Israel: Bischöfe verurteilen Vandalen-Akte

In dem Bergstädtchen Jish an der libanesischen Grenze wurden Autos beschädigt und Wände mit christenfeindlichen Graffiti beschmiert – Im Juli des Vorjahrs hatte es in Jish ähnliche Vorfälle gegeben – „Pro Oriente“-Delegation hatte den Ort im November besucht

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Foto: © Berthold Werner (Quelle: Wikimedia; Lizenz: public domain)

Jerusalem, 11.02.20 (poi) In Galiläa ist es in dem Bergstädtchen Jish in unmittelbarer Nähe der libanesischen Grenze wieder zu Vandalen-Akten gekommen. „Unbekannte“ zerstachen die Reifen von mehr als 200 Autos, in Graffiti auf Ivrit wurden anti-arabische Parolen der extremistischen „Price Tag“ (Preisschild)-Bewegung zitiert. Die Versammlung der katholischen Bischöfe im Heiligen Land (AOCTS) verurteilte die Vorkommnisse und stellte fest, es mache zornig und traurig, „in knappen Abständen Anzeigen erstatten zu müssen, und noch wütender, dass diese Ereignisse zumeist vergehen, ohne dass die Schuldigen gefunden und vor Gericht gestellt werden“. Die Bischöfe appellierten an die staatlichen Behörden, ihre Verantwortung für Bildung und Sicherheit wahrzunehmen und künftig „keine Wiederholung solcher Verbrechen zu erlauben“.

Von den 3.000 Bewohnern von Jish sind 65 Prozent Christen (die anderen Muslime), die meisten Christen gehören der maronitischen Kirche an. In der regionalen christlichen Tradition hat Jish – in der Antike Giscala genannt – große Bedeutung: Jesus selbst soll auf dem Weg in die phönizischen Küstenstädte Sidon (Saida) und Tyrus (Sur) über Jish gegangen sein, die Eltern des Heiligen Paulus stammten aus dem Städtchen. Die örtliche Polizei geht von einem Hassverbrechen aus, als Täter werden „Auswärtige“ vermutet, die nicht aus der Gegend stammen. Zwischen den Einwohnern von Jish und den Bewohnern umliegender jüdischer Siedlungen besteht Einvernehmen.

Der Vorstand von „Pro Oriente“ hatte am 19. November des Vorjahrs bei seiner „Fact finding pilgrimage“ im Heiligen Land unter Führung von Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl und Präsident Alfons Kloss das Städtchen besucht und einen überaus positiven  Eindruck von den pastoralen, kulturellen und sozialen Initiativen in Jish gewonnen.

Momentan herrscht in Jish Verbitterung, weil sich auch am 19. Juli des Vorjahrs in dem Städtchen ähnliche Übergriffe wie jetzt ereignet hatten. Am Vormittag jenes Freitags hatten „Unbekannte“ in Jish Autos beschädigt und Wände mit christenfeindlichen Parolen auf Ivrit beschmiert. Auch am 19. Juli 2019 verbreiteten die katholischen Bischöfe eine Erklärung, in der sie u.a. ihrer Verbitterung und ihrem Missfallen über die wiederholten Gewalttaten ausdrückten, die trotz zahlreicher Anzeigen nicht verfolgt werden. Wörtlich hieß es in der damaligen Erklärung:

„Während wir unsere Solidarität mit den Bewohnern von Jish erklären, bitten wir den Allmächtigen, die Menschen zu ermutigen, damit sie angesichts von Herausforderungen standhalten und für die Aggressoren und deren Unterstützer beten, damit diese die Bosheit ihrer Taten bereuen und wir alle in einem sicheren Land leben können, wo niemand verletzt wird“.

Die Angriffe und Verwüstungen zum Schaden von Klöstern, Kirchen und christlichen Friedhöfen durch Extremistengruppen, die sich mit dem Slogan „Price Tag“ identifizieren, haben im Februar 2012 begonnen. Die von Price Tag“ verübten Hassvergehen bleiben zumeist unbestraft. Im Mai 2016 hatte die „Vereinigung der Rabbiner für die Menschenrechte“ eine Kampagne gestartet um israelische Politiker zu sensibilisieren, dass Angriffe von jüdischen Extremistengruppen gegen christliche und muslimische Objekte nicht bagatellisiert werden dürfen.