Heiliger Synod von Konstantinopel wählte neue orthodoxe Erzbischöfe von Amerika und von Australien

Metropolit Elpidophoros übernimmt Verantwortung für Amerika, Metropolit Makarios für Australien – Kurzes, aber heftiges Tauziehen zwischen dem Phanar und dem Diözesanrat der amerikanischen Erzeparchie

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Foto: © Farragutful (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Konstantinopel, 12.05.19 (poi)  Der Heilige Synod des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel hat zwei wichtige Personalentscheidungen getroffen: Der bisherige Metropolit von Bursa (Broussa), Elpidophoros (Lambriniadis), wurde – als Nachfolger des zurückgetretenen Demetrios (Trakatellis) – zum neuen „Erzbischof von Amerika“  gewählt, der bisher in Estland tätige Metropolit von Christoupolis, Makarios (Griniezakis), wird  – als Nachfolger des verstorbenen Stylianos (Harkianakis) – neuer „Erzbischof von Australien“. Auf Grund der Migrationsbewegung der letzten 100 Jahre sind die beiden Erzeparchien heute die wichtigsten Kirchengebiete des Ökumenischen Patriarchats. Die beiden noch relativ jungen Metropoliten Elpidophoros und Makarios zählen zu den wichtigsten Ratgebern von Patriarch Bartholomaios I. Beide vertreten – insbesondere in der Auseinandersetzung mit dem Moskauer Patriarchat – eine auf die Bewahrung der historischen Vorrechte des Ökumenischen Patriarchats ausgerichtete Theologie. Metropolit Elpidophoros wird die Formulierung zugeschrieben, dass der Ökumenische Patriarch in der orthodoxen Kirche  „der Erste ohnegleichen“ (First without equals) sei, Metropolit Makarios gilt als Autor der Aufsehen erregenden Rede von Patriarch Bartholomaios bei der „Synaxis“ (Versammlung) aller Bischöfe des Ökumenischen Patriarchats am 1. September 2018 in Konstantinopel. Sowohl die Wahl von Metropolit Elpidophoros als auch die von Metropolit Makarios erfolgte einstimmig.

Elpidophoros (Lambriniadis) ist Jahrgang 1967, er stammt aus Konstantinopel. Er studierte in Saloniki und Bonn, sein theologisches Doktorat erwarb er 2001 in Saloniki mit einer Arbeit über Severus von Antiochien. Er war u.a. Mitglied der Kommission des Weltkirchenrats für Glaube und Kirchenverfassung („Faith and Order“), Sekretär des Heiligen Synods von Konstantinopel (sowie auch der Ökumenischen Kommission des Patriarchats), orthodoxer Ko-Sekretär der Kommission für den theologischen Dialog zwischen orthodoxer und evangelisch-lutherischer Kirche. 2011 wurde er zum Metropoliten von Bursa und zum Abt des Dreifaltigkeitsklosters auf der Marmara-Insel Halki gewählt. An die Wahl von Metropolit Elpidophoros knüpften sich Hoffnungen auf baldige Wiedereröffnung des Priesterseminars und der Theologischen Hochschule auf Halki. Patriarch Bartholomaios I. hatte den Metropoliten auch zum Rektor der Theologischen Hochschule ernannt. Im Herbst 2018 wurde er zum ordentlichen Universitätsprofessor an der Theologischen Fakultät in Saloniki bestellt.

Der Wahl von Metropolit Elpidophoros zum „Erzbischof von Amerika“ ging ein kurzes, aber heftiges Tauziehen zwischen dem Ökumenischen Patriarchat und dem Diözesanrat der amerikanischen Erzeparchie voraus, der am 9. und 10. Mai zu seiner ordentlichen Frühjahrssitzung in Atlanta versammelt war. Überraschend wurde den in Atlanta versammelten Diözesanratsmitgliedern am 9. Mai aus dem Phanar mitgeteilt, dass sie den vom Statut der Erzeparchie vorgesehenen Informationsprozess zur Neubesetzung des erzbischöflichen Stuhls sofort zu beginnen und bis 10. Mai, 14 Uhr, abzuschließen hätten. Auf Ersuchen der Laienmitglieder des Exekutivkomitees  des Diözesanrats wurde ein Schreiben an den Ökumenischen Patriarchen abgefasst, das die Unmöglichkeit darlegte, einen Informationsprozess innerhalb von 24 Stunden abzuschließen. Man brauche mindestens 30 Tage, um diesen Prozess verantwortlich durchzuführen. Zugleich wurde der Heilige Synod des Ökumenischen Patriarchats ersucht, einen US-amerikanischen orthodoxen Bischof als neuen „Erzbischof von Amerika“ zu wählen. Beide Ersuchen aus Atlanta wurden im Phanar nicht in Erwägung gezogen, die Wahl von Metropolit Elpidophoros erfolgte am 11. Mai.

Makarios (Griniezakis) stammt aus Kreta, wo er 1973 geboren wurde. Er studierte in Athen sowie in Boston und an der Harvard- und der Monash-Universität. Seine Dissertation wurde von der Medizinischen Fakultät der Universität von Kreta als „exzellent“ qualifiziert; ihr Titel lautet „Klonen: Soziale, ethische und theologische Komponenten“. Ab 2003 lehrte er an der Akademie für Höhere Kirchliche Studien in der kretischen Hauptstadt Heraklion, aber auch an verschiedenen griechischen medizinischen Fakultäten. Im April 2015 wurde er zum Bischof von Christoupolis gewählt, einen Monat später erfolgte seine Wahl zum ersten Dekan des Theologischen Seminars der autonomen orthodoxen Kirche von Estland (die zum Ökumenischen Patriarchat gehört).

In der semi-autonomen Kirche von Kreta übte Makarios bis zu seiner Wahl zum Bischof und seiner Entsendung nach Estland verschiedene verantwortungsvolle Funktionen aus. Er ist auch Gründer und Herausgeber der unter den Auspizien des Ökumenischen Patriarchats erscheinenden Schriftenreihe „Alles über Bioethik“.