„Jeder Fremde ist eine Gelegenheit zur Begegnung mit Jesus Christus“

Papst Franziskus lud beim Gottesdienst zum Welttag der Migranten und Flüchtlinge aber auch die Zuwanderer ein, im Aufnahmeland die Gelegenheit zu sehen, Jesus zu begegnen – Zu der Messfeier im Petersdom waren vor allem Einwanderer, Flüchtlinge und Asylwerber eingeladen

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Foto ©: Dnalor 01 (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Vatikanstadt, 14.01.18 (poi) Jeder  Fremde, „der an unsere Tür klopft“, ist  „eine Gelegenheit zur Begegnung mit Jesus Christus, der sich mit den aufgenommenen oder zurückgewiesenen ‘Ausländern‘ aller Epochen identifiziert“: Dies betonte Papst Franziskus am Sonntag im Petersdom bei der Messfeier zum Welttag der Migranten und Flüchtlinge. Wörtlich fügte der Papst hinzu: „Und auch für den Fremden, den Migranten, den Flüchtling, den Asylwerber ist jede Tür im neuen Land eine Gelegenheit, Jesus zu begegnen“. Die an diesem Sonntag im Evangeliumstext der Messfeier enthaltene Einladung Jesu „Kommt und seht“ sei an alle gerichtet, an die Einheimischen und an die Neuankömmlinge. Es sei eine Einladung, die Ängste zu überwinden, um dem Anderen entgegenzugehen, ihn aufzunehmen, ihn kennenzulernen und ihn anzuerkennen. In der Welt von heute bedeute das Aufnehmen, Kennenlernen und Anerkennen für die Neuankömmlinge, dass sie die Gesetze, die Kultur und die Traditionen des Aufnahmelandes kennen und respektieren, dass sie auch die vorhandenen Sorgen und Zukunftsängste verstehen. Für die Einheimischen wiederum gehe es beim Aufnehmen, Kennenlernen und Anerkennen darum, sich ohne Vorurteile dem „Reichtum der Verschiedenheit“ zu öffnen und die Möglichkeiten und Hoffnungen der Neuankömmlinge zu verstehen, aber auch deren Verletzlichkeit und Ängste.

Am Beginn seiner Predigt machte Papst Franziskus deutlich, dass er heuer zur Heiligen Messe am Welttag der Migranten und Flüchtlinge bewusst vor allem Einwanderer, Flüchtlinge und Asylwerber habe einladen wollen, „manche, die erst vor kurzem in Italien angekommen sind, andere, die seit Jahren im Land leben und arbeiten und nicht wenige der ‚zweiten Generation‘“. Der Vatikan veröffentlichte eine detaillierte Liste über die Eingeladenen, von denen zahlreiche einen ostkirchlichen Hintergrund hatten. In der Mitteilung hieß es, dass unter den Eingeladenen 200 indische Katholiken des lateinischen und 450 des syro-malabarischen Ritus waren, 50 Maroniten aus dem Libanon, 60 syrisch-orthodoxe Christen, zehn melkitische Katholiken,  1.200 ukrainische Katholiken des byzantinischen und 35 des lateinischen Ritus, 800 rumänische Katholiken des lateinischen Ritus, aber auch 150 Ceylonesen, 200 Katholiken von den Kapverdischen Inseln, 2.000 Filipinos und eine kleinere chinesische Abordnung.

Die wahre Begegnung mit dem „Anderen“ beschränke sich nicht auf Aufnahme, sondern beziehe sich auch auf die drei Aspekte „schützen, fördern, integrieren“, die er in seiner Botschaft zum Welttag der Migranten und Flüchtlinge hervorgehoben habe, betonte der Papst. Entscheidend sei, in dieser wahren Begegnung mit dem Nächsten Jesus Christus zu erkennen, der „aufgenommen, beschützt, gefördert und integriert“ werden möchte.

Es sei nicht leicht, in die Kultur eines „Anderen“, oft so „verschiedenen“ einzutreten, seine Gedanken und Erfahrungen zu verstehen, räumte Papst Franziskus ein. Daher werde oft auf die Begegnung mit dem „Anderen“ verzichtet, stattdessen würden Barrieren errichtet. Bisweilen bestehe die Befürchtung, dass die Neuankömmlinge die Ordnung stören oder etwas vom mühsam Aufgebauten „rauben“ könnten.  Auch die Neuankömmlinge hätten ihre Ängste im Hinblick auf Beurteilung, Diskriminierung, Scheitern. Alle diese Ängste seien legitim, Zweifel und Ängste zu haben, sei keine Sünde. Wohl aber sei es eine Sünde, die eigenen Entscheidungen von diesen Ängsten prägen zu lassen und dadurch Respekt und Großzügigkeit in Frage zu stellen, ja Hass und Zurückweisung zu nähren. Wörtlich stellte der Papst fest: „Es ist eine Sünde, auf die Begegnung mit dem ‚Anderen‘, mit dem Nächsten, zu verzichten, wo diese Begegnung doch die bevorzugte Gelegenheit zur Begegnung mit Christus ist“.

Abschließend lud Papst Franziskus einheimische Römer und migrantische Neuankömmlinge zum Gebet füreinander ein. Er rief die Fürbitte der Gottesmutter an, damit „wir alle in Übereinstimmung mit dem göttlichen Gebot der Nächstenliebe lernen, den ‚Anderen‘, den Ausländer, so zu lieben wie uns selbst“.

Beim Angelusgebet kündigte der Papst an, dass der Welttag der Migranten und Flüchtlinge „aus pastoralen Gründen“ in Zukunft am zweiten Septembersonntag gefeiert werden wird. 2019 werde der Welttag demnach am 8. September begangen werden.