Irak: Neues Museum für christliches Erbe Mesopotamiens geplant

Chaldäische Kirche errichtet in Erbil Konservierungs- und Ausstellungszentrum für Manuskripte und alte Bücher, die vor der IS-Terrormiliz gerettet werden konnten

0
62
Foto: © James (Jim) Gordon (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic)

Erbil/Rom, 04.11.21 (poi) Zahlreiche Manuskripte und alte christliche, aber auch islamische Bücher, die in den letzten Jahren vor der Zerstörung durch die IS-Terrormiliz gerettet wurden, werden in einem Museums- und Forschungszentrum im Nordirak einen neuen Platz bekommen. Das neue Zentrum wird in Ankawa, einer mehrheitlich von Christen bewohnten Vorstadt der nordirakischen Metropole Erbil errichtet, wie der vatikanische Nachrichtendienst Fides mitteilte. Die Entscheidung zur Errichtung des neuen Konservierungs- und Ausstellungszentrums fiel demnach vor Kurzem bei einer Versammlung chaldäischer Bischöfe unter der Leitung von Patriarch Kardinal Louis Raphael Sako. An der Verwirklichung der Initiative ist auch der Orden der Dominikaner beteiligt.

Hauptverantwortlich für das Projekt ist der Erzbischof von Mossul, Michael Najeeb Moussa. Er wurde weltbekannt als Retter der antiken Manuskripte des mesopotamischen Raums, die für die ganze Christenheit und auch für andere Religionen von größter Bedeutung sind. Als die IS-Terroristen im Sommer 2014 Mossul überfielen und Armee und Polizei ihr Heil in der Flucht suchten, sorgte Najeeb nicht nur für die nach Erbil geflüchteten Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt am Tigris, sondern auch für die Evakuierung der kostbaren Handschriften nach Karakosch sowie später nach Erbil.

Zum Erfolg der Rettungsaktion trug bei, dass er schon zehn Tage vor dem IS-Ansturm damit begonnen hatte, aus den Gotteshäusern von Karakosch und anderen Kleinstädten der Ninive-Ebene die kostbaren Manuskripte und Ikonen zu bergen. Dank dieser Voraussicht war es dem IS nicht gelungen, während der Schreckensjahre die Manuskripte, die für die Geschichte der Christen sowie auch anderer religiöser Minderheiten von unschätzbarer Bedeutung sind, zu zerstören.

Najeeb hatte bereits kurz nach seiner Priesterweihe 1987 das „Centre Numerique & de recherches sur les Manuscrits Orientaux“ gegründet, in dem er mit seinem Team über 8.000 Manuskripte digitalisierte und somit für die Nachwelt erhielt. Viele dieser Schriftstücke sind bereits mehr als 1.000 Jahre alt und waren in einem sehr schlechten Zustand, weshalb Najeeb auch mit der Restauration begann. Über 40.000 Manuskripte wurden von seinem Handschriftenzentrum zudem archiviert, wobei viele davon noch weiter auf ihre Digitalisierung warten.