Katholischer Erzbischof von Addis Abeba Koordinator der neuen äthiopischen Versöhnungskommission

Ministerpräsident Ahmed Abiy sichert der Kommission „völlige Autonomie“ und „maximale Freiheit“ zu – Es geht auch um den Versöhnungsprozess mit dem benachbarten Eritrea

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Foto: © JanManu (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Addis Abeba, 18.02.19 (poi) Der äthiopisch-katholische Erzbischof von Addis Abeba, Kardinal Berhaneyesus Demerew Souraphiel, ist zum Koordinator der neuen äthiopischen Nationalkommission für Versöhnung und Frieden bestellt worden. Ministerpräsident Ahmed Abiy war dafür maßgeblich. Abiy – ein evangelischer Christ – wurde vor kurzem, am 21. Jänner, von Papst Franziskus im Vatikan empfangen. Stellvertreterin des Kardinals in der Kommission ist die Anwältin und Menschenrechtsaktivistin Yetnebersh Nigussie. Sie ist seit ihrem fünften Lebensjahr auf Grund einer Meningitis-Infektion blind. Ihr Vater entstammte einer orthodoxen Priesterfamilie, auf Rat ihrer Großmutter besuchte sie eine von katholischen Ordensfrauen geführte Blindenschule.  Die Anwältin, die sich besonders für die Anliegen behinderter Menschen, vor allem von Frauen, einsetzt, wurde 2007 mit dem „Alternativen Nobelpreis“ („Right  Livelihood Award“) ausgezeichnet.

Zu den Aufgaben der Nationalkommission wird auch der Friedensprozess mit Eritrea, der einstigen italienischen Kolonie und späteren äthiopischen Provinz, zählen. Erst im Vorjahr war es gelungen, nach 20 Jahren Krieg den Frieden zwischen den beiden Nachbarländern wiederherzustellen. Ministerpräsident Abiy versicherte den Kommissionsmitgliedern, die aus der Zivilgesellschaft, den Religionsgemeinschaften und der Publizistik kommen, dass sie in „völliger Autonomie“ und „maximaler Freiheit“ arbeiten könnten. Die Bestellung von Kardinal Souraphiel wurde sowohl von der Politik als auch von den Verantwortlichen der Religionsgemeinschaften lebhaft begrüßt. Die Gründung der äthiopischen Nationalkommission für Versöhnung und Frieden geht auf Vorbilder in anderen afrikanischen Ländern zurück, die schwere innere Konflikte zu bewältigen hatten, wie etwa Südafrika und Ruanda.

Die katholische Kirche, die auch in Eritrea stark präsent ist, möchte zur Versöhnung zwischen Äthiopien und Eritrea einen wirkungsvollen Beitrag leisten. Der Erzbischof der eritreischen Hauptstadt Asmara, Menghesteab Tesfamariam, führte am 12. Februar eine Delegation der katholischen Kirche Eritreas nach Addis Abeba, erstmals seit mehr als 20 Jahren. Die Delegation traf in der äthiopischen Hauptstadt mit dem Präsidium der äthiopischen katholischen Bischofskonferenz unter Leitung von Kardinal Souraphiel zusammen. Der Kardinal und sein eritreischer Amtsbruder unterstrichen, dass die katholische Kirche auch in den Zeiten des Konflikts eine Brücke für die Menschen aus beiden Nationen geblieben sei. Der Erzbischof von Asmara kennt die äthiopischen Verhältnisse gut, er war u.a. Theologieprofessor an der Lehranstalt der Kapuziner in Addis Abeba.