Irak: Patriarch Sako setzt neue ökumenische Initiative

Oberhaupt der Chaldäischen Kirche in Erbil mit Spitzenvertretern anderer Kirchen zusammengetroffen – Scharfe Verurteilung der jüngsten Terroranschläge im Irak

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Foto: © Österreichisches Außenministerium (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic)

Erbil, 22.07.21 (poi) Der chaldäisch-katholische Patriarch Louis Raphael Sako ist in der nordirakischen Stadt Erbil mit Vertretern anderer Kirchen zusammengetroffen. Wie der vatikanische Nachrichtendienst „Fides“ am Mittwoch berichtete, dienten die Begegnungen dazu, die ökumenischen Beziehungen und Strukturen im Irak neu zu beleben.

Im Irak gibt es laut dem chaldäischen Patriarchat offiziell 14 Kirchen. 2006 war ein „Rat der Oberhäupter der Kirchen und christlichen Gemeinschaften im Irak“ gegründet worden, um die Ökumene voranzubringen. Diese Einrichtung war aber in den vergangenen Jahren nicht mehr aktiv gewesen bzw. genützt worden.

Patriarch Sako und seine Delegation trafen in der Hauptstadt der Autonomen Region Kurdistan u.a. mit dem syrisch-orthodoxen Erzbischof Nikodemus Sharaf, dem syrisch-katholischen Erzbischof Nathanael Nizar Samaan und mit Vertretern der Assyrischen Kirche des Ostens zusammen. Angesichts der vielfältigen Not und Herausforderungen für den Irak und seine Bewohner brauche es die Zusammenarbeit und eine gemeinsame Stimme der Kirchen, so der Tenor der Begegnungen. Weitere Schritte zur Reaktivierung des irakischen Ökumene-Rates sollen folgen.

Auch bei einer Sitzung mit den chaldäischen Bischöfen des Landes am Mittwoch unterstrich der Patriarch die Bedeutung der Ökumene auf der Grundlage von Offenheit und gegenseitigem Respekt. Patriarch und Bischöfe bekräftigten zugleich das Recht auf die Eigenbenennung der Kirchen der Chaldäer, Syrer und Assyrer und sie plädierten für deren dezidierte Aufnahme in die Verfassung der Region Kurdistan, wie dies auch in der irakischen Bundesverfassung gegeben ist.

Die Bischöfe berieten zudem über die instabile und besorgniserregende Situation im Irak. Es brauche „nationalen Zusammenhalt und Weisheit, um das Land zu retten“, hieß es dazu in der entsprechenden Mitteilung des chaldäischen Patriarchats. Patriarch Sako und die Bischöfe verurteilten aufs Schärfste die wiederholten jüngsten Bombenanschläge, denen unschuldige und unbewaffnete Menschen zum Opfer gefallen seien. – Auch Papst Franziskus hatte die Anschläge verurteilt.

Weiters wurde von chaldäischen Bischöfe bei ihrer Konferenz über die Intensivierung der Arbeit in den Pfarrgemeinden im geistlichen, kulturellen und karitativen Bereich beraten.

 

Der Ökumene verpflichtet

Patriarch Sako hatte im Juni in einer offiziellen Erklärung dazu aufgerufen, die ökumenischen Beziehungen im Land wieder zu vertiefen. Der Weg zur vollen Einheit zwischen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften sei aber „nicht so einfach, wie manche es sich vorstellen“, räumte Sako damals ein. Die Frage nach der Wiederherstellung der vollen sakramentalen Einheit unter den Getauften sei eine „komplexe Frage“. Der Patriarch erinnerte unter anderem an den gescheiterten Versuch, ein gemeinsames Datum für die liturgischen Hochfeste zu finden, die von verschiedenen kirchlichen Gemeinschaften an unterschiedlichen Tagen gefeiert werden.

Wie sehr dem chaldäischen Patriarchen die Kircheneinheit am Herzen liegt, bewies er unter anderem im September 2013, wenige Monate nach seiner Wahl zum Oberhaupt der Chaldäisch-katholischen Kirche. Er schickte ein Glückwunschschreiben an den damaligen assyrischen Patriarchen Mar Dinkha IV. zu dessen 78. Geburtstag, in dem er das Oberhaupt der Assyrischen Kirche einlud, gemeinsam den Weg des Dialogs zu beginnen, um die volle kirchliche Gemeinschaft wieder herzustellen. Die Chaldäisch-katholische Kirche und die Assyrische Kirche des Ostens teilen das gleiche liturgische, theologische und geistliche Erbe.