Kardinal Schönborn würdigt verstorbenen serbischen Patriarchen Irinej

„In schwierigen Zeiten hat er den Menschen die frohe Botschaft von der Auferstehung verkündet, die einzig tragende Antwort auf die drängenden Fragen nach dem Woher, Wohin und Wozu des Lebens“ – Der Blick des Patriarchen ging über die Grenzen der eigenen Kirche hinaus

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Foto: © BambooBeast (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Wien, 20.11.20 (poi) Kardinal Christoph Schönborn hat am Freitag seine Betroffenheit übe den Tod des serbisch-orthodoxen Patriarchen Irinej bekundet. In einem Kondolenzschreiben des Kardinals an den Wiener serbisch-orthodoxen Bischof Andrej (Cilerdzic) und an den Heiligen Synod der serbischen Kirche in Belgrad heißt es wörtlich: „In Trauer über den Heimgang eines der großen orthodoxen Patriarchen bin ich im Gebet mit der serbischen orthodoxen Kirche und dem serbischen Volk verbunden, das den Tod von Patriarch Irinej beweint. In schwierigen Zeiten hat er den Menschen in Südosteuropa, aber auch in der Diaspora in Nordamerika unverdrossen die frohe Botschaft von der Auferstehung verkündet, die einzig tragende Antwort auf die drängenden Fragen nach dem Woher, Wohin und Wozu des Lebens. Sein Blick ging dabei über die Grenzen der eigenen Kirche hinaus, war er es doch, der nach einer durch die politischen Entwicklungen mitbedingten Unterbrechung zur Wiederaufnahme des offiziellen theologischen Dialogs zwischen orthodoxer und katholischer Kirche auf internationaler Ebene im Jahr 2006 in Belgrad beigetragen hat. Er war damals noch Bischof von Nis; aus der Tatsache, dass diese serbische Stadt der Geburtsort von Kaiser Konstantin dem Großen war, hat er ökumenische Inspiration bezogen. Möge der Herr sein Zeugnis für die Wahrheit und sein pastorales Wirken reich belohnen“.

Totengedenken in der Kathedrale am Fleischmarkt

Auch die beiden in Wien residierenden orthodoxen Bischöfe brachten ihre Trauer über den Tod des serbischen Patriarchen zum Ausdruck. Metropolit Arsenios (Kardamakis) teilte in einer auf der Website der Metropolis veröffentlichen Stellungnahme mit, unmittelbar nach Bekanntwerden der Nachricht vom Ableben des Patriarchen sei in der griechisch-orthodoxen Dreifaltigkeitskathedrale am Wiener Fleischmarkt bereits ein Totengedenken für den Verstorbenen gefeiert und für ihn gebetet worden.

Viele Jahrzehnte hindurch habe Patriarch Irinej der Kirche wertvolle Dienste geleistet, „46 Jahre diente er als Bischof hingebungsvoll, aufopfernd und treu den ihm anvertrauten Menschen“, heißt es in der Stellungnahme: „Durch alle politischen und gesellschaftlichen Stürme und Umbrüche hindurch, mit immer neuen, immer anderen Herausforderungen konfrontiert, bemühte er sich stets um die Verbreitung des Wortes Gottes, die Stärkung des Glaubens und der Gläubigen und um die Wahrung und Stärkung der Einheit und guten Zusammenarbeit der orthodoxen Kirchen“

„Ein großer Freund Österreichs“

)Als „großen Freund Österreichs“ bezeichnete der Wiener serbisch-orthodoxe Bischof Andrej (Cilerdzic) Patriarch Irinej. Der Patriarch habe große Bewunderung und Wertschätzung für Kardinal Franz König (1905-2004) gehegt, ebenso auch für dessen Nachfolger Kardinal Christoph Schönborn. Patriarch Irinej habe es stets zu schätzen gewusst, wie sehr die katholische Kirche in Österreich die serbisch-orthodoxe Kirche im Land unterstützt, sagte Bischof Andrej im Gespräch mit der Nachrichtenagentur „Kathpress“.

Kardinal Schönborn war zuletzt im November 2018 bei einem Besuch in Belgrad mit Patriarch Irinej zusammengetroffen. Der Patriarch zeigte sich damals vor allem dankbar dafür, dass die serbisch-orthodoxen Gläubigen in Österreich so gut aufgenommen würden und nun dort beheimatet seien. Positiv hob er auch hervor, dass die Erzdiözese Wien im Jahr 2014 die Kirche Neulerchenfeld an die serbisch-orthodoxe Kirche übergeben hatte. 2010 hatte der Patriarch zuletzt Österreich besucht.

Patriarch Irinej sei für die Ökumene sehr offen gewesen, betonte Bischof Andrej. Sehr lobend habe der Patriarch auch immer wieder auf das Wirken der Stiftung „Pro Oriente“ verwiesen. Die Stiftung habe sich dem Dialog zwischen den Kirchen verschrieben und auch Patriarch Irinej sei ein „Mann des Dialogs“ gewesen. Der verstorbene Patriarch hätte sich auch sehr einen Besuch des Papstes in Serbien gewünscht, so Bischof Andrej. Er berichtete von einem Brief, den Irinej 2005 noch als Bischof von Nis an den damaligen serbisch-orthodoxen Patriarchen Pavle geschrieben hatte, und in dem er sich anlässlich des Jubiläumsjahres 2013 für eine große Feier aussprach, an der alle Kirchenoberhäupter hätten teilnehmen sollen, inklusive dem Papst. Dazu sei es dann allerdings nicht gekommen.

Wie Bischof Andrej weiter sagte, habe sich der Belgrader Patriarch auch um eine Aussöhnung zwischen Serben und Kroaten bzw. zwischen serbisch-orthodoxer und römisch-katholischer Kirche bemüht. Seine Vorstellung sei gewesen, dass der Papst auf seinem Weg nach Serbien zuerst das einstige kroatische Vernichtungslager Jasenovac besucht und dort der ermordeten Serben gedenkt. Dann hätte man in Serbien ein Zeichen der Aussöhnung zwischen serbisch-orthodoxer und katholischer Kirche setzen können.