Kardinal Schönborn dankt maronitischen Christen für ihre Glaubenstreue

Festgottesdienst mit der Wiener maronitischen Gemeinde in der Kirche Unterheiligenstadt

0
91
Foto: © BambooBeast (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Wien, 08.09.19 (poi) Für die Treue der orientalischen Christen zum Glauben an Christus dankte Kardinal Christoph Schönborn am Sonntag bei einem Festgottesdienst mit der Wiener maronitischen Gemeinde in der Kirche Unterheiligenstadt, wo die Maroniten mit ihrem Seelsorger P. Michel Harb jeden Sonntag um 11:30 Uhr seit rund zwei Jahren die Heilige Liturgie nach ihrem Ritus feiern. Kardinal Schönborn sagte bei dem zweisprachig – arabisch und deutsch – gefeierten Gottesdienst, er wolle den Christen im Nahen Osten – „wo das Christentum entstanden ist“ – Dank sagen, dass sie „den Glauben weitergetragen haben und ihm treu geblieben sind“. Es sei ihm eine große Freude, den maronitischen Christen (die zumeist aus dem Libanon und Syrien kommen) die Grüße ihres Patriarchen, Kardinal Bechara Boutros Rai, überbringen zu können, den er vor 14 Tagen beim Familienfest in Fatima getroffen hatte.

Der Wiener Erzbischof berichtete den nahöstlichen Christen, dass auf seinem Schreibtisch eine kleine Statue Unserer Lieben Frau vom Libanon (Notre-Dame-du-Liban) steht, ein Abbild der gewaltigen Marienstatue im libanesischen Harissa. Immer wenn er auf diese kleine Statue schaue, werde ihm die schwierige Situation der Menschen im Libanon bewusst, aber zugleich wachse die Gewissheit, dass Maria über den Libanon und seine Menschen wacht.

Am Sonntag war das Fest Mariä Geburt zu feiern, an dem im maronitischen Ritus jene Evangelienstelle zu verlesen ist, in der Jesus, der von zahlreichen Zuhörern umgeben ist, seine Mutter eher brüsk zurückweist. Kardinal Schönborn erläuterte den eigentlichen Sinn dieser auf erste Hinhören frappierenden Evangelienstelle: Jesus mache klar, dass Familie nicht nur die leiblich Anverwandten bedeutet, sondern alle Menschen, „die das Wort Gottes hören und es tun“. Diese Familie habe keine Grenzen, sie sei offen für alle, „alle gehören dazu, nicht nur die Bewohner des Nahen Ostens oder Europas“. Freilich werde auch deutlich gesagt, dass der Jünger, der „zur Familie“ gehören wolle, auch bereit sein müsse, Jesus nachzufolgen und sein Kreuz auf sich zu nehmen. Gerade im Nahen Osten hätten viele Menschen diese Erfahrung gemacht und Verfolgung erlitten, weil sie „zur Familie Jesu“ gehören wollen, erinnerte der Wiener Erzbischof. Sie hätten für ihre Familienzugehörigkeit einen „hohen Preis an Verfolgung und Leid“ bezahlt.

Eingangs hatte P. Harb daran erinnert, dass Unterheiligenstadt inzwischen ein „Ort der Begegnung“ für arabischsprachige Christen unterschiedlicher Riten geworden ist. Der maronitische Seelsorger konnte bei dem Gottesdienst auch den libanesischen Botschafter Ibrahim Assaf und dessen Familie begrüßen. Großen Eindruck machte der Kinderchor der maronitischen Gemeinde, der zum Abschluss der Liturgie das Te Deum auf deutsch sang.

Die Kirche Unterheiligenstadt spiegelt die schwierige Geschichte der Erzdiözese Wien im 20. Jahrhundert. Als der „Karl Marx Hof“ errichtet wurde, eröffnete die Erzdiözese Wien für die dort wohnenden Katholiken 1933 eine der Moskauer Iwerskaja-Madonna gewidmete Kapelle. Nach dem deutschen Einmarsch 1938 wurde die Seelsorge untersagt. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs entstand am Ort des jetzigen Gotteshauses eine Notkirche. Sie wurde durch einen 1967 vom damaligen Erzbischof-Koadjutor Franz Jachym geweihten modernen Kirchenbau ersetzt, in der Kirche wird die Kopie einer berühmten Madonna des Künstlers Lorenzo Ghiberti verehrt.