Kardinal-Patriarch Sako gedenkt des Märtyrer-Bischofs von Mosul

Vor zwölf Jahren wurde Erzbischof Paulos Faraj Rahho entführt und ermordet – Seine Leiche wurde auf einer Mülldeponie gefunden

0
252
Foto: © Österreichisches Außenministerium (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic)

Bagdad, 02.03.20 (poi) Die Geschichte der Kirche in Mesopotamien ist seit altersher mit Blut geschrieben und vom Kreuz geprägt, die Märtyrer seien das Beispiel, dem die Christen an Euphrat und Tigris folgen sollen: Dies betonte der chaldäisch-katholische Patriarch, Kardinal Mar Louis Raphael Sako, in einem Schreiben aus Anlass des 12. Jahrestags der Entführung und Ermordung des chaldäischen Erzbischofs von Mosul, Paulos Faraj Rahho. Der Erzbischof war von den islamistischen Tätern getötet worden, seine Leiche wurde auf einer Mülldeponie gefunden. Das „Blut der Märtyrer“ werde das Wachstum der chaldäisch-katholischen Gemeinden fördern, stellte der Kardinal-Patriarch fest. Die chaldäische Synode habe 2015 beschlossen, das Gedenken an alle Märtyrer am Freitag nach Ostern zu begehen. Die chaldäische Kirche habe in allen Epochen – bis in die jüngste Zeit – Märtyrer aufzuweisen, die um der Sache des Glaubens willen zum höchsten Opfer bereit waren.

Paulos Faraj Rahho, Jahrgang 1942, war das jüngste von acht Geschwistern. Er studierte in Mosul und Bagdad, 1965 wurde er zum Priester geweiht. Faraj Rahho war ein engagierter Pfarrseelsorger in einem Neubauviertel von Mosul, dann wurde er zum Erzbischof der Tigris-Metropole ernannt. Nach dem US-amerikanischen Einmarsch und dem Sturz von Sadat wurde Mosul einer der Brennpunkte der islamistischen Agitation.  Die Situation der Christen wurde immer schwieriger. Die Ermordung des jungen chaldäischen Priesters Ragheed Ganni und seiner Diakone war dann ein Alarmzeichen. Am 29. Februar 2008 folgte dann die Entführung des Erzbischofs direkt vor seiner Kathedrale.

Das Zeugnis von Erzbischof Faraj Rahho und all der anderen Märtyrer ist „der höchste Ausdruck unseres Glaubens“, stellte Mar Louis Raphael Sako fest. Der chaldäische Patriarch zeichnete – ohne auf sogenannte „political correctness“ Rücksicht zu nehmen – die dramatische Märtyrergeschichte Mesopotamiens nach: Er nannte die Verfolgung der mesopotamischen Christen unter dem sassanidischen Herrscher Schapur II. ebenso beim Namen wie die ersten Opfer der islamischen Invasion – „damals waren die meisten Iraker noch Christen“ –  und er nannte die weiteren Etappen, über die Blutbäder der mongolischen Herrschaft bis zur Ausrottung der Christen unter der Herrschaft der jungtürkischen „Ittihadisten“ ab 1915. Wörtlich stellte der Patriarch fest: „Der christliche Märtyrer ist kein Selbstmordattentäter, sondern vielmehr ein gläubiger Mensch, der das Leben und den Dienst an Gott und den Nächsten liebt“.