Irak: Papstbesuch als Impuls zur „Pilgerreise der Bekehrung“

Botschaft des chaldäisch-katholischen Patriarchen zur im März bevorstehenden Visite von Papst Franziskus

0
267
Foto: © : Casa Rosada (Argentina Presidency of the Nation), Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic) )

Bagdad, 10.12.20 (poi) Der angekündigte Besuch von Papst Franziskus im Irak werde für die Christen des Zweistromlands und des gesamten Nahen Ostens Gelegenheit sein, sich auf eine „Pilgerreise“ der Bekehrung zu begeben und eine „Rückkehr zu den ursprünglichen Quellen des Glaubens“ zu fördern. Dies betont der chaldäisch-katholische Patriarch, Kardinal Mar Louis Raphael Sako, in einer Botschaft zum im März bevorstehenden Papstbesuch. Alle müssten wachsam sein, damit der Papstbesuch nicht spurlos in Kirche und Land vergeht. Die Botschaft des chaldäischen Patriarchen enthält eine Reihe von Vorschlägen, um den Besuch des Papstes aktiv mitzuerleben, damit die Kirche sich mit größerer Begeisterung in der Radikalität des Evangeliums an die Menschen annähert und ihnen „mit Großzügigkeit und Freude dient, nach dem Vorbild unserer Väter, unserer Heiligen und unserer Märtyrer“.
Der Kardinal-Patriarch verweist darauf, dass „unsere chaldäische Kirche und die anderen Schwesterkirchen im Nahen Osten aufgrund von Konflikten, Extremismus, Auswanderung und den Folgen der Pandemie unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Belastungen und Herausforderungen ausgesetzt sind“. Die Schwierigkeiten und Probleme seien Anlass für Traurigkeit und getrübten Blick. Aber selbst in dieser Situation sei es besser, alles zu nutzen, was die „Rückkehr zu den Quellen“ des eigenen Glaubens begünstigt, anstatt sich ins Opferdasein zurückzuziehen, so der Kardinal-Patriarch. Nur im Blick auf die Quellen könne man entdecken, dass „die Existenz der Christen im Irak und im Nahen Osten kein Zufall ist“. „Nach einem göttlichen Plan haben wir eine Berufung und eine Mission. Wir dürfen das nicht aufgeben“, so Mar Louis Raphael Sako wörtlich.
Das Evangelium zu verkünden, die Hoffnung auch unter den Umständen der Gegenwart zu bezeugen und „in unserer orientalischen Authentizität verankert zu bleiben“, sei die eigentliche Mission, zu der die Christen im Nahen Osten berufen sind, betont der chaldäisch-katholische Patriarch. „Wir müssen verstehen, wie wichtig es ist, den Weg unserer theologischen und spirituellen, liturgischen und pastoralen, ökumenischen und pädagogischen Reflexion zu überarbeiten und auch unser Verhalten zu ändern“, appelliert Mar Louis Raphael Sako vor allem an die Priester seiner Kirche. Es gehe nicht um falsche Konzepte der „Suche nach Dominanz und Prestige“. Wichtiger sei vielmehr der angemessene Rahmen, in dem Fragen zu Gegenwart und Zukunft der christlichen Gemeinschaften im Irak und im gesamten Nahen Osten gestellt werden sollten, betont der Kardinal-Patriarch: „Dies ist unser Land, wir dürfen es nicht aufgeben, noch können wir es uns ohne seine Christen vorstellen“. Die Christen des Nahen Ostens könnten nur dann im Land ihrer Väter bleiben, “wenn sie ihr gemeinsames Schicksal mit dem der andersgläubigen Landsleute wiederentdecken“. Der eigene Weg könne nicht vom Weg „der Versöhnung und Heilung gemeinsamer Wunden getrennt werden”. In diesem Zusammenhang hebt Mar Louis Raphael Sako die Bedeutung einer Kirche „des ökumenischen Dialogs mit den Schwesterkirchen“ und einer „Kirche des Dialogs mit den anderen Religionen, insbesondere mit dem Islam“ hervor. Es gehe aber auch um eine Kirche, „die sich um öffentliche Angelegenheiten kümmert, um die berechtigten Erwartungen des Volkes, um die Beseitigung von Ungerechtigkeiten „. Selbst im von Konflikten geprägten Nahen Osten könnten Christen „als Zeichen der Nächstenliebe, der universellen Geschwisterlichkeit und des Miteinanders in Christus“ leben.
„Ein neues Land, in dem alle in Frieden leben können“
Die bereits jetzt bemerkbaren positiven Auswirkungen der Ankündigung des Papstbesuchs hat der chaldäisch-katholische Pfarrer Samir Yousef betont, eine der Zentralgestalten der Diözese Amadiya. Der Priester unterstreicht die Bedeutung der Botschaft des chaldäischen Patriarchen zum Papstbesuch: „Die Botschaft von Mar Louis Raphael Sako zum Papstbesuch bedeutet, dass es einen neuen Irak gibt, ein neues Land, in dem alle in Frieden leben können, mit einer entsprechenden politischen Klasse“. Der Irak bedürfe des Papstbesuchs, um unter Beweis zu stellen, dass es sich um ein „demokratisches und laikales Land handelt, in dem die verschiedenen Gemeinschaften gleichberechtigt sind und die Gesetze funktionieren, um die von den IS-Terroristen verursachen Spaltungen und Verletzungen zu heilen“. Der Irak verlasse den Tunnel, aber es gebe noch viel zu tun, auch im Hinblick auf die Nachbarländer wie Iran und Saudiarabien, die das Zweistromland als Manöverfeld missbraucht hätten.
Die Ankündigung des Papstbesuchs bedeute auch für die christlichen Flüchtlinge, die noch in Erbil ausharren müssen, eine große Freude. Freilich würden nicht alle Flüchtlinge den Papst sehen können. Aber es bestehe die Hoffnung, dass Papst Franziskus ihre Stimme hören werde. Der Papstbesuch sei eine Botschaft der Ermutigung, der Einladung, Christus treu zu bleiben, an die göttliche Vorsehung zu glauben und sich der Kirche und der Liebe Gottes anzuvertrauen, „trotz des Bösen, der Kriege und der Gewalt“. Der Besuch von Papst Franziskus könne eine „Quelle des Glücks und des Friedens im Namen Jesu“ sein.