzest auf 19 Wochen, im Fall einer schwerwiegenden Behinderung des Kindes auf 24 Wochen ausgedehnt werden. Bei Lebensgefahr für die Mutter oder ernster Gefährdung ihrer physischen oder psychischen Gesundheit ist Abtreibung bis zum Geburtstermin möglich. Die Zahl der Abtreibungen in Griechenland wird mit 150.000 pro Jahr angegeben.

Metropolit Ignatios (Georgakopoulos) von Demetrias hatte 2017 bei einem Vortrag über die demographische Krise in Griechenland geschätzt, dass die Bevölkerung des Landes in den nächsten 20 Jahren um 500.000 bis zu einer Million Menschen sinken werde. Dabei hatte der Metropolit betont, dass das demographische Problem letztlich zutiefst spirituelle Ursachen habe.  Als Ursachen der sinkenden Geburtenzahl nannte der Bischof die Kritik an der Institution Familie, die verbreitete „psychologische und intellektuelle Unreife“ in der Gesellschaft, den seit mehreren Generationen bestehenden Wohlstandsanspruch, die Abwertung der Mutter-Rolle und den Relativismus im Hinblick auf den Glauben an Gott. Die Kirche versuche gegenzusteuern, sagte der Metropolit von Demetrias damals und verwies u.a. auf die Einführung einer Geburtenprämie für das dritte Kind durch die Bischöfe der Region Thrazien, den freien Zugang zu Kindergartenplätzen in allen Eparchien sowie die Einbeziehung der Eltern in die Organisation der kirchlichen Schulangebote.