Irak: Präsident lädt den Papst offiziell ein

Brahim Salih betont in seinem Schreiben, dass der Besuch von Papst Franziskus für den Irak eine „Erleuchtung“ darstellen wird

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Foto: © Doug (Quelle: Wikimedia; Lizenz: GNU Free Documentation License)

Bagdad, 23.06.19 (poi) „Ich habe die Ehre, Eure Heiligkeit offiziell zu einem Besuch im Irak einzuladen“: Das betont der irakische Präsident Brahim Salih in einem Brief an Papst Franziskus, der jetzt vom Präsidialamt in Bagdad veröffentlicht wurde. Der Papst hatte kürzlich bei einer Begegnung mit der Vollversammlung der katholischen Hilfswerke für die Ostkirchen (ROACO) von seinem Wunsch gesprochen, im Jahr 2020 in den Irak zu reisen. „Ich denke häufig an den Irak, in den ich nächstes Jahr reisen möchte“, sagte der Papst damals. Diese spontane Aussage sorgte für Überraschung, stieß aber gleichzeitig auf große Begeisterung. Ein solcher Besuch wäre für alle Iraker von „historischer Bedeutung“, insbesondere für die Christen, ließ Brahim Salih damals verlauten.

Mit dem Schreiben vom 19. Juni machte der irakische Präsident die Einladung an den Bischof von Rom offiziell. Der Brief ist auf Englisch verfasst und trägt den Briefkopf der Präsidentschaft. Der Irak, so Salih, sei der Herkunftsort von Abraham, dem „Vater der Gläubigen und Botschafter der göttlichen Religionen“. In den letzten Jahren habe der Irak Krieg und „immenses“ Leiden erlebt, das vor allem der christlichen Gemeinschaft „unvorstellbare“ Zerstörung gebracht habe, stellte Präsident Salih fest. Der Papst habe „immer“ eine tiefe Sorge um die Iraker gezeigt. Ein Besuch von Papst Franziskus würde für den Irak eine „Erleuchtung“ darstellen. Zugleich würde auch daran erinnert, dass der Irak „die Wiege der Menschheit“ sei und ein Ort, „an dem Menschen verschiedener Religionen seit jeher zusammenarbeiten konnten“. Eine solche Reise wäre ein „Meilenstein“, um den Irak wieder zu einem harmonischen „Mosaik der Religionen“ zu machen.

In seinem Schreiben betonte der irakische Präsident, dass sein Land der „lebenden und vielfältigen“ christlichen Gemeinschaft, die seit 2.000 Jahren in Mesopotamien beheimatet ist, wieder „Sicherheit und Wohlstand“ garantieren wolle.

 

Friedensgebet in den Ruinen der Kirche in Kerbela

Gebete und christliche Lieder hallten vor kurzem durch die Ruinen der Kirche von Al Aqiser in Kerbela, der heiligen Stadt des schiitischen Islam. Am 17. Juni war eine Gruppe chaldäischer Christen zu der Ruine der Kirche aus dem 5. Jahrhundert. gepilgert, die zu den ältesten christlichen Kultstätten im Nahen Osten zählt. In ihren Gebeten baten die Pilger um die Gabe des Friedens, das Ende von Konflikten und die Beendigung jeder Art von Sektierertum.

Die archäologische Stätte liegt westlich von Kerbela und zeugt von der Präsenz blühender christlicher Gemeinden in ganz Mesopotamien – auch nach der islamischen Machtübernahme. “Die Existenz dieser Kirche ist ein deutliches Signal für das Zusammenleben in diesem Land bis heute”, so der chaldäisch-katholische Priester Maysar Behnam. Die Ruinen der Kirche sind dank archäologischer Ausgrabungen in den 1970er-Jahren wieder ans Tageslicht gelangt. Solang im Irak Frieden herrschte, pilgerten Christen jeweils in der Weihnachtszeit dorthin.

In Kerbela versammeln sich jedes Jahr hunderttausende schiitische Pilger, um an die Ermordung des Enkels Mohammeds – Hussein – zu erinnern, der von den Schiiten als der dritte legitime Imam angesehen wird. Er wurde nach der schiitischen Tradition im Jahr 680 in Kerbela zusammen mit 72 seiner Anhänger von den Truppen des Kalifen Yazid I. getötet.