Halki: „Wir beten jeden Tag für die Wiedereröffnung der Hochschule“

Vor 50 Jahren wurde die wichtigste Stätte akademischer theologischer Bildung des Ökumenischen Patriarchats vom türkischen Staat geschlossen – Bisher blieben alle Versuche zur Wiedereröffnung vergeblich

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Foto: © User:Darwinek (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Konstantinopel, 12.01.21 (poi) „Wir beten jeden Tag für die Wiedereröffnung des Priesterseminars und der Theologischen Hochschule auf Halki“: Dies betonte der Abt des Dreifaltigkeitsklosters auf Halki (und Rektor der stillgelegten Hochschule), Bischof Kassianos (Notis), am Dienstag beim feierlichen Gottesdienst in der Klosterkirche. Bischof Kassianos entbot den Gläubigen, die von den Inseln im Marmara-Meer und von Konstantinopel nach Halki gekommen waren, die besten Wünsche für das neue Jahr, erinnerte aber zugleich daran, dass heuer der 50. Gedenktag der Schließung des Priesterseminars und der Theologischen Hochschule fällig ist. Die Theologische Hochschule war eine der weltweit bedeutendsten akademischen Stätten orthodoxer theologischer Bildung.

Bischof Kassianos von Aravissos war am 5. Juli des Vorjahrs vom Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. in sein Amt eingeführt worden. Bartholomaios I. sagte damals wörtlich: „Heuer ist der 49. Jahrestag der erzwungenen Still-Legung der Hochschule. Leider haben die Anstrengungen des Ökumenischen Patriarchats und die Aufrufe hochrangiger politischer und gesellschaftlicher Persönlichkeiten aus aller Welt im Hinblick auf die Wiedereröffnung der Hochschule bisher – trotz gelegentlicher positiver Signale – kein Ergebnis gebracht. Aber wir werden weiter hoffen und kämpfen“. Das Gebet gelte dem Tag, an dem der Klang der Glocke die neuen Studenten zum Studium der Theologie einladen wird, „in einer Welt, in der die Theologie den Dialog führen muss und die Kirche Zeugnis zu geben hat, um zur Umformung der Welt beizutragen“. Seminar und Hochschule von Halki zählten bis zur Schließung zu den bedeutendsten theologischen Bildungsanstalten der Orthodoxie weltweit. In diesem Zusammenhang war von besonderer Bedeutung, dass Halki immer für eine ökumenisch interessierte Theologie stand. Aus der Hochschule gingen nicht nur ungezählte Bischöfe, Priester und Äbte hervor, sondern auch viele Persönlichkeiten anderer akademischer Bereiche aus dem ganzen östlichen Mittelmeerraum. In den Jahrzehnten seit 1971 wurde Halki vom Ökumenischen Patriarchat ständig instandgehalten, auch wenn kein großer Modernisierungsschub (mit Ausnahme des digitalen Bereichs) möglich war. Theoretisch könnten das Seminar und die Theologische Hochschule sofort wieder eröffnet werden.
Das orthodoxe Priesterseminar von Halki und die angeschlossene Theologische Hochschule war bis zur Schließung durch den türkischen Staat im Jahre 1971 die wichtigste Theologische Einrichtung des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel. Zugleich war Halki eine der führenden orthodoxen theologischen akademischen Stätten weltweit. Das Seminargebäude wurde neben den Ruinen des Dreifaltigkeitsklosters erbaut, das von Patriarch Photios I. im 9. Jahrhundert gegründet worden war. Im Jahre 1844 widmete Patriarch Germanos IV. das Kloster in eine Theologische Hochschule um. Die Einweihung fand am 23. September 1844 statt. Alle Gebäude, außer der Kapelle, wurden durch ein Erdbeben im Juni 1894 zerstört und später durch den Architekten Perikles Fotiadis neu errichtet, um im Oktober 1896 eingeweiht zu werden. Eine größere Renovierung fand in den 1950er-Jahren statt.
Im Jahre 1971 wurde Halki durch ein Gesetz geschlossen, das den Betrieb von privaten Universitäten verbietet. Die USA, die Europäische Union und Russland setzen sich seit Jahren für die Wiedereröffnung der renommierten akademischen Ausbildungseinrichtung ein. Die Europäische Union hat in den Beitrittsverhandlungen mit der Türkei das Thema der Wiedereröffnung der Theologischen Hochschule im Zusammenhang mit Behinderungen der freien Religionsausübung der Christen in der Türkei auf die Liste der Forderungen an Ankara gesetzt.