Grundsteinlegung für orthodoxes Kloster im Burgenland

Metropolit Arsenios: „Ein Bollwerk der Nächstenliebe, ein Ort des Dialogs, der Begegnung und der Besinnung“ – „Historischer Tag für die Einheit der Kirche“ – Grußworte von Patriarch Bartholomaios I. und Papst Franziskus zur Grundsteinlegung in St. Andrä am Zicksee

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Foto ©: Franz Johann Morgenbesser (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

Eisenstadt, 26.09.20 (poi) Das neue orthodoxe Kloster in St. Andrä am Zicksee im Burgenland wird ein „Zentrum der Begegnung zwischen Ost und West“ werden, sagte Metropolit Arsenios (Kardamakis) am Samstag bei der Segnung des Grundsteins für das Kloster und seine Kirche. Ursprünglich hätte der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. persönlich zur Grundsteinsegnung ins Burgenland kommen sollen, was aber coronabedingt nicht möglich war. Das neue Kloster wolle die Menschen „auf der Grundlage des Evangeliums“ im Gebet miteinander verbinden, sagte der Metropolit. St. Andrä verstehe sich als „Bollwerk der Nächstenliebe, der engen Beziehung der Menschen, die Sehnsucht nach Gott haben“, als „Ort des Dialogs, der Begegnung  und der Besinnung“. Zugleich sei die Entstehung des ersten orthodoxen Klosters im mitteleuropäischen Raum ein „historisches Ereignis im Leben des Ökumenischen Patriarchats“, betonte Metropolit Arsenios – und für ihn persönlich sei es „die Realisierung eines Traums“ seit seinem Amtsantritt.

Der Metropolit brachte die Dankbarkeit gegenüber Patriarch Bartholomaios I., Papst Franziskus, dem Eisenstädter Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics und dem burgenländischen Landeshauptmann  Hans Peter Doskozil für die Unterstützung des Klosterprojekts zum Ausdruck. Das neue Kloster wolle ein „Haus für alle“ sein, die Grundsteinlegung für das Kloster sei ein „historischer Tag  für die Einheit der Kirche gemäß dem Willen Christi“.

Sowohl Bartholomaios I. als auch Papst Franziskus – in einer von Kardinal Kurt Koch, dem Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, übermittelten Botschaft – brachten ihre Glückwünsche zum Ausdruck. St. Andrä am Zicksee möge in der Mitte Europas ein „Ort der Verherrlichung des Namens Gottes“ sein (Patriarch Bartholoamaios), aber  auch eine Stätte, wo die Christen in Freundschaft im „betenden Gotteslob“ zueinander finden (Papst Franziskus).

Bischof Zsifkovics erinnerte in seinem Grußwort daran, dass die Grundsteinlegung des orthodoxen Klosters ein „beglückendes Ereignis“ im „sorgenvollen Jahr“ des 60. Jahrestages der Gründung der Diözese Eisenstadt sei. Der Eisenstädter Bischof erinnerte an das Wort von Johannes Paul II., dass die Christenheit mit beiden Flügeln – dem westlichen und dem östlichen – atmen müsse. Es sei zu hoffen, dass auch vom neuen Kloster „gemeinsam ein kräftiger Atem“ hinausgetragen werden möge. Zsifkovics unterstrich, dass sich die Diözese Eisenstadt – ebenso wie das ganze Burgenland – als „Brücke“ empfinde. Die erhoffte volle Einheit der Christen sei zweifellos weniger ein intellektueller als vielmehr ein spiritueller Prozess. Es gehe darum, das Gemeinsame vor das Trennende zu stellen, „miteinander zu beten und miteinander zu arbeiten“. Der Eisenstädter Bischof nahm bei der Feier in St. Andrä auch auf den „pannonischen“ Heiligen Martin – einen Heiligen der ungetrennten Christenheit – Bezug. Die Tat des Heiligen Martin – die Teilung seines Mantels – sei ein symbolisches Werk im Hinblick auf das vereinte Europa gewesen. Insofern könne die Gründung des orthodoxen Klosters im Hinblick auf das  bevorstehende 100-Jahr-Gedenken der Abtretung des Burgenlands an Österreich – was damals von Ungarn scharf verurteilt wurde – auch als „Heilung dieser alten Wurde“ verstanden werden.

An der Feier in St. Andrä am Zicksee (ungarischer Name vor 1922: Moson Szentendre) nahmen mit dem burgenländischen Landeshauptmannn Hans Peter Doskozil und dem evangelischen Superintendenten Manfred Koch an der Spitze zahlreiche Repräsentanten des öffentlichen Lebens teil. Landeshauptmann Doskozil unterstrich, dass das Burgenland ein „Land des Miteinanders, in der Ökumene wie zwischen den Volksgruppen“ sei. Das neue orthodoxe Kloster sei im Burgenland „herzlich willkommen“, als „Haus der Offenheit“  und als „burgenländisches Kloster“.