Heiliges Land: Kirchenführer beklagen Gewalt radikaler Gruppen gegen Christen

In gemeinsamer Erklärung fordern Patriarchen und Bischöfe lokale Regierungen und Behörden zu konsequenterem Vorgehen auf - Christliches Viertel in Jerusalemer Altstadt braucht besonders geschützten Status

0
104
Foto: © Wayne McLean, user jgritz (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic)

Jerusalem, 15.12.21 (poi) Die Kirchenführer des Heiligen Landes beklagen in einer gemeinsamen Stellungnahme die zunehmende Gewalt von radikalen Gruppen gegen Christinnen und Christen. In einer gemeinsamen aktuellen Erklärung rufen sie daher die lokalen politischen Behörden Israels, Palästinas und Jordaniens auf, konsequent gegen solche Gruppierungen vorzugehen. Es müsse sichergestellt sein, dass kein Bürger und keine Institution von Gewalt oder Einschüchterungen bedroht sei.

Zudem fordern die Kirchenführer Gespräche über die Schaffung einer besonderen Schutzzone in der Jerusalemer Altstadt. Die Integrität des christlichen Viertels in der Altstadt von Jerusalem müsse geschützt und der einzigartige Charakter des Viertels zum Wohle der lokalen Gemeinschaft, aber letztlich auch im Interesse der ganzen Welt erhalten bleiben.

Seit 2012 habe es unzählige Vorfälle von körperlichen und verbalen Übergriffen auf Priester und andere Geistliche sowie Angriffe auf christliche Kirchen gegeben, bei denen heilige Stätten regelmäßig zerstört und geschändet wurden, heißt es in der Erklärung. Örtliche Christen, die einfach nur ihr Glauben und Alltag frei leben wollen, seien anhaltenden Einschüchterungen ausgesetzt. Dahinter stünden radikale Gruppen, die systematisch versuchten, die christliche Gemeinschaft aus Jerusalem und anderen Teilen des Heiligen Landes zu vertreiben.

In der Erklärung nehmen die Kirchenführer mit Dankbarkeit zur Kenntnis, dass sich die israelische Regierung dazu verpflichte, ein sicheres Zuhause für Christen im Heiligen Land zu gewährleisten und die christliche Gemeinschaft als integralen Bestandteil der Gesellschaft zu bewahren. Umso besorgniserregender sei es deshalb aber, wenn diese nationale Aufgabe dadurch verraten werde, dass lokale Politiker, Beamte und Strafverfolgungsbehörden die Aktivitäten radikaler Gruppen nicht eindämmen.

Die Patriarchen und Bischöfe des Heiligen Landes erinnern an den Grundsatz, dass der spirituelle und kulturelle Charakter der besonderen historischen Viertel Jerusalems geschützt werden sollte. Dies sei in Bezug auf das jüdische Viertel bereits im israelischen Recht enthalten. Doch radikale Gruppen würden weiterhin nach einem strategischen Plan Eigentum im Christlichen Viertel erwerben. Ziel sei, die christliche Präsenz zu schwächen. Dabei schrecke man auch vor „hinterhältigen Geschäftspraktiken“ und Einschüchterungsversuchen nicht zurück, um Bewohner aus ihren Häusern zu vertreiben. Das verringere nicht nur die christliche Präsenz dramatisch, sondern unterbreche bzw. störe auch die historischen Pilgerwege zwischen Bethlehem und Jerusalem.

Die christliche Pilgerfahrt sei nicht nur das Recht aller Christen auf der ganzen Welt, sondern bringe auch der israelischen Wirtschaft und Gesellschaft große Vorteile, halten die Patriarchen und Kirchenführer fest. Sie verweisen auf einen kürzlich veröffentlichten Bericht der Universität von Birmingham, wonach christliche Pilger und Touristen jährlich drei Milliarden US-Dollar zur israelischen Wirtschaft beitragen. Zudem wird in der Erklärung festgehalten, dass die örtlichen christlichen Gemeinschaften zwar klein seien, aber einen unverhältnismäßigen hohen Anteil am Bildungs-, Gesundheits- und Sozialsystem in Israel, Palästina und Jordanien hätten.

 

Weltkirchenrat unterstützt Erklärung

Unterstützung für die Kirchenführer des Heiligen Landes kam am Mittwoch vom Weltkirchenrat (ÖRK). ÖRK-Generalsekretär Ioan Sauca hielt fest, dass der Weltkirchenrat nachdrücklich die Forderung nach einem Dialog mit den politischen Behörden Israels, Palästinas und Jordaniens unterstütze, um die von den radikalen Gruppen verursachten Herausforderungen anzugehen.

„Die Christen des Heiligen Landes müssen als Teil des Erbes und der Zukunft der Region respektiert und geschätzt werden“, so Sauca. Sie müssten die gleichen Rechte wie alle anderen Bürger besitzen. Als bedrohte Minderheit bedürften sie zudem eines angemessenen Schutzes.