Italien: Theaterfestival zeigt Dramatisierung eines Romans über den Völkermord an den Armeniern

Im toskanischen San Miniato wird „La masseria delle allodole“ (Das Lerchen-Gut) gezeigt – Die Roman-Vorlage von Antonia Arslan hatte an Hand des Schicksals einer wohlhabenden armenischen Familie in einer anatolischen Stadt die Katastrophe des ab April 1915 in Gang gesetzten Völkermords geschildert

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Foto: © Manfred Heyde (Quelle: Wikimedia; Lizenz: GNU Free Documentation License)

Rom, 22.07.18 (poi) Beim Theaterfest im toskanischen San Miniato wird eine Dramatisierung des 2004 erschienenen mitreißenden Romans von Antonia Arslan „La masseria delle allodole“ (Das Lerchen-Gut) gezeigt. Der auf authentischen Geschehnissen in der Familie der Autorin basierende Roman schildert an Hand des Schicksals einer wohlhabenden armenischen Familie in einer anatolischen Stadt den ab April 1915 von den jungtürkischen (mit Österreich-Ungarn und dem Deutschen Reich verbündeten) Machthabern in Gang gesetzten Völkermord an den christlichen Armeniern. Die aus San Miniato stammenden Taviani-Brüder hatten 2007 aus dem Roman einen bewegenden Film gemacht. Der Film der Taviani-Brüder (der ältere, Vittorio, ist inzwischen verstorben) gab den Anstoß für die Entscheidung des „Instituts für das Volksdrama“, das seit sieben Jahrzehnten alljährlich das Theaterfestival in San Miniato veranstaltet, eine Dramatisierung des Romans von Antonia Arslan zu wagen.

Das furchtbare Geschehen des „Mets Jerern“, des „großen Frevels“, wie der vom „Komitee für Einheit und Fortschritt“ (Ittihad ve Terakki) inszenierte Völkermord von den Armeniern genannt wird, komprimierten Dramaturg Francesco Maria Asselta und Regisseur Michele Sinisi in das Geschehen weniger Stunden auf dem Lerchen-Gut, dem ländlichen Refugium der armenischen Familie, und parallel dazu im städtischen Büro der örtlichen Ittihadisten und ihrer Komplizen in den osmanischen Behörden. Die Szenen auf dem Gut zeigen ein letztes glückliches Mittagmahl der armenischen Großfamilie, bei dem über Stimmungen, Konflikte, Träume und Projekte gesprochen wird, über Gott und die Welt, über Wissenschaft und Poesie. Im Ittihadisten-Büro wird dagegen – unter Berufung auf „pantürkische“ Phantasmagorien und getrieben von Neid und Vernichtungswut – kaltblütig der Mord geplant, der aus den Ministerien in Konstantinopel telegrafisch angeordnet wurde. Die brutale Mordlust der Ittihadisten zerstört die paradiesische Schönheit des Lerchen-Guts samt seinen Bewohnern. Regisseur Sinisi lässt die Katastrophe des Überfalls der von den jungtürkischen Funktionären dirigierten Gendarmen und Freischärler auf das Gut in Stille ausklingen, die nur vom klagenden Gesang der Lerchen unterbrochen wird.

Der Vorsitzende des „Instituts für das Volksdrama“, Marzio Gabbanini, sagte im Gespräch mit „Vatican News“, es sei die Aufgabe des Theaterfests von San Miniato, aktuelle Probleme aufzugreifen, grundlegende Fragen der menschlichen Existenz. Der Film der Taviani-Brüder sei dann ausschlaggebend dafür gewesen, sich des so lang totgeschwiegenen Themas des Völkermords an den Armeniern mit den Mitteln des Theaters anzunehmen. San Miniato verstehe sich freilich nicht als „konfessionelles“ Theater, es gehe vielmehr darum, zum Nachdenken anzuregen, so Gabbanini.