Im orthodox-katholischen Dialog wird weiter über „Primat und Synodalität“ nachgedacht

Koordinationskomitee der internationalen Kommission für den offiziellen theologischen Dialog zwischen orthodoxer und katholischer Kirche tagte im piemontesischen Kloster Bose ohne Beteiligung aus der russisch-orthodoxen Kirche

0
703
Foto: © GianMarcoBose (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

Turin, 18.11.18 (poi) Das Koordinationskomitee der internationalen Kommission für den offiziellen theologischen Dialog zwischen orthodoxer und katholischer Kirche hat im piemontesischen Kloster Bose von 13. bis 17. November getagt. Unter dem Vorsitz von Kardinal Kurt Koch und Erzbischof Job (Getcha), dem Repräsentanten des Ökumenischen Patriarchats beim Weltkirchenrat in Genf, nahmen insgesamt 19 katholische und orthodoxe Bischöfe sowie Theologinnen und Theologen an dem Treffen teil. Das Moskauer Patriarchat war nicht vertreten, da die russisch-orthodoxe Kirche im Zug der Auseinandersetzung mit dem Ökumenischen Patriarchat über die Kirche in der Ukraine angekündigt hatte, dass sie sich aus allen Dialog-Gremien zurückziehen werde, in denen Konstantinopel den Vorsitz oder den Ko-Vorsitz innehat. Zur Diskussion stand in Bose der Entwurf „Primat und Synodalität im zweiten Jahrtausend und heute“. Beim letzten Treffen des Koordinationskomitees auf Leros im September 2017 war beschlossen worden, dass zwei Entwürfe erarbeitet werden sollen, um der nächsten Vollversammlung der internationalen Kommission vorgelegt zu werden. Neben dem Entwurf über „Primat und Synodalität“ wurde auch die Erarbeitung eines Entwurfs zum Thema „Auf dem Weg zur Einheit im Glauben: Theologische und kirchenrechtliche Fragen“ ins Auge gefasst. Im Hinblick auf die beiden Entwürfe wurden zwei Unterkommissionen gebildet, die zunächst im Dezember 2017 im Vatikan zusammentrafen und dann im heurigen Juni getrennt in Kreta und auf Zypern. In Bose wurde jetzt beschlossen, dass der Entwurf über „Primat und Synodalität“ überarbeitet und beim nächsten Treffen des Koordinationskomitees im November 2019 neuerlich beraten werden soll.

Aus dem Protokoll der Versammlung in Bose geht verständlicherweise nicht hervor, ob das Problem der Auseinandersetzung zwischen Moskau und Konstantinopel behandelt wurde. Zur vorübergehenden Sistierung der Mitarbeit des Moskauer Patriarchats in der internationalen Kommission für den orthodox-katholischen Dialog war es bereits früher einmal gekommen: Wegen der Auseinandersetzung mit Konstantinopel über die estnische orthodoxe Kirche hatte die Moskauer Delegation 2007 die Vollversammlung in Ravenna nach einem Tag verlassen. Auch am Treffen des Koordinationskomitees auf Kreta 2008 war die russisch-orthodoxe Kirche nicht vertreten.

Über die Auswirkungen der Absenz Moskaus gehen die Ansichten auseinander. Der aus der Ukraine stammende orthodoxe Theologe Cyril Hovorun, Leiter des Huffington Ecumenical Institute an der Loyola Marymount University, meinte in einem Interview, die Frage werde sein, welchen Status Moskau den Dokumenten einräumt, die vom theologischen Dialog produziert werden. „Moskau wird sie nicht akzeptieren, unabhängig davon, was in den Dokumenten steht“, meinte der Theologe.

Sehr positiv wirkte sich auf die Tagung des Koordinationskomitees die Gastfreundschaft der monastischen Kommunität von Bose aus. Der Gründe der Kommunität, Fr. Enzo Bianchi, und der jetzige Prior, Fr. Luciano Manicardi, nahmen die Mitglieder des Koordinationskomitees herzlich auf, auch der örtlich zuständige Bischof von Biella, Roberto Farinella, erschien zur Begrüßung. Die Kommunität betonte ihre Freude über die Präsenz des Koordinationskomitees (einige der Mitglieder seien seit Jahren „liebe Freunde von Bose“); hervorgehoben wurde die Gebetsgemeinschaft.

 

„In der großen monastischen Tradition“

Für Bose war die Tagung des Koordinationskomitees ein schöner Beitrag zum 50-Jahr-Jubiläum der Gemeinschaft, die von Anfang an sich im katholisch-orthodoxen Dialog engagiert hat. Der Gründer Fr. Bianchi hatte sich am 8. Dezember 1965 – dem Tag der Beendigung des Zweiten Vatikanischen Konzils – zunächst als Einsiedler in das Dorf in den Voralpen zurückgezogen. Ab 1968 gesellten sich andere Christen – unterschiedlicher Konfession – zu ihm, es entstand eine klösterliche Gemeinschaft. Papst Franziskus dankte der Gemeinschaft von Bose in einem an Fr. Bianchi gerichteten Schreiben zum 50-Jahr-Jubiläum für die „fruchtbare Präsenz der ‚Comunita‘ di Bose‘ in Kirche und Gesellschaft in einer besonderen Form des gemeinschaftlichen Lebens in der Spur der Orientierungen des Zweiten Vatikanischen Konzils“.

Bose repräsentiere in der „großen monastischen Tradition“ das gemeinschaftliche Leben als „gelebtes Evangelium“, so der Papst. Zugleich habe sich Bose durch sein Engagement für den Weg zur Einheit der christlichen Kirchen ausgezeichnet, indem es „Ort des Gebets, der Begegnung und des Dialogs“ unter Christen im Hinblick auf die „Gemeinschaft des Glaubens und der Liebe“ geworden sei, für die Christus gebetet habe. Papst Franziskus würdigte in besonderer Weise den „Dienst der Gastfreundschaft“, der Bose auszeichne. Alle ohne Ausnahme fänden dort Aufnahme, Gläubige und Nichtglaubende, Menschen, die Rat und Trost suchen, Jugendliche, denen auf der Suche nach ihrer Rolle in der Gesellschaft bei der Unterscheidung der Geister geholfen wird.

Das 50-Jahr-Jubiläum solle ein „Augenblick der Gnade“ für die ganze Gemeinschaft von Bose sein, betonte der Papst. Das geschwisterliche Leben in der Nächstenliebe solle ein Zeichen sein, dass Bose ein „Haus der Gemeinschaft“ ist, wo alle wie Christus selbst angenommen werden.