Katholische Patriarchen aus dem Orient schilderten dem Papst die aktuelle Lage

Es ging wieder um das Problem, wie die Präsenz der Christen im nahöstlichen Ursprungsgebiet ihres Glaubens auf Dauer gesichert werden kann

0
222
Foto: © Almog (Quelle: Wikimedia; Lizenz: public domain)

Vatikanstadt, 08.02.20 (poi) Auf „dringendes Ersuchen“ der nahöstlichen katholischen Patriarchen ist Papst Franziskus am Freitag, 7. Februar, mit den Oberhäuptern der unierten orientalischen Kirchen zusammengetroffen. Die sechs Patriarchen diskutierten mit dem Papst die schwierige Situation der Christen in ihren nahöstlichen Heimatgebieten und die Probleme der nach wie vor starken Emigrationsbewegung. Teilnehmer der Begegnung waren der maronitische Patriarch, Kardinal Bechara Boutros Rai, der chaldäisch-katholische Patriarch, Kardinal Mar Louis Raphael Sako, der koptisch-katholische Patriarch Ibrahim Isaac Sidrak, der syrisch-katholische Patriarch Mor Yousif III. Younan, der melkitische griechisch-katholische Patriarch Yousef Absi und der armenisch-katholische Patriarch Krikor Bedros XX. Ghabroyan. Am Samstag, 8. Februar, trafen die sechs Patriarchen mit Kardinal-Staatssekretär Pietro Parolin zusammen, um zu besprechen, was konkret von seiten der katholischen Weltkirche geschehen kann, um die die Präsenz der Christen im Ursprungsgebiet des christlichen Glaubens – im Nahen Osten – zu sichern.

Der syrisch-katholische Patriarch Mor Yousif III. Younan sagte im Gespräch mit der amerikanischen katholischen Nachrichtenagentur CNA, die Verantwortlichen der orientalischen katholischen Kirchen seien dem Papst dankbar für seine Haltung, aber sie würden sich wünschen, dass der Vatikan insgesamt „alle verfolgten religiösen Minderheiten im Nahen Osten verteidigt“, wo die politische Situation für diese Gemeinschaften, die oft hilflos seien, nicht erfolgversprechend sei. Die jetzige Situation sei eine „Bedrohung des Überlebens der orientalischen Christen“, so Mor Yousef III. Younan. Der syrisch-katholische Patriarch äußerte sich überaus kritisch zum jüngsten Nahost-Friedensplan von US-Präsident Trump. „Für uns bringt das mehr Bedrohungen als Lösungen“, sagte der Patriarch und fügte hinzu, dass die Forderungen der Palästinenser nicht berücksichtigt worden seien. Aber immerhin sei es ein Plan, es sei zu hoffen, dass es gelingen werde, die Repräsentanten der beiden Völker im Hinblick auf die Zukunft an einen Tisch zu bringen. Eindringlich appellierte der syrisch-katholische Patriarch an die Christen in aller Welt, sich für das Heimatrecht der Christen im Orient einzusetzen. Dafür bedürfe es mehr der Taten als der Worte. Der Heilige Stuhl sollte sich mit den Katholiken in aller Welt dafür einsetzen, dass die Entscheidungsträger die Menschen im Nahen Osten „nicht nur als Nummern“ sehen, sondern als „Personen, die ein Recht auf ein  Leben in Würde und Freiheit haben“.

Der chaldäisch-katholische Patriarch, Kardinal Mar Louis Raphael Sako, teilte nach der Begegnung im Vatikan mit, es werde in nächster Zeit zu keinem Besuch von Papst Franziskus im Irak kommen. „Er hat auch über seinen Wunsch gesprochen, den Irak zu besuchen, aber leider sind die Umstände nicht günstig. Vielleicht sehen wir Ende des Jahres, ob das möglich ist“, sagte der Kardinal-Patriarch im Gespräch mit „Vatican News“. Laut dem chaldäischen Patriarchen ließ sich der Papst bei der Begegnung am Freitag die Situation in Syrien, dem Irak und dem Libanon schildern, etwa auch die Probleme mit Verfolgung, Gewalt, Emigration und Fundamentalismus.

Einige der orientalischen Patriarchen werden am Mittelmeer-Treffen der Italienischen Bischofskonferenz von 19. bis 23. Februar teilnehmen. Papst Franziskus wird am 23. Februar bei dem Treffen unter dem Thema „ Mittelmeer – Grenze oder Friede“ in Bari anwesend sein. Auch in Bari ist die christliche Präsenz im Nahen Osten ein zentrales Thema.

Das letzte Treffen der katholischen Patriarchen des Nahen Ostens fand Ende November 2018 in Bagdad statt. Bei dieser Gelegenheit hatten die Patriarchen auch an den Papst geschrieben und um ein Treffen mit ihm gebeten, um dem Bischof von Rom ihre Fragen und Bedenken in Bezug auf die Notlage und die aktuellen Probleme in ihren Kirchengebieten mitzuteilen. Mitte Jänner hatte der melkitische Patriarch Yousef Absi klargestellt, dass die Mission der Kirche in der Welt und damit auch im Nahen Osten, es nicht ist, „die christliche Zivilisation anstelle anderer Zivilisationen zu verbreiten“, sondern vielmehr „das Wirken des Heiligen Geistes zu bezeugen und anderen zu helfen, die Gabe dieses Geistes zu empfangen“. „Unsere Präsenz, insbesondere im Nahen Osten, hängt nicht von unserer Zahl, unserer Stärke, unserer Größe und unseren Fähigkeiten ab, sondern von der wirksamen Arbeit des Heiligen Geistes in unserem Leben“, so der melkitische Patriarch damals.