Irak-Unruhen: Bischöfe aller Kirchen folgten der Einladung von Kardinal-Patriarch Sako

In der gemeinsamen Erklärung der Kirchenführer wird die Solidarität mit den friedlichen Kundgebungen betont und zugleich vor einer „Eskalation der Gewalt“ gewarnt

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Foto: © DoD photo by Navy Petty Officer 2nd Class Dominique A. Pineiro (Quelle: Wikimedia; Lizenz: public domain)

Bagdad, 29.10.19 (poi) Die Bischöfe aller im Irak aktiven Kirchen sind der Einladung des chaldäisch-katholischen Patriarchen, Kardinal Mar Louis Raphael Sako, gefolgt und haben sich am Dienstag im Patriarchenpalais Al-Mansour in Bagdad versammelt, um die Lage im Land angesichts der anhaltenden Krise zu behandeln. In der gemeinsamen Erklärung der Kirchenführer heißt es wörtlich: „Wir haben uns versammelt, um die aktuelle Situation in unserem geliebten Land zu diskutieren und allen bewusst zu machen, dass es notwendiger und wirksamer Maßnahmen bedarf, um den Irak vor dem Absturz ins Unbekannte zu bewahren“. Die Bischöfe bedauern, dass es auch in der Nacht auf Dienstag zu einer „Eskalation der Gewalt“ gekommen ist, die Opfer gefordert hat. Die Auseinandersetzungen ereigneten sich vor allem in Kerbela, wo maskierte Unbekannte auf die Manifestanten schossen.

In der Erklärung wird die Solidarität mit den friedlichen Kundgebungen betont. Die Bischöfe unterstützen ausdrücklich die Forderungen der Manifestanten, „die Arbeit, Wohnungen, öffentliche Dienste, soziale Hilfe und entschlossenen Kampf gegen die Korruption, aber auch die Wiederherstellung des Werts der irakischen Währung verlangen“. Wörtlich heißt es in der Erklärung weiter: „Wir irakischen Hirten laden im Licht unserer historischen Verantwortung vor diesem zivilisierten Land die Regierung ein, mutige und historisch bedeutsame Entscheidungen zu treffen, die es erlauben, das zu reformieren, was durch einen verantwortungsvollen und mutigen Dialog reformiert werden muss, fernab von Gewaltanwendung, die dem Land nicht dient“.

Die Bischöfe grüßen die jungen Menschen, die „die Zukunft des Irak darstellen“, im Hinblick auf deren friedliche Proteste. Die jungen Leute sollten die Barrieren des Konfessionalismus überwinden und die irakische nationale Identität betonen, damit im Zweistromland endlich „eine Zivilgesellschaft entsteht, die den Pluralismus respektiert und den Irak zu einem Haus für alle macht“. Zugleich erneuern die Bischöfe den Appell an die Manifestanten, den friedlichen Charakter der Kundgebungen zu bewahren und nicht zuzulassen, dass Provokateure öffentliches oder privates Eigentum angreifen. Die Regierung habe die Verantwortung, sie müsse alles tun, um das Leben der Manifestanten und ihre Rechte auf „friedlichen öffentlichen Ausdruck der Meinungen zu bewahren“.

Abschließend rufen die Bischöfe die Barmherzigkeit Gottes für die Opfer auf Seiten der Manifestanten und der Exekutive an.