Kardinal Schönborn: „Entschiedenes und kompromissloses Nein zum Antisemitismus“

Wiener Erzbischof gratuliert den „jüdischen Mitbürgern und Mitbürgerinnen“ zum bevorstehenden jüdischen Neujahrsfest Rosch ha-Schana – Generalsekretär des Weltkirchenrats begrüßt jüdisch-christliche Kooperation im Hinblick auf die aktuellen Herausforderungen einschließlich der Umweltkrise

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Foto: © Gilabrand (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Wien-Genf,  27.09.19 (poi) Kardinal Christoph Schönborn hat den „jüdischen Mitbürgern und Mitbürgerinnen“ aus Anlass des bevorstehenden jüdischen Neujahrsfestes Rosch ha-Schana, das am Abend des 29. September beginnt, herzliche Glückwünsch übermittelt. In einer Grußadresse für die Zeitschrift „David“ stellte Kardinal Schönborn fest: „Die katholische Kirche hat beim Zweiten Vatikanischen Konzil in der Erklärung ‚Nostra aetate‘ den Reichtum des ‚gemeinsamen geistlichen Erbes‘ von Christen und Juden gewürdigt und seither mit Entschlossenheit den Weg der Förderung der gegenseitigen Achtung und Kenntnis beschritten. Achtung und Kenntnis sind die beiden Momente, die es den Christen zum Herzensanliegen machen müssen, Freude und Sorge der ‚älteren Brüder und Schwestern‘ zu teilen. Dass es in unserem Land nach der Katastrophe der Shoah wieder ein vitales jüdisches Leben gibt, ist Grund zur Freude. Aber auch die Sorge nicht weniger jüdischer Menschen im Hinblick auf das Wiederaufflackern antisemitischer Ideologien ist ernst zu nehmen. Gegenüber dem Antisemitismus, der die Menschheitskatastrophe der Shoah ausgelöst hat, kann es nur ein entschiedenes und kompromissloses Nein geben. In der Erklärung ‚Nostra aetate‘ heißt es in diesem Zusammenhang: ‚Im Bewusstsein des Erbes, das sie mit den Juden gemeinsam hat, beklagt die Kirche nicht aus politischen Gründen, sondern auf Antrieb der religiösen Liebe des Evangeliums alle Hassausbrüche, Verfolgungen und Manifestationen des Antisemitismus, die sich zu irgendeiner Zeit und von irgendjemandem gegen die Juden gerichtet haben‘“.

Kardinal Schönborn verweist in seiner Grußadresse darauf, dass die Juden zu Rosch ha-Schana die Welt von heute in Feier und Gebet an Grundtatsachen menschlicher Existenz erinnern. Denn am Neujahrstag werde der Schöpfung gedacht, insbesondere auch der Erschaffung des ersten Menschenpaares Adam und Eva, des Bundes Gottes mit den Menschen. Zugleich sei es ein Tag des selbstkritischen Rückblicks auf das vergangene Jahr und ein Tag der erneuten Hinwendung zu Gott und der Bitte um seinen Segen im Hinblick auf das neue Jahr.

Auch der Generalsekretär des Weltkirchenrats, Pfarrer Olav Fykse Tveit, übermittelte aus Anlass von Rosch ha-Schana  herzliche Glückwünsche an die „jüdischen Freunde und Partner“ der  weltweiten Kirchenorganisation. Wörtlich stellte Fykse Tveit fest: „Die Kirchen begehen derzeit die ‚Schöpfungszeit‘, die jüngst in das liturgische Jahr vieler christlicher Traditionen aufgenommen worden ist. Diese Zeit lenkt unsere Aufmerksamkeit auf die Würde der ganzen menschlichen Familie, deren Mitglieder alle nach dem Bild Gottes geschaffen sind, zugleich aber auch auf die Herausforderung, der wir uns als Hüter von Gottes guter Schöpfung stellen müssen“. Gerade die ärmsten und verletzlichsten Menschen seien von den schlimmsten Konsequenzen der Umweltkrise betroffen, betonte der Generalsekretär des Weltkirchenrates. Daher sei es sehr ermutigend gewesen, dass bei einem Treffen von Delegationen des Weltkirchenrats (WCC) und des Internationalen Jüdischen Komitees für Interreligiöse Konsultationen (IJCIC) im Juni in Paris eine intensivere jüdisch-christliche Zusammenarbeit im Hinblick auf die aktuellen Herausforderungen einschließlich der Bewahrung der Schöpfung vereinbart worden sei.  In diesem Augenblick gebe es Gespräche zwischen Vertretern beider Organisationen über die praktischen Schritte zur Verwirklichung dieser Vereinbarung.

Mit Rosch ha-Schana beginnt am Abend des 29. September das Jahr 5780 nach jüdischer Zeitrechnung.