Kardinal Sandri auf den Spuren des Heiligen Franziskus im Heiligen Land

Anlass ist das 800-Jahr-Jubiläum der Begegnung zwischen dem Heiligen von Assisi und Sultan Al-Malik al-Kamil

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Foto: © (Quelle: Wikimedia; Lizenz: GNU Free Documentation License)

Jerusalem, 03.10.19 (poi) Auf den Spuren des Heiligen Franziskus, der vor 800 Jahren im ägyptischen Damietta mit Sultan Al-Malik al-Kamil zusammentraf, hält sich der Präfekt der vatikanischen Ostkirchenkongregation, Kardinal Leonardo Sandri, im Heiligen Land auf. Er spricht u.a. bei einem von der Franziskaner-Kustodie des Heiligen Landes organisierten Tagung über „Die Aktualisierung der Begegnung zwischen dem Heiligen Franziskus und Sultan al-Kamil in der Lehre und in den Gesten von Papst Franziskus“. Am Donnerstagmorgen nahm der Kurienkardinal an einer Begegnung mit islamischen Autoritäten in der Al-Aqsa-Moschee teil; dabei war auch die Präsenz von Großmufti Muhammad Ahmad Hussein vorgesehen. Am Freitag feiert Kardinal Sandri in der römisch-katholischen Konkathedrale San Salvatore die feierliche Messe zum Festtag des Heiligen Franziskus. Im Rahmen seiner Jerusalem-Visite besucht der Präfekt der Ostkirchenkongregation  auch die Gemeinden der melkitischen griechisch-katholischen und der maronitischen Kirche sowie verschiedene Ordensgemeinschaften. In Jerusalem traf er auch mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Migrantenseelsorge zusammen, ein Besuch galt auch dem – mit Hilfe des Grabesritterordens errichteten – Marienzentrums  der Migrantenseelsorge des Vikariats St. Jakob des Jerusalemer Patriarchats in Tel Aviv.

Die Vespergottesdienste in San Salvatore in Anwesenheit des Kardinals an jedem Abend seines Besuchs – der am Dienstag begonnen hatte – standen jeweils im Zeichen einer besonderen christlichen Tradition: Der orthodoxen, der reformatorischen und der ostkirchlich-katholischen.

Der Heilige Franziskus hatte sich dem 5. Kreuzzug angeschlossen. Er verließ Italien am 24. Juni 2019, per Schiff gelangte er nach Akkon (damals zumeist St. Jean d’Acre genannt). Im August 2019 war er in Ägypten und suchte das Friedens- und Glaubensgespräch mit dem vierten ayyubidischen Sultan. Das Gespräch blieb ohne unmittelbares Ergebnis, allerdings unterbreitete der Sultan Vorschläge, Jerusalem und Teile Palästinas auf Zeit (wie es dem islamischen Brauch entspricht) an die Christen zurückzugeben. Die Teilnehmer des 5. Kreuzzugs lehnten aber ab. Zehn Jahre später wurde dieser Vorschlag des Sultans aber im Zusammenwirken mit dem römischen Kaiser (und König von Sizilien) Friedrich II. verwirklicht. Friedrich II. hatte den 6. Kreuzzug ins Heilige Land geführt, wollte aber nicht militärisch, sondern diplomatisch vorgehen und fand in Sultan al-Kamil einen kongenialen Partner. In Jerusalem wurde (einschließlich des Tempelbergs) ein höchst komplexes System der doppelten Souveränität eingerichtet (dieses System spiegelt sich u.a. in Lessings Drama „Nathan der Weise“).

Franziskus sei das Ideal einer „humanen, sozialen, politischen, ethischen und ästhetischen Reform, die alle konfessionellen Grenzen überschreitet“, heißt es in einer Erklärung des Franziskanerordens zum 800-Jahr-Gedenken der Begegnung zwischen dem Heiligen Franziskus und Sultan al-Kamil (dessen Interesse für die westliche Christenheit so groß war, dass ihm sogar unterstellt wurde, er habe an der Pariser Universität studiert). Die Franziskaner veranstalten im Zeichen des 800-Jahr-Jubiläums der Begegnung zwischen Franziskus und dem Sultan eine Reihe von Gedenkveranstaltungen. Die erste Gedenkveranstaltung fand Ende Februar in Ägypten statt, auch dort war Kardinal Sandri anwesend.