Jüdische Delegation auf Versöhnungsbesuch beim armenisch-apostolischen Patriarchen von Jerusalem

Anlass war ein Zwischenfall mit armenischen Seminaristen am 8. Juni - Mitglieder der Delegation wollen sich bei allen Verantwortlichen dafür einsetzen, dass sie auf die Jugendlichen einwirken, damit es nicht mehr “zu erniedrigenden oder schmachvollen Attacken” auf armenische Kleriker kommt

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Foto ©: Andrew Shiva (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

Jerusalem, 18.07.19 (poi) Eine hochrangige jüdische Delegation hat am Dienstag den armenisch-apostolischen Patriarchen von Jerusalem, Nourhan Manougian, aufgesucht, um ihre Betroffenheit über einen Angriff auf den Dekan und Studenten des armenischen Theologischen Seminars im Juni zum Ausdruck zu bringen. Der Delegation gehörten u.a. das Knesset-Mitglied Yitzhak Z. Pindrus (“United Torah Judaism Party”), Rabbiner David Rosen vom American Jewish Committee, die Koordinatorin des interkulturellen Community-Projekts “Window to Mount Zion”, Merv Horovitz-Stein, sowie drei hochrangige Offiziere der Polizeidirektion Jerusalem an. Die Delegationsmitglieder betonten ihre Sorge über den Zwischenfall vom 8. Juni, aber auch über “andere Fälle von unzivilisiertem Verhalten von jüdischer Seite gegenüber Angehörigen des armenischen Klerus”. Zugleich betonten sie die Notwendigkeit guter Beziehungen zwischen den verschiedenen Gruppen der Bewohner Jerusalems. Die Mitglieder der Delegation wollen sich bei allen Verantwortlichen dafür einsetzen, dass sie auf die Jugendlichen einwirken, damit es nicht mehr “zu erniedrigenden oder schmachvollen Attacken” auf armenische Kleriker kommt.

Am 8. Juni – dem Vorabend des jüdischen Pfingstfestes Shawuot – war es unmittelbar vor dem armenischen Theologischen Seminar zu dem Zwischenfall gekommen, als der Dekan des Seminars mit 20 Studenten das Haus verließ, um zur Grabeskirche (Anastasis) zur allwöchentlichen Prozession zu gehen. Drei junge Juden, die aber nicht an der Kleidung als Strenggläubige zu erkennen waren, spuckten die Seminaristen an und riefen Parolen wie “Christen sollten sterben” usw. Sie hatten einen Hund bei sich, dem sie den Maulkob abnahmen, bevor sie ihn auf den Dekan losließen. Der Priester stürzte zu Boden, die Seminaristen suchten ihn vor den Angriffen des Hundes zu schützen, es kam zu einem Handgemenge, einem Seminaristen wurde die Hand gebrochen. Schließlich liefen die Angreifer davon und erstatteten auf dem Polizeikommissariat der Altstadt Anzeige gegen die armenischen Seminaristen. Wenig später traf dort ein Vertreter des armenisch-apostolischen Patriarchen in Begleitung des Dekans und der Seminaristen ein, um seinerseits Anzeige gegen die Angreifer zu erstatten.

In einer Erklärung des armenischen Patriarchats hieß es am 20. Juni, leider habe es in den letzten Jahrzehnten hunderte Fälle gegeben, in denen armenische Priester, Mönche und Seminaristen im armenischen Viertel der Jerusalemer Altstadt angespuckt und beschimpft wurden. Im Interesse der Harmonie zwischen den verschiedenen  Religionsgemeinschaften habe das Patriarchat bisher immer davon abgesehen, die bei der Polizei erstatteten Anzeigen gegen jüdische Jugendliche wegen der Angriffe auf Kleriker publik zu machen. Jetzt aber habe ein Anwalt der Angreifer die Version “60 armenische Kirchenstudenten wollten zwei Juden am Vorabend von Shavuot lynchen” in Umlauf gebracht, um das Publikum glauben zu machen, die jungen Juden seien das Ziel von Angriffen der Seminaristen geworden. Im Interesse der friedlichen Koexistenz in der Heiligen Stadt sei es notwendig, dass alle jungen Leute gelehrt werden, “wie man sich benimmt und wie man andere Bürger respektiert”, wurde in der Erklärung des Patriarchats festgestellt. Jerusalem sei seit Jahrtausenden eine Vielvölkerstadt mit unterschiedlichen religiösen und ethnischen Gruppen und werde es auch bleiben, heißt es in der Erklärung des Patriarchats, die mit den Worten “Lasst uns zusammenarbeiten” endet.