Jüdische Gemeinschaft dankt dem Ökumenischen Patriarchen

Bartholomaios I. hatte sich am diesjährigen „Marsch der Lebenden“ in Auschwitz und Birkenau beteiligt – Der Marsch stand heuer auch im Zeichen des Gedenkens an die griechischen Opfer der Shoah – „Die Lehren aus der Shoah ziehen“

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Foto: © Massimo Finizio (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unported)

Warschau, 04.05.19 (poi) Die jüdische Gemeinschaft dankt dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I., der am 2. Mai mit dem „Marsch der Lebenden“ zum Andenken an die griechischen Holocaustopfer von Auschwitz nach Birkenau zog. An dem Schweigemarsch auf dem Gelände des einstigen größten NS-deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers auf besetztem polnischen Boden beteiligten sich heuer 10.000 – vor allem junge – jüdische Menschen aus 41 Ländern, aber auch 60 Überlebende der Shoah. Da heuer das Gedenken an die griechischen Opfer besonders betont wurde, war auch der griechische Parlamentspräsident Nikos Voutsis unter den Teilnehmenden. Patriarch Bartholomaios sagte bei der Abschlusszeremonie unweit der Ruinen der Gaskammern von Birkenau wörtlich: „Diese beiden Namen – Auschwitz und Birkenau – umfassen das, was vom puren Hass motivierte Menschen anrichten können, um die Würde der nach dem Bild Gottes geschaffenen menschlichen Person zu entweihen“.

„Die Zukunft kann nicht besser als die Vergangenheit sein, wenn Menschen unterschiedlicher Kulturen, Religionen und politischer Anschauungen die Lehren aus der Shoah nicht ordentlich lernen“, hob das spirituelle Oberhaupt der orthodoxen Kirche hervor. Zugleich erinnerte er daran, dass Tyrannei und Unterdrückung während der NS-Herrschaft wenigstens in geringem Ausmaß durch den Mut normaler Menschen gestoppt werden konnten. Dieser Menschen werde in Jerusalem in der „Allee der Gerechten“ in der Gedenkstätte Yad Vashem gedacht.

Rund 90 Prozent der jüdischen Bevölkerung in Griechenland wurden zwischen 1941 und 1944 von den deutschen Besatzern an Ort und Stelle ermordet oder in die von den Deutschen errichteten Vernichtungslager im Osten Europas deportiert. In der italienischen Besatzungszone hatten die Deutschen zunächst keinen Zugriff auf die jüdischen Menschen, aber nach dem am 8. September 1943 in Kraft getretenen Waffenstillstand zwischen den Alliierten und Italien und dem Zusammenbruch der italienischen Armee drangen Wehrmacht, SS und Gestapo auch in diese Zone ein. Nur relativ wenige jüdische Menschen konnten sich – auch dank der Unterstützung des orthodoxen Erzbischofs von Griechenland, des Athener Polizeipräsidenten und einfacher griechischer Bürger – vor den Verfolgern retten.

Patriarch Bartholomaios I. stattete am 3. Februar dem Oberhaupt der orthodoxen Kirche Polens, Metropolit Sawa (Hrycuniak), in Warschau einen brüderlichen Besuch ab. Der Patriarch – der vom Pariser Metropoliten, Emmanuel (Adamakis), begleitet wurde – betonte die freundlichen Beziehungen zwischen den Kirchen von Konstantinopel und Polen.  Das Kommunique der orthodoxen Kirche von Polen machte keine Angaben über den Inhalt der Gespräche zwischen Patriarch Bartholomaios und Metropolit Sawa, es wird aber angenommen, dass die Ukraine-Frage von zentraler Bedeutung war.

Zum Abschluss seiner Warschau-Visite besuchte der Ökumenische Patriarch die im Bau befindliche Hagia Sophia-Kathedrale der polnischen Hauptstadt. Es handelt sich um den ersten orthodoxen Kirchenbau in Warschau seit 1914 (vor Beginn des Ersten Weltkriegs gab es zahlreiche orthodoxe Gotteshäuser in der Weichsel-Metropole).