Hochamt zum Fest „Unserer Lieben Frau von Palästina“ in der Wiener Augustinerkirche

Österreichische Grabesritter vereinten sich mit den Wallfahrern aus allen Teilen des Heiligen Landes, die am letzten Sonntag im Oktober in das Marienheiligtum in Der Rafat auf halbem Weg zwischen Jerusalem und Tel Aviv pilgern

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Foto: © Gryffindor (Quelle: Wikimedia; Lizenz: GNU Free Documentation License)

Wien, 27.10.19 (poi) Im Zeichen des Gebets um Frieden im Heiligen Land stand am Sonntag in der Wiener Augustinerkirche das Hochamt zum Fest „Maria, Unsere Liebe Frau von Palästina“. Der Prior des Augustinerklosters, P. Dominic Sadrawetz (er ist zugleich auch Prior der Wiener Komturei des Grabesritter-Ordens), erinnerte daran, dass im Vorjahr erstmals in Wien das Fest „Unserer Lieben Frau von Palästina“ gefeiert wurde. Mit dem Gottesdienst kommt auch die Sorge der österreichischen Grabesritter für die Christen des Heiligen Landes zum Ausdruck. Im Heiligen Land  ist das 1927 errichtete Heiligtum „Unserer Lieben Frau von Palästina“ in Der Rafat – auf halbem Weg zwischen Jerusalem und Tel Aviv – alljährlich am letzten Sonntag im Oktober Ziel einer großen Wallfahrt, an der sich tausende Katholiken aus Israel und den palästinensischen Gebieten beteiligen.  Für diese Katholiken bedeute die Wallfahrt eine „geistliche Hoffnung auf Frieden“, ein „Zeichen des Trostes“, aber auch einen Impuls für „Kraft und Zuversicht“, so P. Dominic. Für die Mitglieder des Grabesritterordens in Österreich gehe es darum, das Leben der Glaubensgeschwister im Heiligen Land zu fördern und deren Situation in den Blick zu nehmen. Man könne dort Erfreuliches sehen, wenn Gläubigkeit und Fröhlichkeit aus den Augen der Christen strahlen, aber auch die Situation einer Minderheit, die nicht im „gesicherten Frieden“ leben kann.

In seiner Predigt arbeitete der Augustiner-Prior heraus, dass allein die Tatsache, „dass wir beten“, ein „guter Grund“ ist, um an Gott zu glauben. Wenn die Menschen um Verzeihung bitten,  wenn sie für jene eintreten, die leiden oder in Not sind, wenn sie nicht einverstanden sind mit Ungerechtigkeit, dann leuchte darin ein „göttliches Feuer“ auf. „Das Gebet hält die Vision einer gerechten Welt lebendig“, betonte P. Dominic. Diese Vision hinterlasse ihre Spuren in der geschichtlichen Entwicklung, sagte der Prior und verwies auf die beiden ersten Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948, in denen es heißt: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“ und „Jeder hat Anspruch auf die in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft“. Dieses Ideal verlange danach, sich von Gott „in Anspruch nehmen“ zu lassen. Für die Christen im Heiligen Land sei charakteristisch, dass sie für „Recht und Gerechtigkeit“ eintreten. „Sie brauchen unsere Unterstützung“, betonte P. Dominic.

An dem Hochamt nahmen Damen und Ritter des Ordens vom Heiligen Grab aus den Komtureien Wien, Eisenstadt, St. Pölten und Klosterneuburg mit Statthalter Andreas Leiner an der Spitze teil. Musikalisch wurde der Gottesdienst mit der „Paukenmesse“ von Joseph Haydn gestaltet, Ausführende waren Chor und Chorakademie von St. Augustin mit dem Stadtchor Klosterneuburg, dem Vokalensemble „Audite nos“, der Chorvereinigung „Pro Musica“ und dem Orchester der „HaydnAkademie“ sowie den Solisten der Augustinerkirche. Gastdirigent war Anton Gabmayer.

Das Heiligtum „Unserer Lieben Frau von Palästina“ in Der Rafat im Soreq-Tal verdankt seine Entstehung dem damaligen lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Luigi Barlassina. Er führte auch das Fest Marias als „Unserer Lieben Frau von Palästina“ ein. Ein benediktinischer Architekt erbaute die Kirche und das dazugehörende Kloster samt Schule und Waisenhaus (heute führen die Dorotheen-Schwestern aus Vicenza in Der Rafat ein Exerzitien- und Pilgerhaus). Im Inneren der Kirche werden die ersten Worte des Ave Maria in 280 Sprachen dargestellt. 1927, als das Heiligtum (während der britischen Mandats-Herrschaft) erbaut wurde, hatte der Begriff „Palästina“ noch keinen politischen Beigeschmack, sondern war ein simpler geographischer Begriff. Das Heiligtum überstand alle politisch-militärischen Entwicklungen der folgenden Jahrzehnte. Zum Fest kommen alljährlich Pilger aus allen Teilen des Heiligen Landes, auch wenn die Wallfahrer aus den palästinensischen Gebieten Schwierigkeiten haben, in das auf israelischem Gebiet liegende Marienheiligtum zu kommen, wie P. Dominic andeutete, „aber sie lassen sich nicht abhalten“.