Heiliger Synod der Kirche von Griechenland verurteilt Umwandlung der Hagia Sophia zur Moschee

„Instrumentalisierung“ einer „Schöpfung der europäischen Kultur“ Manifestation eines „kulturellen Defizits in der Führungsschicht des türkischen Nachbarlandes“ – „Abweichung von den paneuropäischen Prinzipien des Friedens, der Versöhnung und des Respekts vor dem Anderen“ – Griechischer Bischof schlägt vor, dass am 24. Juli zum Zeitpunkt des Freitagsgebets in der Hagia Sophia in vielen orthodoxen Kirchen der „Hymnos Akathistos“ angestimmt werden soll

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Foto: © Christis: Diderot (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Athen, 15.07.20 (poi) Mit der Umwandlung in eine Moschee wird die Hagia Sophia von einem „Ort der Kultur“ zu einem „Brennpunkt von Spaltung und Desintegration“, stellte der Heilige Synod der orthodoxen Kirche von Griechenland am Montag fest. Die „Instrumentalisierung“ einer „Schöpfung der europäischen Kultur“, die von einem „Symbol der Einheit und der friedlichen Koexistenz“ zu einem Ort wird, an dem aus kleinlichen politischen Erwägungen nur eine Religion praktiziert werden darf, stelle die praktische Manifestation eines kulturellen Defizits in der Führungsschicht des türkischen Nachbarlandes dar. Es handle sich um eine klare Abweichung von den paneuropäischen Prinzipien des Friedens, der Versöhnung und des Respekts vor dem Anderen, so der Heilige Synod.
Der Respekt vor dem Charakter dieses christlichen Monuments verlange Erwachen und Aufmerksamkeit der christlichen Kirchen, der Regierungen und der internationalen Organisationen, die für Frieden, Koexistenz und Kooperation zwischen Völkern, Kulturen und Religionsgemeinschaften eintreten, um eine Rücknahme der Umwandlung des konstantinopolitanischen Gotteshauses in eine Moschee zu erlangen, heißt es in der Erklärung des Heiligen Synods. Die Kirche von Griechenland werde auf internationaler Ebene sofort alle Hebel in Bewegung setzen, um zu erreichen, dass die „große Kirche“ (megali ekklesia) wieder ihrem Zweck entsprechend genutzt wird.
Am 24. Juli, wenn in der Hagio Sophia zum ersten Mal wieder der islamische Freitagsgottesdienst zelebriert wird, soll in den orthodoxen Gotteshäusern in Griechenland – und in aller Welt – der „Hymnos Akathistos“ zu Ehren der Gottesmutter angestimmt werden. Diesen Vorschlag äußerte der Generaldirektor der „Apostoliki Diakonia“ der Kirche von Griechenland, Bischof Agathangelos (Charamantidis) von Fanarion, in einem Gespräch mit „orthodoxia.info“. Der „Hymnos Akathistos“ gehört zu den ältesten Marienhymnen der Ostkirche. Er beginnt mit den Worten: „Unbesiegbare Heerführerin, dir gelten die Lieder des Sieges! Aus der Gefahr befreit, bringt deine Stadt dir Hymnen des Dankes dar“. Bischof Agathangelos sagte im Gespräch mit „orthodoxia.info“, die Antwort auf die Vorgänge um die Hagia Sophia könne nur im Gebet gegeben werden: „So wie unsere Vorfahren sich jedesmal, wenn Feinde die Mauern von Konstantinopel belagerten, an die ‚unbesiegbare Heerführerin‘ wandten, müssen auch wir jetzt die Fürbitte der Jungfrau Maria erflehen, damit die Hagia Sophia aus einer so großen Gefahr gerettet wird“. Durch die Einheit im Glauben und die Treue zur Tradition könnten die Griechen als „orthodoxes Volk und fromme Nation“ immer Zeugen der „göttlichen Weisheit“ (Hagia Sophia) sein.
Der Bischof von Fanarion zitierte den Kirchenhistoriker Prof. Vlasios Feidas, der kürzlich geschrieben hatte, dass in der Hagia Sophia „die ewige Göttliche Liturgie, die 1453 durch den Fall von Konstantinopel unterbrochen wurde, nicht beendet“ sei. Vielmehr gehe diese Liturgie insgeheim überall weiter, wo die „göttliche Weisheit“ verehrt wird. Jeder orthodoxe Christ müsse am 24. Juli das Bild vor Augen haben, dass im gleichen Augenblick, in dem in der Hagia Sophia unter der Kuppel die Verse des Koran ertönen, in unzähligen Kirchen der „Hymnos Akathistos“ gesungen wird, sagte Bischof Agathangelos: „Dann sollen wir unser Gebet vereinen und uns an die Allerheiligste Gottesmutter wenden und ahnen, dass die Erde zelebriert, wenn der Himmel zelebriert“.