Italien: Trauer um den orthodoxen Metropoliten Gennadios

Der aus dem Dodekanes stammende Bischof war ein Vorkämpfer der ökumenischen Bewegung in Italien

0
48
Foto: © Massimo Finizio (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unported)

Venedig, 16.10.20 (poi) Der griechisch-orthodoxe Erzbischof von Italien und Malta, Metropolit Gennadios (Tsambikos Zervos), ist am Freitag im Alter von 83 Jahren gestorben. Metropolit Gennadios war ein Vorkämpfer der ökumenischen Bewegung in Italien. Patriarch Bartholomaios I. sagte über ihn, er habe die Orthodoxie im Herzland des römischen Katholizismus wieder zum Erblühen gebracht und zugleich den orthodoxen Gläubigen die ökumenische Weite des Patriarchats von Konstantinopel vermittelt. Metropolit Gennadios war der erste orthodoxe Bischof in Italien seit 275 Jahren. Er residierte in Venedig nahe der orthodoxen Kathedrale San Giorgio dei Greci, einer der schönsten orthodoxen Kirchen aus der Zeit der Renaissance (die Republik Venedig hatte zu ihren zahlreichen orthodoxen Bürgern am Ostufer der Adria, in Albanien, in der Ägäis, auf Kreta und Zypern ein oft spannungsreiches, aber kulturell überaus fruchtbares Verhältnis).

Metropolit Gennadios stammte aus dem Dodekanes. Er wurde 1937 in Kremasti geboren, als die Inselgruppe um Rhodos noch eine italienische Provinz war. Seine theologischen Studien absolvierte er an der Theologischen Hochschule auf Chalki und dann am Päpstlichen Theologischen Institut für Süditalien. Zugleich studierte er an der Universität Neapel Soziologie und Psychologie. Seine theologische Dissertation behandelte das Thema „Der Beitrag des Ökumenischen Patriarchats für die Einheit der Christen“, es war die erste historische Arbeit eines orthodoxen Klerikers an einem katholischen wissenschaftlichen Zentrum in Italien. Nach weiteren theologischen Studien in Saloniki lehrte er zehn Jahre am katholischen universitären Institut San Nicola in Bari.

Seine seelsorgliche Laufbahn begann der jetzt verstorbene Metropolit als Diakon und Priester der historischen Griechischen Bruderschaft von Neapel. 1970 wurde er zum Titularbischof von Krateia und Auxiliar des damaligen Wiener orthodoxen Metropoliten Chrysostomos (Tsiter) erwählt, der auch Exarch des Ökumenischen Patriarchen für Italien war. Am 26. August 1996 wurde er vom Heiligen Synod des Ökumenischen Patriarchats zum Erzbischof von Italien mit dem Titel eines Metropoliten bestimmt. Seine Amtseinführung erfolgte am 27. Oktober jenes Jahres in der Kathedrale San Giorgio dei Greci in Anwesenheit hoher Repräsentanten des Heiligen Stuhls und des italienischen Staates.

Als Erzbischof gründete Metropolit Gennadios 65 neue orthodoxe Pfarrgemeinden in Italien. Als Repräsentant des Ökumenischen Patriarchats nahm er an zahllosen wissenschaftlichen und kirchlichen Ereignissen in Italien teil und leistete dabei Beiträge im Sinn der ökumenischen Verständigung.