Heuer keine orthodoxe Delegation beim Peter-Paul-Fest in Rom

Wegen der coronabedingten Einschränkungen findet die Papstmesse in „reduzierter Form“ statt – Kardinal Koch informierte den Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I.

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Foto: © Martin Falbisoner (Quelle: Wikimedia; Lizenz; Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Vatikanstadt-Ankara, 28.06.20 (poi) Erstmals wird am Montag keine orthodoxe Delegation aus dem Phanar bei der Papstmesse aus Anlass des Festes der römischen Stadtpatrone Petrus und Paulus anwesend sein. Ursache sind die coronabedingten Einschränkungen, weshalb auch die Papstmesse in bescheidenerem Rahmen stattfindet. Der Brauch, jeweils hochrangige Delegationen der „anderen“ Seite zu den Patronatsfesten der Kirche von Rom (Petrus und Paulus, 29. Juni) und der Kirche von Konstantinopel, dem „neuen Rom“ (Andreas, 30. November), zu entsenden, ist eine Konsequenz der historischen Begegnung zwischen Papst Paul VI. und dem Ökumenischen Patriarchen Athenagoras I. im Jahr 1964 in Jerusalem. Die Besuche zu den Patronatsfesten wurden als „Zeichen wachsender Brüderlichkeit“ zwischen den Kirchen von Rom und von Konstantinopel interpretiert. Im Vorjahr kam es beim römischen Patronatsfest zu einer ökumenischen Geste von außerordentlicher Bedeutung: Papst Franziskus überreichte dem Leiter der konstantinopolitanischen Delegation, Erzbischof Job (Getcha), im Apostolischen Palast ein Reliquiar mit Reliquien des Apostels Petrus. Es war ein spontaner Entschluss des Papstes, um das schon erreichte Miteinander zu dokumentieren.

Die italienische katholische Nachrichtenagentur SIR zitierte am Samstag aus einem Brief des Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, an den Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I.: „Wie Sie wissen, sind auf Grund der Situation, die sich durch die Covid-19-Pandemie entwickelt hat, auch Einschränkungen der liturgischen Feiern von Papst Franziskus eingeführt worden, um eine Ausbreitung des Virus einzudämmen. Aus diesem Grund wird Papst Franziskus der Messe in der Basilika St. Peter aus Anlass des Festes der Heiligen Petrus und Paulus in Übereinstimmung mit diesen Einschränkungen vorsitzen – leider auch ohne große Beteiligung der Gläubigen, wie es auch bei den Gottesdiensten an den Kar- und Ostertagen geschehen ist“. Der Kardinal betonte seine Hoffnung, dass „uns die unendliche Barmherzigkeit Gottes diese unerhörte Situation überwinden lassen wird“ und dass die Kirchen von Rom und Konstantinopel nach dem Sommer „ihre regelmäßigen Kontakte und Beziehungen wieder aufnehmen können“.

Die Festmesse „in reduzierter Form“ beginnt am 29. Juni um 09:25 Uhr („Radio Vatikan/Vatican News“ überträgt live, mit deutschem Kommentar auf der Website vaticannews.de). Wie alle Jahre wird der Papst auch diesmal die „Pallien“ segnen, die als Zeichen der Metropolitenwürde für die im Lauf der letzten zwölf Monate neu ernannten 54 Erzbischöfe bestimmt sind. Allerdings werden – wegen der coronabedingten Beschränkungen – nicht alle 54 Erzbischöfe persönlich das mit Kreuzen bestickte, aus weißer Schafwolle gewebte Band entgegennehmen können.

Auch in Antiochien

Die Coronavirus-Pandemie wirkt sich auch am ersten Bischofssitz des Heiligen Petrus aus, in Antiochien (Antakya), wo das Fest der Heiligen Petrus und Paulus in den letzten Jahren wieder intensiv gefeiert worden ist. Weil Antakya im alten Sandschak von Alexandrette liegt, der erst 1939 von der französischen Mandatsmacht in Syrien an die Türkei abgetreten wurde, ist dort die christliche Präsenz stärker als in anderen Teilen der Türkei, manches erinnert noch an die Verhältnisse von vor 1914. In den letzten Jahren feierten katholische, antiochenisch-orthodoxe, armenisch-apostolische und evangelische Christen gemeinsam in der Petrusgrotte, einer aus der Antike stammenden Felsenkirche am Silpiusberg. Die Grotte war der Ort, an dem sich die ersten Getauften in der Zeit der Verfolgung trafen (in Antiochien wurden die Menschen, die sich zu Jesus bekannten, zuerst als „Christen“ bezeichnet). Die Felsenkirche ist vermutlich die älteste Kirche der Christenheit. In der Zeit des lateinischen Fürstentums Antiochien (die Kreuzfahrer hatten die Stadt im Jahr 1098 erobert) wurde die zerstörte Kirche wiederaufgebaut und erweitert. Nach vielen Herrschaftswechseln, die neuerlich zum Verfall der Kirche führten, konnte erst in der osmanischen „Tanzimat“ (Reform)-Epoche daran gedacht werden, das Gotteshaus zu restaurieren. 1863 bauten Kapuzinerpatres die verfallene Fassade wieder auf, die Restaurierung der Kirche wurde von Papst Pius IX. und Kaiser Napoleon III. mitfinanziert. Nach der letzten Renovierung wurde die Kirche 2015 wieder eröffnet. In den letzten Jahren waren auch Vertreter des Weltepiskopats bei den Feiern zu Ehren der Heiligen Petrus und Paulus in Antiochien anwesend, so im Vorjahr der Apostolische Nuntius in Ankara, Erzbischof Paul Fitzpatrick Russell, und Bischof Paolo Bizzeti, der Apostolische Vikar für Anatolien.

Aber heuer „erleben wir diese Zeit der Pandemie auch in Antiochien als bösen Traum“, stellte der Kapuzinerpater Domenico Bertogli im Gespräch mit der katholischen Nachrichtenagentur „Fides“ fest: „Am 27. und 28. Juni wurde für alle in der Türkei eine ‚Ausgangssperre‘ verhängt, mit Ausnahme der Schüler – fast zwei Millionen -, die an der Prüfung für die Zulassung zur Universität teilnahmen. Und wir können das Fest des Heiligen Petrus nicht in der Felsenkirche feiern, die nach ihm benannt ist. Am Nachmittag findet deshalb nur eine Messe im Hof ​​der katholischen Kirche statt, und am Morgen steht in der orthodoxen Kirche eine Liturgie auf dem Programm“. Er werde aber mit einigen Gläubigen versuchen, zumindest für einen Moment des Gebets zur Petrusgrotte zu gehen, so der Kapuziner, der auch die schwierige Lage an der Grenze zu Syrien beschreibt: „Eine Regionalzeitung hat berichtet, dass allein in unserer Provinz Hatay mit ihren 1,5 Millionen Einwohnern 500.000 syrische Flüchtlinge leben“. P. Domenico: „Diese Zahlen reichen aus, um die Probleme und die Not zu verstehen, mit denen wir uns konfrontiert sehen. Viele versuchen, ihre Aktivitäten trotz der Ausgangssperre aufgrund der Pandemie, und trotz der Zunahme der Infektionen in den letzten Tagen, wieder aufzunehmen. Es gibt viele Menschen, die nur von ihrer täglichen Arbeit leben. Der Tourismus ist praktisch gleich Null, daher ist es leicht vorstellbar, in welcher schwierigen Situation sich viele Familien befinden. Wir wollen deshalb die Fürsprache der Heiligen Petrus und Paulus anrufen, damit Gott uns allen gnädig sei“.