Hagia Sophia: Weltkirchenrat „bestürzt und traurig“

Generalsekretär Prof. Sauca richtete Brief an den türkischen Präsidenten Erdogan – Aufforderung zur Revision der Entscheidung zur Rückumwandlung der Kathedrale in eine Moschee

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Foto ©: Arild Vågen (Quelle: Wikipedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Genf, 11.07.20 (poi) Die „Bestürzung und Trauer“ des Weltkirchenrats „und der 350 Mitgliedskirchen“ über die Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee hat der Generalsekretär des Weltkirchenrats, Prof. Ioan Sauca, am Samstag in einem Brief an den türkischen Präsidenten Recep T. Erdogan zum Ausdruck gebracht. Wörtlich stellte der rumänisch-orthodoxe Theologe in dem Brief fest: „Sie haben durch die Entscheidung, die Hagia Sophia wieder zur Moschee zu machen, das positive Signal der Offenheit der Türkei zu einem Zeichen von Ausschließung und Spaltung umgewandelt“. Diese Entscheidung sei leider auch ohne vorherige Benachrichtigung oder Diskussion mit der UNESCO im Hinblick auf die Auswirkungen auf den „universalen Wert“ der Hagia Sophia erfolgt, wie er durch die Welterbe-Konvention besiegelt sei. Der Generalsekretär des Weltkirchenrats forderte den türkischen Präsidenten ausdrücklich zur Revision seiner Entscheidung auf.

Seit langem unternehme der Weltkirchenrat große Anstrengungen, um die aktive Beteiligung seiner Mitgliedskirchen im interreligiösen Dialog zu unterstützen und so Brücken „des gegenseitigen Respekts und der Zusammenarbeit“ auf der Basis gemeinsamer Werte der verschiedenen Religionsgemeinschaften zu bauen, betonte Prof. Sauca. In schwierigen Zeiten habe sich der Weltkirchenrat mit seinen Mitgliedskirchen auch immer wieder für die Rechte von andersgläubigen Gemeinschaften, „einschließlich von muslimischen Gemeinschaften“, ausgesprochen. Die Entscheidung, eine so bedeutsame Stätte wie die Hagia Sophia von einem Museum wieder in eine Moschee zu verwandeln, werde unvermeidlicherweise „Unsicherheit, Verdacht und Misstrauen“ mit sich bringen und damit die Anstrengungen des Weltkirchenrats unterminieren, Menschen unterschiedlicher Religionszugehörigkeit an den Tisch von Dialog und Zusammenarbeit zu bringen.

In dem Brief an Erdogan formulierte Prof. Sauca: „Herr Präsident, Sie haben oft die Identität der modernen Türkei als eines säkularen Staates betont, aber am Freitag haben Sie eine Verpflichtung außer Kraft gesetzt, die seit 1934 dieses historische Monument der Hagia Sophia als gemeinsames Erbe der Menschheit bewahrt hat. Im Interesse der Förderung des gegenseitigen Verständnisses, des Respekts, des Dialogs und der Zusammenarbeit – und zur Vermeidung der Pflege alter Animositäten und Spaltungen – bitten wir Sie dringend, ihre Entscheidung zu überdenken und zu revidieren“.

Abschließend stellte Prof. Sauca fest, dass der Weltkirchenrat mit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. in der „leidenschaftlichen Hoffnung und im Gebet“ übereinstimme, dass die Hagia Sophia nicht neuerlich ein Brennpunkt von „Konfrontation und Konflikt“ werden möge, sondern wieder jene einheitsstiftende Rolle einnehmen könne, der sie seit 1934/35 gedient habe.