Jerusalem: Wiedergutmachungsgottesdienst in der „Kirche aller Nationen“

Jerusalem: Wiedergutmachungsgottesdienst in der „Kirche aller Nationen“

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Foto: © Giovanni Zennaro (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

Jerusalem, 07.12.20 (poi) Der lateinische Patriarch von Jerusalem, Pierbattista Pizzaballa, hat am Sonntag gemeinsam mit dem Apostolischen Nuntius in Israel (und Apostolischen Delegaten in Jerusalem), Erzbischof Leopoldo Girelli, und dem emeritierten Weihbischof Giacinto Boulos Marcuzzo in der „Kirche aller Nationen“ im Garten Getsemani am Fuße des Ölbergs einen Wiedergutmachungsgottesdienst gefeiert, nachdem das der Todesangst Christi geweihte Gotteshaus am Freitag Ziel eines Brandanschlags geworden war. „Die versuchte Brandstiftung war ein verwerflicher Akt, der uns betrübt hat, weil er einen heiligen Ort, einen Ort des Gebets, einen Ort von hohem symbolischen Wert für alle Christen betraf“, sagte der Franziskaner-Kustos des Heiligen Landes, P. Francesco Patton, in seiner Predigt. Zugleich dürfe dieser Akt nicht zu sehr betont werden, weil es dem Täter offensichtlich um unverdiente Aufmerksamkeit gegangen sei. Jetzt seien die Sicherheits- und Justizbehörden in der Pflicht, damit es nicht zur Wiederholung ähnlicher Akte kommt, keine Wunden aufgerissen und „Instrumentalisierungen durch die Feinde des Friedens und des Zusammenlebens zwischen Gläubigen unterschiedlicher Religionen“ vermieden werden.

Die Christen müssten auf diesen Vorfall im Geist des Evangeliums reagieren, das Wort Gottes lade dazu ein, alle Hindernisse zu überwinden, die der Begegnung mit Christus und der brüderlichen Begegnung unter den Menschen entgegenstehen. Man dürfe nie vergessen, dass der Garten Getsemani ein Ort des Gebetes sei, hierher sei Jesus üblicherweise gekommen, um zu beten. Das Gebet um Wiedergutmachung an diesem Ort habe das Ziel, zur Versöhnung zu führen. Der Garten Getsemani sei aber auch ein „Ort der Gewalt“ gewesen, wo Jesus wie ein Übeltäter festgenommen wurde und der Apostel Petrus einem der Schergen ein Ohr abhieb, was Jesus verurteilt und sofort wieder gutgemacht habe. Diese Handlungsweise Jesu habe gezeigt, dass es im Herzen keinen Raum für Gewalt, für Rachegefühle geben dürfe, „keinen Platz für Groll, auch wenn man selbst Gewalt erleidet“. Diese Weisung gelte auch für heute, wie Papst Franziskus in seiner Enzyklika „Fratelli tutti“ deutlich gemacht habe. Der Garten Getsemani – und vor allem die „Kirche aller Nationen“ – seien ein „Ort der Versöhnung, und wir wollen, dass das so bleibt“. P. Patton erinnerte daran, dass die Kirche ihren Namen trage, weil sie nach dem Blutbad des Ersten Weltkriegs von jenen Nationen errichtet wurde, die einander bekriegt hatten. Das Gotteshaus sei daher ein Ort, der sowohl an die Tragödie der Feindschaft und des Krieges erinnere als auch an die Möglichkeit der Versöhnung. Der Wunsch nach christlicher und franziskanischer Brüderlichkeit (die Kirche wird von Franziskanern betreut) dürfe durch die Tat eines Einzelnen nicht verdunkelt werden. Wörtlich sagte der Franziskaner-Kustos: „Wir wünschen, dass Gerechtigkeit und Friede einander küssen, um zu vermeiden, dass sich Akte wie der Brandstiftungsversuch wiederholen und gefährliche Teufelskreise der Gewalt in Gang setzen“.

Die Christen im Heiligen Land sind sensibilisiert, weil es in den letzten Jahren zu einigen aufsehenerregenden Vorfällen gekommen ist, bei denen Extremisten aus der Siedlerbewegung christliche Heilige Stätten beschädigten, etwa die Trappistenabtei von Latrun oder die Brotvermehrungskirche im Priorat Tabgha.

In Amman hat der Sprecher des jordanischen Außenministeriums, Botschafter Daifallah al-Fayez, die Brandstiftung in der „Kirche aller Nationen“ scharf verurteilt und die israelischen Behörden aufgefordert, in Sachen Schutz der Heiligen Stätten ihren Verpflichtungen nach internationalem Recht nachzukommen. Zugleich erinnerte er an die Rolle des jordanischen Königs als „Hüter der islamischen und christlichen Heiligen Stätten“ in Jerusalem.