Großer Zustrom bei den koptischen Weihnachtsfeiern in Ägypten erwartet

Höhepunkt wird die nächtliche Liturgie in der neuen Geburt Christi-Kathedrale in der im Bau befindlichen künftigen Verwaltungshauptstadt des Landes südöstlich von Kairo sein

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Foto ©: George Hodan (Quelle: publicdomainpictures.net, Lizenz: CC0 Public Domain)

Kairo, 03.01.18 (poi) Trotz des jüngsten islamistischen Attentats auf eine koptische Kirche in Helouan, einer Vorstadtgemeinde Kairos, wird zum koptischen Weihnachtsfest am 6./7. Januar in Ägypten ein erhöhter Zustrom von Gläubigen bei den Gottesdiensten erwartet, berichtet die katholische Nachrichtenagentur „Fides“. In vielen koptischen Gotteshäusern wurden Überwachungskameras und – in Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden – elektronische Zugangskontrollen installiert.

Ein Höhepunkt der Weihnachtsfeiern in Ägypten wird die nächtliche Liturgie in der Nacht vom 6. auf den 7. Januar in der neuen koptischen Geburt Christi-Kathedrale in der im Bau befindlichen künftigen Verwaltungshauptstadt des Landes südöstlich von Kairo sein. Der koptisch-orthodoxe Papst-Patriarch Tawadros II. wird die Liturgie feiern, die Repräsentanten des ägyptischen Staates mit Präsident Abd-el-Fattah al-Sisi an der Spitze werden anwesend sein. Al-Sisi hatte im Vorjahr bei der Weihnachtsliturgie in der Markuskathedrale in Kairo die Weihe der neuen Kathedrale in der künftigen Verwaltungshauptstadt angekündigt. Der Bau der Geburt Christi-Kathedrale wurde von der ägyptischen Präsidentschaftskanzlei auch finanziell gefördert; Architekten und Ingenieure der Armee arbeiteten an der Errichtung des Gotteshauses mit. Das architektonische Konzept der neuen Kathedrale zitiert die koptische Tradition der Arche Noah, die Kirche wird als „Barke des Heils“ gesehen, die durch die Fluten der Geschichte kreuzt und die Gläubigen zum Hafen des ewigen Lebens bringt. Das neue Gotteshaus gilt als größte christliche Kirche des ganzen Nahen Ostens.

Mord in der Silvesternacht

Nach dem Anschlag auf die Mar Menas-Kirche am 29. Dezember kam es in der Silvesternacht zu einem weiteren, offensichtlich islamistischen Anschlag auf ein Geschäft, das alkoholische Getränke verkauft, in al-Omraneya am westlichen Stadtrand von Kairo. Ein Maskierter fuhr auf einem Motorrad vor das Geschäft, das einem koptischen Christen gehört, und feuerte eine Maschinenpistolengarbe durch das Schaufenster ab. Dabei wurden zwei junge Kopten getötet, die mit dem Inhaber Neujahr gefeiert hatten.

Der Sprecher der katholischen Kirche Ägyptens, P. Rafic Greiche, sagte im Gespräch mit der katholischen Nachrichtenagentur „AsiaNews“, die Mordtat in al-Omraneya sei typisch für die in jüngster Zeit zunehmenden Anschläge von islamistischen Einzelgängern, die zwar keiner Organisation angehören, aber „gehirngewaschen“ sind und die Christen angreifen, weil sie sie „als Ungläubige“ betrachten. Leider müsse man jederzeit mit solchen Attacken rechnen. Das Ziel dieser Anschläge seien nicht nur die Christen als solche, sondern auch Präsident al-Sisi und seine Regierung, denen von den Fanatikern vorgeworfen werde, eine zu tolerante Politik gegenüber den Christen zu betreiben, ja sie zu bevorzugen.

„AsiaNews“ berichtet auch neue Details über den Anschlag am 29. Dezember, aus denen hervorgeht, dass Muslime sich für den Schutz der Christen eingesetzt haben. Nach Angaben des Pfarrers von Mar Menas, P. Andraos Azmi, hatten sich die Polizisten am Kircheneingang tatkräftig den beiden Terroristen entgegengesetzt, dabei wurde einer der Polizisten getötet. In der Zwischenzeit sei es gelungen, die Tore der Kirche zu verriegeln, sodass die Terroristen nicht eindringen konnten. Die Terroristen hätten aber einige Gläubige am Eingang der Kirche niedergeschossen. Dass nicht mehr Opfer zu beklagen waren, sei einem 53-jährigen Bewohner des Bezirks zu verdanken, dem es gelang, einen der beiden Terroristen daran zu hindern, sein automatisches Gewehr wieder aufzuladen. Weil der Imam der gegenüberliegenden Moschee sofort über den Minarett-Lautsprecher zur Hilfe für die Christen aufgerufen hatte, hätten sich auch zahlreiche Passanten an der Verfolgung der Terroristen beteiligt.