Große Marienprozession in der syrischen Stadt Sednaya

Vor 2011 war die Stadt, wo eine der ältesten Marienikonen verehrt wird, alljährlich Ziel von 1,5 Millionen Pilgern

0
77
Foto: © Bernard Gagnon (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported, 2.5 Generic, 2.0 Generic and 1.0 Generic)

Damaskus, 10.09.20 (poi)  Tausende Gläubige beteiligten sich am 7. September (dem Vorabend des Festes Maria Geburt nach Gregorianischem Kalender) an der großen Marienprozession in der nördlich von Damaskus gelegenen Stadt Sednaya. Das orthodoxe Marienkloster in Sednaya birgt eine der ältesten Marienikonen, der Apostel Lukas soll sie geschrieben haben. Das Kloster auf einem Berg über der Stadt wird auf frühchristliche Zeit zurückgeführt, verbrieft ist der Bau eines großen Klosters mit Kirche unter dem römischen Kaiser Justinian I. im Jahr 547. Sednaya blieb immer eine Stadt mit fast ausschließlich christlicher Bevölkerung. An der Prozession – bei der die Nonnen die blumengeschmückte Marienikone durch die Straßen trugen – beteiligten sich mit den Gläubigen aus der Stadt und der Umgebung auch die politischen und militärischen Repräsentanten.

Sednaya gilt neben Jerusalem und den anderen Heiligen Stätten im Heiligen Land als der wichtigste christliche Wallfahrtsort des Nahen Ostens. Vor dem Beginn des Syrien-Krieges 2011 wurde Sednay im Jahr von durchschnittlich 1,5 Millionen Pilgern besucht, unter ihnen auch nicht wenige Muslime. Die Ikone gilt als wundertätig. Es gibt zahlreiche Legenden, auch eine rezente: Im Jahr 2014 versuchten islamistische Milizionäre, sich der christlichen Stadt zu bemächtigen, nachdem schon zur Maaloula erobert hatten. Auch das Marienkloster wurde massiv beschossen. Als eine auf das Kloster gerichtete große Rakete der Islamisten in letzter Sekunde von ihrer Bahn abkam und zu Boden stürzte, wurde das auf einen „Eingriff von oben“ zurückgeführt.

In Sednaya und Umgebung befinden sich mehrere bedeutende orthodoxe Klöster, außer dem Marienkloster auch das Cherubim-Kloster und das Georgskloster;  aber auch das orientalisch-orthodoxe Mor Aphrem-Kloster, der syrische Sitz des syrisch-orthodoxen Patriarchen, steht in Sednaya. Die islamistischen „Revolutionäre“ attackierten die außerhalb der Stadt liegenden Gebetsstätten – Cherubim-Kloster und Georgskloster –  nicht nur, sie vergriffen sich auch an Ikonen und Altargeräten.  Mittlerweile ist der Wiederaufbau der schwer beschädigten Klöster bereits weit gediehen.

Über der Stadt steht eine mit Sockel 32 Meter hohe Christus-Statue, die höchste im Nahen Osten. Die Statue ist ein Werk des armenischen Bildungshauers Artusch Papojan; die Finanzierung erfolgte durch das Moskauer Patriarchat. Vor 2011 war Sednaya ein beliebtes Ziel für russische Pilger.